MCH Group

Ein Showdown vor dem Showdown bei der MCH Group: Wird der Sanierungsprozess torpediert?

Die Nervosität bei der MCH Group steigt: Eine Beschwerde droht den Sanierungsprozess zu torpedieren. Der Konzern appellierte an seine Aktionäre, dass sie der Übernahme möglichst reibungslos grünes Licht geben. Doch der kritische Aktionär Erhard Lee legt erneut die Nerven aller Beteiligten blank.

Christian Mensch
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Ein kritischer Aktionär bereitet eine Beschwerde vor.

Ein kritischer Aktionär bereitet eine Beschwerde vor.

Kenneth Nars

Am 3. August hat die MCH Group zu einer ausserordentlichen Generalversammlung geladen – und coronabedingt ihre Aktionäre physisch gleich wieder ausgeladen. In einem Aktionärsbrief werden sie vom Verwaltungsrat und von der Konzernleitung dennoch dringlich aufgefordert: «Wir appellieren an Sie, von Ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen und die Anträge des Verwaltungsrates zu unterstützen, damit wir die Sanierung mit guten Zukunftsaussichten umsetzen können.»

Der kritische Aktionär Erhard Lee hat bereits angekündigt, dass er die vorgeschlagene Kapitalerhöhung des angeschlagenen Basler Messekonzerns um insgesamt 104 Millionen Franken ablehnen wird. Dies nicht, weil er etwas gegen die Lupa Systems des Investors James Murdoch einzuwenden hätte, der mit bis zu 74 Millionen Franken übernehmen will. Sondern vielmehr wegen des Verfahrens, das die MCH Group sich von der Eidgenössischen Übernahmekommission hat absegnen lassen. Dies bringe für die Altaktionäre eine Verwässerung ihrer Anteile, sagt Lee.

Wann läuft die Beschwerdefrist ab?

Die Nervosität bei der MCH Group ist weniger darin begründet, dass sie fürchtet, Lee könnte an der Generalversammlung eine Mehrheit hinter sich versammeln. Die öffentliche Hand hält 49 Prozent der Aktien und muss rechnerisch nur gerade die freien Aktionäre für sich gewinnen, die bisher zwei Prozent halten. Ein schlechtes Quorum käme jedoch einem Misstrauensvotum gegenüber dem Sanierungskurs gleich.

Damit liesse sich leben. Lee bereitet jedoch auch eine Beschwerde gegen die Verfügung der Übernahmekommission vor. Diese kann «innert einer Frist von fünf Börsentagen» einerseits bei der Finanzmarktaufsicht (Finma), andererseits bei der Übernahmekommission selbst angefochten werden. Die Verfügung stammt vom 13. Juli, womit sie bereits rechtskräftig wäre, sollte dieses Datum ausschlaggebend sein. Lee geht jedoch davon aus, dass der Countdown erst mit der Bekanntgabe startet; die MCH Group kommunizierte sie am 15. Juli, die Übernahmekommission selbst erst am 16. Juli. Lee will die Beschwerde deshalb bis Donnerstag deponiert haben.

Wir bereiten eine Beschwerde vor.

(Quelle: Erhard Lee, LBB Swiss Investment)

Die Übernahmekommission nimmt auf Anfrage nicht Stellung, wann die Beschwerdefrist abläuft. Sie lässt auch die Frage offen, ob eine Einsprache eine aufschiebende Wirkung hätte. Gemäss vorliegenden Informationen kann eine eingereichte Beschwerde innerhalb von zehn Tagen mit weiteren Materialen unterlegt werden. Wäre die Rechtskraft der Verfügung schon nur bis zu diesem Zeitpunkt aufgeschoben, hätte die Generalversammlung am 3. August keine rechtliche Grundlage mehr für ihre Beschlüsse.

Wie weiter nach dem 3. August?

Auf welch rechtlich unsicherem Terrain sich die MCH Group in diesem Geschäft bewegt, zeigt sich in der Entstehungsgeschichte der Verfügung. Die zwei juristischen Knacknüsse sind, ob die öffentliche Hand und die Lupa Systems börsenrechtlich als Gruppe verstanden werden müssten, was die MCH Group verneint, und ob die Grossaktionäre Basel-Stadt und Lupa den Minderheitsaktionären nicht ein Übernahmeangebot machen müssten.

Die erste Eingabe erhielt die Übernahmekommission am 2. Juli mit der Bitte, erst zu kommunizieren, wenn die Transaktion auch öffentlich gemacht werde, was am 10. Juli erfolgte. Bereits am Tag nach der Eingabe brachte die MCH Group jedoch noch einen Eventualantrag ein. Noch am 9. Juli wurde dieser wieder zurückgezogen.

Auf die Frage, was geschieht, wenn am 3. August die Verfügung nicht rechtskräftig ist, erklärt die MCH Group nach Rücksprache mit den Juristen, die Durchführung der Generalversammlung hänge nicht per se von einem Beschwerdeverfahren ab. Dass eine Beschwerde automatisch aufschiebende Wirkung habe, davon sei auszugehen. Doch das weitere Vorgehen werde der Verwaltungsrat nach einer detaillierten Prüfung einer allfälligen Beschwerde bestimmen. Die Öffentlichkeit werde darüber adäquat informiert.

Die Stellungnahme der MCH Group erfolgte nach Redaktionsschluss der gedruckten Ausgabe.