Wahlen 2019
Duell um Nationalratssitz: Integrationsexperte tritt gegen Vorzeigeintegrierte an

Nächstes Jahr soll Thomas Kessler für die FDP den 2015 verloren gegangenen Nationalratssitz zurückholen. Somit dürfte Thomas Kessler gegen Sibel Arslan 2019 das entscheidende Duell sein.

Jonas Hoskyn
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Thomas Kessler wäre bereit für die Reise nach Bern, Sibel Arslan will ihren Platz am Rednerpult verteidigen.

Thomas Kessler wäre bereit für die Reise nach Bern, Sibel Arslan will ihren Platz am Rednerpult verteidigen.

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Schon bevor Thomas Kessler vor den Beamer tritt, ist klar: Das wird ein Heimspiel für den früheren Stadtentwickler, Integrationsbeauftragten und Drogendelegierten. Auf den Tischen liegt die neuste Ausgabe des «Hanfmagazins», unter den Zuhörern sind viele Weggefährten und Mitstreiter. Der Saal im Restaurant Bundesbahn ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Über 60 Zuhörer sind an den Anlass des Quartiervereins Grossbasel Ost der FDP gekommen – so viele wie sonst höchstens bei Parteiversammlungen.

Und Kessler, der den publizistischen Beirat der bz leitet, tut das, was er am besten kann: Reden. Humorvoll schlägt er den Bogen vom Ursprung des Homo sapiens am Fusse des Kilimandscharos zu den geplanten Dreispitz-Hochhäusern der Architekten Herzog und de Meuron, von der Entstehung des Schweizer Bundesstaats bis zur geplanten Spitalfusion, immer wieder garniert mit ein paar Seitenhieben in Richtung Politik und Verwaltung. Allen ist klar: Da wärmt sich einer für den Wahlkampf auf. Das Ziel: Nächstes Jahr soll Kessler für die FDP den 2015 verloren gegangenen Sitz zurückholen.

Politischer Quereinsteiger

Die Ausgangslage ist spannend. Mit knappem Vorsprung holte das linke Lager vor drei Jahren den umkämpften fünften Sitz zurück. CVP-Nationalrat Markus Lehmann musste nach einer Legislatur in Bundesbern bereits wieder die Segel streichen. Die FDP ihrerseits verlor das Mandat von Daniel Stolz an die LDP, die mit ihrem Kandidaten Christoph Eymann an der Schwesterpartei vorbeizog. Kessler wäre als politischer Quereinsteiger für die FDP ein spannender Kandidat. Ihm wäre durchaus zuzutrauen, was vor drei Jahren Christoph Eymann (LDP) und vor ihm Peter Malama (FDP) geschafft haben: Im grossen Stil Stimmen von Mitte-Links abzuschöpfen. Bürgerlich-liberal mit einem Gespür für soziale und ökologische Themen – dieses Politikerprofil ist in Basel erfolgsversprechend und könnte dem bürgerlichen Lager zu den notwendigen Stimmen verschaffen, um den dritten Sitz in die eigenen Reihen zurückzuholen.

Die Ausgangslage in Basel ist relativ simpel: Die SVP und das FDP/LDP-Bündnis dürften je einen Sitz holen. Der SP eines ihrer zwei Mandate abzuluchsen, ist rein rechnerisch für das bürgerliche Lager nur bei einem Totalabsturz der Sozialdemokraten möglich. Der bürgerliche Wahlkampf 2019 wird sich also auf den Sitz der 2015 gewählten Basta-Nationalrätin Sibel Arslan fokussieren. Das ist der Stoff, aus dem griechische Dramen gewoben sind: Der Integrationsexperte gegen die Vorzeigeintegrierte, der ehemalige grüne Zürcher Kantonsrat, der vom grünen Basler Regierungspräsident aus dem Amt als Basels Stadtentwickler geschasst ausgerechnet den Sitz seiner Ex-Partei angreift.

Für Ausländerstimmrecht

Klar ist: Kessler entspricht nicht der politischen Stossrichtung, welche die Basler FDP in den letzten Jahren eingeschlagen hat. Er plädiert für eine liberalere Drogenpolitik, schwärmt von der Basler Kultur und setzt sich für ein Stimmrecht für Ausländer mit Niederlassungsbewilligung ein. Für einen Schulterschluss mit der SVP dagegen dürfte er kaum zur Verfügung stehen. Insofern befinden sich FDP und Kessler noch immer im Status des gegenseitigen Beschnupperns. Und letztlich wird die Parteiversammlung das Fünferticket für die Nationalratswahlen nominieren.

Auch auf der linken Seite sind noch einige Fragen offen. Falls Beat Jans tatsächlich für den Ständerat kandidiert, wäre es möglich, dass die SP ohne einen Bisherigen in die Wahlen steigt – Silvia Schenker darf nach 16 Jahren im Nationalrat nicht mehr antreten. Auch beim Grünen Bündnis ist abgesehen von Spitzenkandidatin Sibel Arslan noch unklar, wer letztlich kandidieren wird: «Ich plane gern langfristig. Insofern sind die Wahlen ein Thema, über das wir uns Gedanken machen», sagt Arslan. Eine mögliche Kessler-Kandidatur will sie nicht kommentieren: «Das ist eine FDP-interne Angelegenheit.» Grundsätzlich trete immer jeder Kandidat gegen jeden an.

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