Sanierungen
Drei Jahre Verkehrschaos: TCS ärgert sich über Stau im Gundeli

Die nächsten drei Jahre herrscht Verkehrschaos im Quartier – TCS-Präsident ist verärgert und will Anreize für schnelle Bauunternehmer.

Leif Simonsen
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Autokolonnen ziehen vor dem Zwinglihaus vorbei. Im Moment herrscht im Gundeli Langsamverkehr.

Autokolonnen ziehen vor dem Zwinglihaus vorbei. Im Moment herrscht im Gundeli Langsamverkehr.

Kenneth Nars

Wer derzeit durchs Gundeli fährt, braucht Geduld. Die Gundeldingerstrasse und die Reinacherstrasse werden aufgerissen, der ganze Verkehr durch die Dornacherstrasse geleitet. Alle müssen durch dieses Nadelöhr, die Strassen sind zu Stosszeiten bis nach Münchenstein und in der Gegenrichtung bis fast aufs Bruderholz verstopft.

Ein Anwohner der besonders betroffenen Kreuzung Dornacherstrasse/Reinacherstrasse sagt: «Es ist absolut krass, was hier abgeht. Ich hoffe, dass die Baustelle bald abgeschlossen ist.»

Dieser Wunsch wird nicht in Erfüllung gehen. Die Gundeldingerstrasse wird bis 2022 gesperrt bleiben. Für Christophe Haller ist das zu lange. «Ginge das wirklich nicht schneller?», fragt der Präsident des TCS beider Basel. Der FDP-Grossrat ist der Meinung, dass die Sperrung der Dornacherstrasse «eigentlich jenseits von Gut und Böse ist».

Der Abschnitt zwischen der Reinacherstrasse und der Thiersteinerallee sei schlicht gefährlich, da hier niemand mit Gegenverkehr rechne und schlecht signalisiert sei, dass derzeit die Velos und Busse entgegenkämen. «Das scheint mir nicht gut koordiniert.»

Regierung will kein Bonus-Malus-System

Haller will nun von der Regierung wissen, warum die Bauarbeiten so lange dauern – eine Vermutung ist, dass die Baufirmen nicht genügend Anreize besitzen, die Bauarbeiten schnell voranzubringen. Als Haller am Montag die Baustelle kurz nach Feierabend passierte, «war jedenfalls kein Bauarbeiter mehr da», wie er sagt.

Haller fordert, dass den ausführenden Bauunternehmen finanzielle Anreize gesetzt werden sollen. «Andere Kantone kennen das bereits – ich bin überzeugt, dass das auch in Basel-Stadt funktionieren würde.» Nicht zum ersten Mal moniert Haller, dass es mit den Baustellen in Basel nicht schnell genug vorangeht. Bereits vor vier Jahren reichte er einen Vorstoss ein, in welchem er ein sogenanntes Bonus-Malus-System für das Strassenbauwesen verlangte – vergeblich.

Die Regierung begründete das Nein damit, dass ein solches System nur bei Nationalstrassen funktioniere. In «städtischen Verhältnissen mit multifunktionalen Infrastrukturen und einer grossen Anzahl von Beteiligten» seien die Bedingungen zu komplex. Auf diesen Standpunkt stellt sich das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) noch heute.

«Bonus-Malus-Systeme sind nicht geeignet in einer dicht bebauten Stadt», sagt BVD-Sprecher Daniel Hofer. «Sie legen den Fokus einseitig auf die Geschwindigkeit.» Aus Sicht der Pendler habe zwar das Tempo der Sanierung höchste Priorität. Doch der finanzielle Köder verhindere, dass die Bauunternehmen auf die Anwohner und die ansässigen Gewerbetreibenden Rücksicht nehmen würden.

Konkret: Vorübergehend wird entlang der Gundeldingerstrasse zwar Zweischichtbetrieb herrschen. Doch den Anwohnern sei nicht zuzumuten, dass während der ganzen drei Jahre bis um 22 Uhr gehämmert und gebohrt werde.

Pendler haben drei Jahre Zeit für neuen Arbeitsweg

Das BVD teilt auch die Sicherheitsbedenken Hallers nicht. Erst seit Montag würde der Gegenverkehr durch die Dornacherstrasse rollen, sagt Hofer. Zwar würde es sicherlich noch einige Zeit gehen, bis sich alle daran gewöhnt hätten, doch gäbe es keine Zweifel, dass dies klappe. «Gegenverkehr ist auf Basels Strassen Alltag», sagt Hofer. Den Vorwurf der ungenügenden Signalisation will er auch nicht im Raum stehen lassen: Alle paar Meter markierten orange Pfeile die neue Fahrtrichtung während die alten Markierungen durchstrichen seien.

Dennoch lautet die Empfehlung: Pendler sollen das Gundeli umfahren. Vielleicht birgt es ja doch einen Vorteil, dass die Baustelle erst in drei Jahren abgeschlossen ist. So haben die Pendler, die als Gewohnheitstiere bekannt sind, genug Zeit, sich einen neuen Weg zur Arbeit zu überlegen.