Corona

Die Reise ins Ungewisse: Betrieb am Flughafen nimmt wieder zu, Interrail-Rundreisen erleben dafür eine Krise

Kurz vor den Sommerferien ist bei Fluggesellschaften und den SBB die Buchungslage alles andere als klar. Es zeigen sich aber erste Tendenzen, wohin die Reise geht: Der EuroAirport verzeichnet bereits mehr Betrieb, das klassische Interrail auf der Schiene erlebt dafür einen Einbruch.

Andreas Schwald
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Die Zahl der Flugzeug-Passagiere soll ab Juli wieder deutlich steigen.

Die Zahl der Flugzeug-Passagiere soll ab Juli wieder deutlich steigen.

Keystone

Am Samstag ist in Basel Bündelitag. Doch Aufbruchstimmung in die Sommerferien zeigt sich erst zaghaft. Am EuroAirport (EAP) hat der Betrieb zumindest wieder zugenommen, wie Flughafensprecher Stefan Wyer auf Anfrage sagt: «Weil wir wieder mehr Passagiere haben, konnten wir auch die französische Seite wieder öffnen.» Obwohl Gesellschaften wie Wizz Air und Turkish Airlines bereits seit Juni wieder fliegen, erwartet der EAP den grossen Schub auf Anfang Juli hin.

Wie viel dann aber wirklich los sein wird, ist ungewiss. Zwar wollte die «Basler Zeitung» vergangene Woche entdeckt haben, dass auf der Website von EasyJet bereits sehr viele Flüge als «ausgebucht» gelten. Diesen regelrechten Run bestätigen will die Gesellschaft aber nicht. Denn es gelten zurzeit, wie es auf der Website ebenfalls heisst, auch abgesagte Flüge als «ausgebucht». Der Eindruck auf der Website kann also trügen.

Zu wenig Leute im Flieger? Dann wird annulliert

Auf Anfrage heisst es zur Buchungslage seitens EasyJet: «Wie mitgeteilt werden einige Flüge wieder aufgenommen. Wir überprüfen unseren Sommerflugplan weiterhin laufend und werden, wo wir können, Änderungen vornehmen, um den Veränderungen bei der Nachfrage und bei Einschränkungen Rechnung zu tragen.»

Tatsächlich will EasyJet ab Basel diesen Sommer wieder rund 50 Destinationen anfliegen, allerdings nur ab einer gewissen Auslastung der Maschinen. Wird ein angebotener Flug also nicht ausreichend gebucht, wird er annulliert. Je voller wiederum das Flugzeug, desto wahrscheinlicher ist es, dass es fliegen darf. EasyJet teilt dazu mit: «Wir haben weiterhin ein etabliertes Vorgehen bei notwendigen Annullierungen. Sobald wir einen Flug annullieren müssen, werden wir die Fluggäste über diese Annullierung und ihre Möglichkeiten informieren.» Sollte ein Flug annulliert werden, können die betroffenen Kunden entweder kostenlos auf einen alternativen Flug umsteigen, online einen Gutschein über den Wert ihrer Buchung erhalten oder einen Antrag für Rückerstattungen via ein spezielles Webformular einreichen, heisst es weiter.

An Prognosen zu Buchungen wagt sich niemand

Flughafensprecher Wyer ergänzt auf Anfrage: «Das ist der Vorbehalt bei allen Gesellschaften. Das Buchungsverhalten lässt sich zurzeit praktisch nicht vorhersagen.» Auch der EAP beobachte die Situation sehr rege und sei mit allen Airlines im Kontakt. Sollte es kurzfristig zum Ansturm kommen, wird schnell Personal aufgeboten, so Wyer: «Wir haben zurzeit viele Leute im Homeoffice oder auf Kurzarbeit.»

Doch nicht nur in der Luft, auch auf der Schiene sind Prognosen schwierig zu stellen. So geben die SBB auf Anfrage an, dass sich noch keine «belastbare Angabe» zum Personenverkehr machen liessen, wie Sprecher Daniele Pallecchi sagt. Die Lage normalisiere sich langsam wieder, auch im internationalen Personenverkehr. Für einen Ausblick bis in den Herbst sei es daher definitiv noch zu früh.

Die Gesundheitskrise wird noch anhalten

Klar ist aber, dass dieses Jahr vor allem Punkt-zu-Punkt-Verbindungen gefragt sein werden. Klassische Interrail-Rundreisen, wie sie etwa nach dem Schulabschluss beliebt sind, verzeichnen eine geringere Nachfrage. Schliesslich ist angesichts der international unterschiedlich geregelten Schutzmassnahmen zu Corona und den Grenzsituationen die Unsicherheit für solche Unterfangen schlicht zu hoch. Während Tschechien etwa die Maskenpflicht lockert, wird sie in der Türkei forciert.

Die Tendenz zu Punkt-zu-Punkt-Reisen kommt auch dem EuroAirport entgegen. «Wir sind zuversichtlich», sagt EAP-Sprecher Wyer. Man müsse aber sehen, dass die Welt nicht nur in einer Wirtschaftskrise stecke, sondern auch in einer Gesundheitskrise. Letztere werde sich erst beruhigen, wenn entsprechende Massnahmen wie ein Impfstoff verfügbar seien.