Tanztheater
Die «Parade» ist mehr als Bumtschäck- und Klawummtheater

Die Premiere «Parade» in der Kaserne mit der Band «The Bianca Story» und einer Spieltruppe bringt viel Licht- und Showeffekt mit etwas Ironie. Idee und Regie stammen vom talentierten Fabian Chiquet.

Jörg Jermann
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Show, Tanz, Musik und Theater - oder «Parade» in der Kaserne
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Das multidisziplinäre Theaterstück «Pararde», das von Fabian Chiquet in der Kaserne inszeniert wird, basiert auf einer Vorlage aus dem Jahr 1917.
Tanz, Musik, Showeinlagen und Lichtspektakel: Das ist «Parade».

Show, Tanz, Musik und Theater - oder «Parade» in der Kaserne

zvg/Gregor Brändli

Die Inspiration für «Parade», Fabian Chiquets neues, multidisziplinäres Theaterstück mit Tanz, Musik, Showeinlagen und Lichtspektakel, geht zurück auf das Jahr 1917. Damals versuchten Jean Cocteau, Eric Satie und Pablo Picasso ein für ihre Zeit supermodernes Stück namens «Parade» als Gesamtkunstwerk auf die Bühne zu bringen, vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs.

2013 in Basel ist nun die Musik der beliebten Basler Band «The Bianca Story» zentral. Der Parade-Plot selbst lässt sich rasch durchschauen und würde allein nicht hinreichend Spannung bringen. Die Crew um Fabian Chiquet aber bringt mit Phantasie und einer starken Choreographie Spannung und Attraktivität in die Sache. Die Truppe versucht so die Kongenialität aller Kunstrichtungen auf der heutigen Ebene nachzuvollziehen, indem sie sich jene alte Geschichte von 1917 vorknöpft.

Ironisierte Effekthascherei

Wir sehen Showteile, die auf die Banalität heutiger Effekthascherei hinweist. Gleichzeitig erhascht Chiquet mit enormem Lichtspektakel viel Effekt: Der Saal bleibt immer dunkel, ins Schwarz dringen die Farbstrahlen, die Stroboskope, die gebündelten Lichtpfeile, die Lichtkegel. Der Boden ist, als die Truppe von damals sich in Rom vergnügen will, ein Catwalk mit Leuchtplatten.

In dieser Szene hat die gleichförmige Bumbum-Musik ihren negativen Höhepunkt. Immerhin geht es gerade ums Bumsen. Sonst aber kennt «The bianca Story» auch feinere Töne. Und während die Show auch auf kritisch angeleuchtete Klawumm-Effekte zurückgreift, kann die Musik, wenn sie leiser daherkommt und nachdenklicher, durchaus ihre Qualitäten nachweisen. Das «Bumtschäck», wie es einst genannt wurde, ist fester Bestandteil dieser Musik und wird – zumindest teilweise – ironisch eingesetzt.

Mischung von Sparten und Stilen

Tanz, Spiel und Musik durchdringen sich wie selbstverständlich. Da macht eine junge Generation Theater, der keine Sparte fremd ist, die multifunktional, integrativ und gleichzeitig mehrschichtig arbeitet. Stark ist auch, wie es die Choreographie und die Regie schaffen, oft zurückhaltend zu sein in den Andeutungen von Inhalt und Stimmung. Dann wieder scheint alle Feinheit zusammenzubrechen, das Stück wird heftig und exaltiert: eine Mischung, die kennzeichnend ist für den Abend.

Lichtdesigner Tobi Moosmann hat starken Anteil am Erfolg, ohne die Spezialeffekte würde der Abend nicht gelingen. Das Zusammenspiel mit der Komposition von Jannik Giger und Lukas Huber ist dominant, auch der Tanz von Jonas Furrer und Jonas Althaus fügt sich ohne Distanz in die einfachen Rhythmen.

Victor Moder, Natalina Muggli und Oliver Goetschel spielen Picasso, Satie, Cocteau und ihre Mäzenin sehr intensiv und fein distanziert gleichzeitig. Auch hier würde man der Truppe mehr Mut zu den leiseren Tönen wünschen.

Das Ende lässt einiges offen. Ist eine heutige «Parade» als Welterfolg und mit «Skandal» noch möglich? Geht noch etwas ohne Show? Kann man sich heute noch mit erfolgshungrigen Genies wie Cocteau, Satie und Picasso anlegen? Damals lief im Hintergrund der erste Weltkrieg. Was läuft heute?

Fabian Chiquet «Parade», mit The bianca Story. Weitere Aufführungen in der Kaserne Basel am Samstag, 12.Oktober um 20 Uhr, am 13. Oktober um 19 Uhr und am 14. wieder um 20 Uhr. So 13.10. 19:00 Mo 14.10. 20:00