Geschichte

Die Nationalsozialisten waren auch in Basel aktiv

Vor und während des Zweiten Weltkriegs unterhielt eine NSDAP-Ortsgruppe Zentralen im Badischen Bahnhof und im «Braunen Haus» – die Regierung war machtlos.

André Wehrli
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Nazis waren auch in Basel aktiv (Symbolbild)

Nazis waren auch in Basel aktiv (Symbolbild)

Keystone

«Für mich stellt die nationalsozialistische Bewegung ein eindrückliches Phänomen dar. Dieses verband ich jedoch nur mit Deutschland und den von den Deutschen besetzten Gebieten. Ich stellte aber fest, dass der Nationalsozialismus von den Deutschen in die ganze Welt getragen wurde.»

Das hält André Wehrli im Vorwort zu seiner Arbeit über die NSDAP-Ortsgruppe Basel fest. Während seiner Gymnasialzeit faszinierte ihn das Fach Geschichte. Nach Diskussionen mit seinem Geschichtslehrer Claudius Sieber im Gymnasium Liestal entschied sich André Wehrli für das Thema Nationalsozialismus in Basel.

Die 4000 Mitglieder der NSDAP-Ortsgruppe - sie wirkte von 1933 bis 1945 in Basel - organisierten zunächst ihre Anlässe, Feste und Parteitreffen im Badischen Bahnhof. Am 7. Dezember 1941 wurde das «Deutsche Heim» (auch «Braunes Haus» genannt) in der St.-Alban-Vorstadt 12 eröffnet. Bereits 1938 hatte die Basler SP eine kantonale Volksinitiative lanciert, welche die vorwiegend von Ausländern gebildete nationalsozialistische, faschistische und frontistische Vereinigung im Kanton Basel-Stadt verbieten sollte. Die Initiative wurde mit 15000 Unterschriften eingereicht.

Im Auswärtigen Amt in Bern löste diese Aktion heftige Reaktionen aus. Denn es wurden Gegenmassnahmen von Deutschland befürchtet, falls die Volksinitiative rechtsgültig würde. Der Staatsrechtler Walther Burckhardt erklärte die Initiative für ungültig, weil der Inhalt die Aussenpolitik betreffe, für die allein der Bundesrat zuständig sei.

Keine Distanzierung

Bei seinen Recherchen im Staatsarchiv Basel-Stadt und in der Uni-Bibliothek musste André Wehrli zur Kenntnis nehmen, dass es den Basler Behörden auch während des Krieges nie gelungen war, sich von der Haltung des Bundesrates gegenüber den Nationalsozialisten und ihren Organisationen zu distanzieren - aus Neutralitätsgründen, wie es die Landesregierung nannte. Trotz allem versuchte die Basler Regierung immer wieder, gegen die NSDAP-Ortsgruppe vorzugehen.

Der Bundesrat seinerseits stufte die NSDAP Schweiz als einen «nicht-politischen Verein von Ausländern» ein, dessen Interesse lediglich die Pflege der heimatlichen Gesinnung war. Die Basler Bevölkerung protestierte mit zahlreichen aufsehenerregenden Aktionen gegen die Nationalsozialisten. Kurz vor Kriegsende forderte der SP-Grossrat und spätere Regierungsrat Max Wullschleger die Ausweisung der Nationalsozialisten.

André Wehrli folgert in seiner Arbeit unter anderem, dass die politische Strategie des Bundesrates aufgegangen war und die Schweiz von Kriegshandlungen verschont blieb. Die Haltung des Bundesrates dürfe aber aus moralischer Sicht, mit einem Blick auf die zahlreichen Abweisungen von jüdischen Flüchtlingen an der Schweizer Grenze, durchaus hinterfragt werden.
«Meine Maturarbeit habe ich mit gemischten Gefühlen geschrieben», sagt André Wehrli.

Einerseits fand er es spannend, seinen geschichtlichen Horizont zu erweitern und Neues über die Vergangenheit seiner Heimatstadt erfahren zu können. Andererseits belastete ihn das Thema. Vor allem die Berichte über Flüchtlinge erschütterten ihn, und bei seiner Niederschrift verging ihm zeitweise die Lust am Arbeiten. «Ich denke, dass die Quellen, welche der Vernichtung der Nationalsozialisten entgangen sind, trotzdem ein umfangreiches und eindrückliches Bild der nationalsozialistischen Aktivitäten in Basel von 1933 bis 1945 ergeben.»