Wasserstrasse

Die Anwohner wollen nicht wegziehen

De teilweise mehrere Meter hohen und langen Transparente, die in an vielen Gebäuden in der Wasserstrasse hängen, sind unübersehbar: Ein Verein kämpft um den Erhalt der Häuserzeile mit insgesamt über 50 Wohnungen.

Alan Heckel
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«Selbstverwaltung statt Abriss», «Wir bleiben hier», «Wasserstrasse bleibt». Die teilweise mehrere Meter hohen und langen Transparente, die in an vielen Gebäuden in der Wasserstrasse hängen, sind unübersehbar, ihr Inhalt unmissverständlich: Dies Anwohner haben nicht vor, wegzuziehen. Die müsste aber geschehen, wenn der Kanton sein Vorhaben, zwischen der Voltastrasse und der Wasserstrasse Neubauten zu errichten, in die Tat umsetzten würde.

Der Verein Wasserstrasse hingegen hat dem Büro für Kantons- und Stadtentwicklung einen alternativen Vorschlag unterbreitet: Die Stadt Basel, in deren Besitz sich die Liegenschaften befinden, soll die Gebäude von Nummer 21 bis 39, die insgesamt 52 Wohnungen beinhalten, den Bewohnenden zur Bildung einer Genossenschaft überlassen.

«Wir brauchen ein Gefäss»

Der Verein Wasserstrasse ist erst vor kurzem ins Leben gerufen worden. «Wir brauchten ein Gefäss, um Leute zu sammeln», sagt David Reber, der seit zehn Jahren an der Wasserstrasse wohnt. «Wir dienen als Ansprechpartner für regelmässige Anfragen von Leuten, welche die Transparente gesehen haben oder auf andere Weise von unserem Anliegen gehört haben», erzählt er.

Neben Reber zählt der Verein rund 70 weitere Mitglieder jeden Alters sowie zahlreiche Unterstützer. Die Folge davon sind viele weitere Solidaritätsbekundungen – nicht nur im St. Johann, sondern auch in anderen Quartieren. «Über die Stadt verteilt hängen bestimmt 50 Transparente», schätzt Michael Probst, ein weiteres Vereinsmitglied.

Die überwiegend positiven Reaktionen, die der Verein Wasserstrasse erhalten hat, überraschen nicht. Denn die beiden Hauptanliegen – die Erhaltung günstigen Wohnraums und die Ablehnung einer Veränderung des Stadtbilds – «finden breiten Konsens in der Bevölkerung», wie es Probst formuliert. Auch in anderen Quartieren würden vor allem ältere Leute realisieren, «dass es das Basel, in dem sie gross geworden sind, dann nicht mehr geben wird», sagt Probst und zitiert ein Transparent, das er im Gundeli gesehen hat: «Altbauten wachsen nicht nach.»

David Reber bemängelt derweil, dass das Ziel, auf Kosten günstigen Wohnraums «gute Steuerzahler» nach Basel zu holen, zu einseitig sei. «Immer mehr Leute fragen sich: Was ist das für eine so genannte ‹Aufwertung›, wenn dafür ein Quartier auseinandergerissen wird?» Der Wert der über Jahre entstandenen Beziehungen, welche die Menschen in den Quartieren untereinander aufgebaut haben, würde überhaupt nicht berücksichtigt.

Warten auf Signal der Stadt

Vor zwei Wochen haben Vereinsvertreter den Verantwortlichen – Eva Herzog, Vorsteherin des Finanzdepartements, Andreas Kressler, Geschäftsleiter der Immobilien Basel-Stadt und Barbara Rentsch, Leiterin Finanzvermögen – ihren Vorschlag übergeben. «Das waren natürlich keine Verhandlungen», erklärt Michael Probst, der wie seine Mitstreiter nun auf ein Signal der Stadt wartet.

Über die Erfolgsaussichten einer Annahme des Vorschlags können die Exponenten des Vereins Wasserstrasse nur spekulieren. «Klar hat die Stadt Pläne», stellt David Probst nüchtern fest, fügt aber hinzu: «Doch diese haben sich in den zwei letzten Jahren bereits dreimal geändert.» Die Hoffnung auf einen positiven Bescheid schwingt also mit.