Kunstmuseum Basel

Der Neubau des Museums treibt Betriebskosten in die Höhe

Der Neubau des Kunstmuseums Basel soll 80'000 zusätzliche Besucher anlocken. Gleichzeitig erhöhen sich die Betriebskosten um 4,8 Millionen auf rund 27 Millionen Franken jährlich. Damit die Rechnung aufgeht, muss das Museum auch auf zusätzliche Unterstützung setzen.

Susanna Petrin
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Der Neubau des Kunstmuseums wird offiziell am 17./18.April eingeweiht – zeitgleich wird der renovierte Hauptbau wieder eröffnet.

Der Neubau des Kunstmuseums wird offiziell am 17./18.April eingeweiht – zeitgleich wird der renovierte Hauptbau wieder eröffnet.

Martin Toengi

Gutes kostet. Der 100-Millionen-Neubau – je hälftig von Maja Oeris Laurenz-Stiftung und dem Kanton Basel-Stadt finanziert – zieht fortan zusätzliche Betriebskosten von geschätzten 4,8 Millionen jährlich nach sich. Für Personal, Sicherheits- und Klimaanlage, Versicherungen und mehr.

Die Gesamtkosten für die drei Häuser des Kunstmuseums Basel – Hauptbau, «Kunstmuseum Basel | Gegenwart» und Neubau – belaufen sich somit ab diesem Jahr auf rund 27 Millionen Franken. Der Kanton übernimmt davon gut 17 Millionen, die übrigen zehn Millionen muss das Kunstmuseum selbst beschaffen.

In absoluten Zahlen muss das Haus 2,5 Millionen Franken mehr Drittmittel generieren. Auch prozentual steigt der Eigenfinanzierungsgrad des Museums von etwa 33 auf 38 bis 39 Prozent, wie Stefan Charles, kaufmännischer Direktor des Kunstmuseums, errechnet hat. «Eine hohe Quote.»

Plus zwei Millionen für Personal

Aber Stefan Charles ist zunächst Mal stolz darauf, dass die Zusatzkosten nicht noch höher ausfallen: «Wir haben sämtliche Betriebsabläufe der drei Häuser optimiert und aufeinander abgestimmt; es gibt keinerlei Zwei- oder Dreispurigkeiten.» Die Personalkosten seien deshalb nur um zwei Millionen auf 12,1 Millionen Franken gestiegen. Für den Neubau braucht es vor allem neues Aufsichtspersonal und Angestellte für Kasse und Garderobe. Hinzu kommen etwas mehr Stellenprozente fürs Kuratieren der zusätzlichen Ausstellungen und fürs Restaurieren von Kunstwerken, sowie Angestellte für den Museumsshop im Neubau.

Der Shop ist eine nicht unwichtige zusätzliche Einnahmequelle. Das Kunstmuseum rechnet damit, dass ein Besucher im Schnitt vier bis fünf Franken für Monet-Postkarten, Picasso-Kataloge und dergleichen ausgibt. Bei den nun erhofften 300'000 Besucherinnen und Besuchern im Jahr bringt allein deren Kauflust 1,5 Millionen Franken ein. Auf der Plusseite stehen auch die leicht erhöhten Eintrittspreise: 16 Franken für die Sammlung, 23 Franken für Sonderausstellungen. Weil Kindern, AHV-Bezügern, Sozialhilfeempfängern und Journalisten Rabatte gewährt werden, rechnet Stefan Charles mit 10 Franken pro Eintritt im Schnitt. 300'000 mal 10 macht 3 Millionen.

100'000 Besucher mehr erhofft

Bisher haben rund 220'000 Kunstinteressierte jährlich Basels wichtigstem Kunstmuseum einen Besuch erstattet. Zusätzliche Sonderausstellungen im neuen Haus sollen nun insgesamt 80'000 Leute mehr bringen. Wenn das zutrifft, dürften sich auch die Hotellerie und Gastronomie freuen.

Heuer sind zwei grosse Sonderausstellungen – neben einigen kleineren – geplant, ab 2017 drei. Die 3,5 Schliessungsmonate bis zur Eröffnung von Mitte April dürften das besonders grosse Publikumsinteresse im ersten Jahr wettmachen. Allein für die Pollock-Sonderausstellung im Herbst und Winter rechnet Stefan Charles mit 100'000 Interessierten. Die Sammlung werde wahrscheinlich weiterhin konstant von 80'000 bis 90'000 Menschen pro Jahr besucht.

Es fehlen noch rund 5,5 Millionen Franken, damit diese Rechnung aufgeht. Das Kunstmuseum braucht also viel Unterstützung von Stiftungen, Mäzenen und Sponsoren aller Art. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz. Ist das zu schaffen?

«Wir haben eine super Stiftung, immer mehr Donatoren und gute Reserven», sagt Stefan Charles. «Wir haben einige sehr treue und potente Sponsoren. Dazu sind wir ständig auf der Suche nach weiteren Geldgebern. Wir stehen im europaweiten Vergleich sehr gut da.»

Ja keine Anbiederung!

Die halbe Welt interessiert sich für das neu aufgestellte Kunstmuseum, unzählige Kulturschaffende und Kulturjournalisten haben sich für die Eröffnung akkreditiert – oder den Bau schon bei einem Preview gesehen. Die Fachzeitschrift «Weltkunst» widmete deshalb «Basel» die Februarnummer. Das Eröffnungsjahr dürfte boomen.

Dafür, was danach kommt, steht ab September Bernhard Mendes-Bürgis Nachfolger, der neue Direktor Josef Helfenstein, in der Hauptverantwortung. An seinem früheren Wirkungsort, der Menil Collection and Foundation in Houston, Texas, hat er sich einen Namen für anspruchsvolle Ausstellungen bei zugleich vorbildlichem Sponsoring-System gemacht.

Trotz dieser Erfahrungen hält Josef Helfenstein die Situation, die ihn in Basel erwartet, für nicht zu unterschätzen: «Es wird immer schwieriger, Drittmittel aufzutreiben. Immer mehr Institutionen bewerben sich für den gleichen Geldkuchen. Wir werden viel Arbeit haben, aber es ist auf jeden Fall zu schaffen.»

Handkehrum böten sich dank des Neubaus mehr Möglichkeiten, Publikum und Sponsoren anzusprechen. Er habe da ein paar Ideen, wie das Museum neue Kreise und Donatoren ansprechen könne. Stadtweit möchte er sich mit neuen Partnern vernetzen, unter anderem soll die Zusammenarbeit mit der Uni verstärkt werden.

Was Helfenstein auf keinen Fall will: «Populismus, Sensationskultur, Eventeuphorie.» Das Kunstmuseum habe es nicht nötig, «sich anzubiedern», dafür sei dessen Substanz «zu gut». «Die grossartige Integrität des Kunstmuseums darf ja nicht aufs Spiel gesetzt werden», betont Helfenstein. «Wir möchten hochkarätige, sehr anspruchsvolle Ausstellungen und Programme bieten, die trotzdem auch für den Normalbesucher geniessbar und faszinierend sind.»