Ausraster im Amateurfussball: Liga-Ausschluss nach übler Prügelei in Basel

Zwischen Basel Nord c und dem FC Tetova kam es in der 5. Liga-Partie auf dem Rankhof nach dem Spiel zu wüsten Schlägereien. Beide Klubs leiden darunter. Die grossen Konsequenzen trägt aber nur ein Verein.

Simon Leser
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In der Schlägerei wurden Eckfahnen als Schlagstangen gebraucht.

In der Schlägerei wurden Eckfahnen als Schlagstangen gebraucht.

Es ist ein Video, in dem der Basler Amateurfussball ein mieses Bild abgibt. Spieler, die sich prügeln. Eckfahnen, die als Schlagstangen benutzt werden. Schreie, die ertönen. Das Video kursiert in den Social Media und auf Zeitungsportalen. Pascal Buser, Geschäftsführer des Fussballverbands Nordwestschweiz (FVNWS), spricht von einem «Vorkommnis gröberer Art».

Gemacht wurde die Aufnahme am vorletzten Wochenende beim 5.-Liga-Spiel zwischen Basel Nord c und dem FC Tetova Basel. Das Spiel ist umkämpft, kurz vor Schluss steht es 2:1 für die Gäste des FC Tetova. In der Nachspielzeit sehen drei Spieler Basel Nords eine gelbe Karte. Die Emotionen kochen hoch und entladen sich nach dem Schlusspfiff in roher Gewalt. Gar die Polizei wird auf das Areal gerufen.

Doch was ist der Auslöser für diesen Vorfall? Diesen Ausbruch von Faustschlägen und Fusstritten? Das Video ist kurz, die Voten der Beteiligten unterliegen der Parteilichkeit. Für Fatmir Osmani, Präsident des FC Tetova, ist der Fall klar: «Die Fans der gegnerischen Mannschaft sind wegen des Schiedsrichters ausgeflippt, haben ihn beleidigt und attackiert. Wir wollten ihn lediglich beschützen.» Alsbald richtet sich – gemäss Osmani – die Wut der Fans auf seine Mannschaft. Zwei Verletzte beklagt sie nach dem Vorfall.

"Wir wollten lediglich den Schiedsrichter beschützen."

Michael Heutschi, der Präsident Basel Nords, ist zum Zeitpunkt der Geschehnisse nicht vor Ort. Er bezeichnet das eigene Verhalten als unentschuldbar, sagt jedoch: «Für so eine Auseinandersetzung braucht es immer zwei Parteien. Beide waren an der Eskalation beteiligt.» Keine Zweifel bestehen darin, dass Fans der Heimmannschaft massgeblich an der Schlägerei beteiligt waren.

Der Vorfall hat für Basel Nord grosse Konsequenzen

Nach dem Spielende wird die Auseinandersetzung, wie in solchen Fällen üblich, dem FVNWS rapportiert. Der Bericht des Schiedsrichters geniesst oberste Priorität. Beide beteiligten Mannschaften werden um schriftliche Stellungnahmen gebeten. Am vergangenen Donnerstag fällte dann die Wettbewerbskommission des Verbandes den Entscheid, wer und wie stark sanktioniert wird.

Weil die Einsprachefrist läuft, ist der Entscheid noch nicht rechtskräftig und veröffentlicht. Doch einzelne Konsequenzen sind deutlich ersichtlich. Während der FC Tetova auf Facebook verkündet, dass seine Mannschaft gemäss dem Verbandsurteil keine Schuld zu tragen habe, tritt Basel Nord c nicht zum Meisterschaftsspiel am vergangenen Wochenende an. Besser gesagt: Sie dürfen nicht mehr.

Der Verband hat nämlich Basel Nord c mehrere Strafen aufgebrummt. Eine steht schon fest: Basel Nord c darf an der Herbstrunde nicht mehr teilnehmen. «Das akzeptieren wir, denn wir nehmen unseren Teil der Verantwortung wahr», sagt Heutschi. Gegen eine weitere Strafe werde man aber Rekurs einlegen.

Das Integrationsprojekt hängt an dünnem Faden

Für Basel Nord ist der Vorfall besonders bitter. Denn Basel Nord c ging erst in diesem Sommer aus dem vorherigen FC Eri hervor. Eine Mannschaft mit eritreischen Spielern, die in den Verein Basel Nord integriert wurde. Das Integrationsprojekt hängt nun nach nur sechs absolvierten Spielen an einem äusserst dünnen Faden. «Dieser Vorfall ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker der Integration», sagt Heutschi. Doch auch der Verein prüft jetzt Sanktionen gegen die Mannschaft. Ein Rückzug des betroffenen Teams ist möglich. «Ob und unter welchen Voraussetzungen wir gewillt sind, das Team nach der Herbstrunde wieder zu melden, ist Gegenstand interner Diskussionen», so Heutschi.

"Für so eine Auseinandersetzung braucht es immer zwei."

Der FC Tetova, der weiterhin an der Meisterschaft teilnehmen kann, leidet aber auch unter den Geschehnissen. Präsident Osmani fürchtet einen Imageschaden: «Mich stört es, dass die Medienberichterstattung den Anschein macht, dass wir in die Schlägerei involviert waren.» Auch wenn Tetova das Spiel am Ende mit 2:1 gewann, haben beide verloren. Genauso wie der Amateurfussball in der Region. «Solche Fälle kann man leider nie ausschliessen», sagt Buser. Es seien aber glücklicherweise Einzelfälle. Solche, die «im Promillebereich liegen».

Weil Basel Nord ein Strafurteil anfechtet, muss dieses von der Einsprache-Kommission neu beurteilt werden. In einem nächsten Schritt könnte der Fall vors Rekursgericht des Fussballverbands Nordwestschweiz gelangen. Gleichzeitig beschäftigt sich auch die Staatsanwaltschaft Basel mit den Geschehnissen: wegen Verdacht auf Raufhandel und Körperverletzung laufen Verfahren gegen mehrere Personen. Es sind die unschönen Folgen eines Fussballspiels, in dem die Gewalt die Oberhand gewann.

Die wüsten Szenen im Video: