Super League
Der FCB will gegen Zürich nach drei Pleiten wieder Tritt finden

Die heutige Partie gegen den FCZ ist für Basel und seinen Trainer wegweisend. Der Ausgang wird entscheiden, ob die Mannschaft schnell aus dem Tief findet oder noch tiefer in den Sumpf gerät. Ein Sieg ist Pflicht.

Sebastian Wendel
Drucken
FCB-Trainer Heiko Vogel muss seinen neuen Regisseur Marcelo Diaz näher ans Team bringen.Andy Mueller/freshfocus

FCB-Trainer Heiko Vogel muss seinen neuen Regisseur Marcelo Diaz näher ans Team bringen.Andy Mueller/freshfocus

Der FC Basel in der Krise? Nein, so dramatisch steht es um den grössten Fussballklub der Schweiz nicht. Er hat sich für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert und steht nach sieben Spieltagen der Super League auf Rang vier. Viele Vereine würden wohl nicht zögern, mit den Baslern zu tauschen. Aber: Der FCB ist hierzulande der grösste, der reichste und der in diesem Jahrtausend erfolgreichste Sportverein. Die Erwartungshaltung der Fans, der Sponsoren und Medien sind riesig. Auch intern herrschen grosse Ansprüche: Der FCB verpflichtete im Sommer für viel Geld Spieler, um mit ihnen in die Champions League einzuziehen. Dieses Ziel wurde in den zwei Partien gegen den rumänischen Meister Cluj verpasst; nach der biederen Leistung im Playoff-Rückspiel am letzten Mittwoch völlig zurecht. So macht nun trotz der anfangs beschriebenen, für einen Schweizer Klub komfortablen Situation in Basel das Wort «Enttäuschung» die Runde. Zum einen, weil das hochgesteckte, erste Saisonziel «Königsklasse» verpasst wurde. Zum anderen über den Trend, der sich in den letzten Auftritten von Rotblau abzeichnete.

Im Hinspiel beim 1:2 gegen Cluj durfte sich die Mannschaft noch eine 60-minütige Topleistung attestieren lassen, die dann wegen individueller Fehler nichtig wurde. Im Spitzenkampf beim 1:2 in St. Gallen und am deutlichsten in der alles entscheidenden Auswärtspartie in Rumänien agierte sie beim 0:1 ideenlos, ohne sichtbare Leidenschaft und den nötigen Siegeswillen.

Letztmals 2009

Drei Niederlagen in Folge – das passierte dem FCB zuletzt saisonübergreifend im Sommer 2009, als er die letzten zwei Spiele unter Christian Gross und das erste unter Thorsten Fink punktelos beendete. Nur wenig weiter liegt eine solche Negativserie innerhalb einer Spielzeit zurück: 2008/09 in den Partien gegen Sporting Lissabon, Luzern und die Berner Young Boys.

«Das darf in Basel nicht passieren», kommentiert Trainer Heiko Vogel den Pleitenhattrick. Er dramatisiert die aktuelle Situation – zurecht – nicht. «Aber ich blicke auch nicht lapidar darüber hinweg.» Vogel nimmt die Spieler in die Pflicht und führt Einzelgespräche. «Wir müssen aggressiver werden, wenn wir nicht im Ballbesitz sind». Auf dem Trainingsplan stehen nun wieder essenzielle Dinge, wie das in Cluj ungenügende Zweikampfverhalten.

Was während den 90 Minuten auf dem Platz geschieht, darauf hat ein Trainer keinen, höchstens einen geringen Einfluss. Er muss der Mannschaft in der Vorbereitung die richtigen Werkzeuge mitgeben. Dass die von Vogel zuletzt nicht immer richtig gewählt waren, diese Kritik lässt er zu. Was genau, das behält er für sich. Und fügt an: «Ich würde vieles noch einmal genauso machen.»

Zwei Wochen Zeit

Nach dem heutigen Spiel gegen Zürich hat der FC Basel wegen der Länderspielpause zwei Wochen Zeit, um «an der Basis zu arbeiten». Und um das zuletzt verlorene Selbstvertrauen wieder zu finden. Mit einer weiteren Niederlage gegen den FCZ würde dies ungemein erschwert. «Wir gehen in jedes Super-League-Spiel mit dem Anspruch, zu gewinnen. Aber es ist kein Geheimnis, dass uns ein Sieg gegen Zürich besonders gut tun würde.» Vogel will sein Team nicht nur siegen sehen, mindestens genauso wichtig ist ihm eine gute Leistung.

Die anschliessende Spielpause kommt dem FCB, speziell den Neuzugängen Marcelo Diaz, Gaston Sauro und Mohamed Salah, er fehlt heute verletzt, auch in anderer Hinsicht gelegen. Abseits des Scheinwerferlichts können sie weiter an ihrer Integration feilen. «Sozial», so Vogel, «ist diese sehr weit. Die Spieler haben alle Neuen super aufgenommen.» Anders auf dem Platz: Da wirkten Diaz und Sauro nicht nur in Rumänien wie Fremdkörper. Wegen des strengen Programms war Vogel gezwungen, sie verschnaufen zu lassen oder ihnen ständig andere Mitspieler zur Seite zu stellen. Trotzdem: Den Beweis, das Team zu verstärken, hat Sauro noch gar nicht, Diaz ansatzweise erbracht.

Die heutige Partie gegen den FCZ ist für Basel und seinen Trainer insofern wegweisend, ob die Mannschaft – mit einem Sieg – schnell aus dem Tief findet oder – bei einer Niederlage – noch tiefer in den Sumpf gerät. Das Wasser stünde dann auf Brusthöhe. Bis zum Hals ist es von dort nicht mehr weit.

Aktuelle Nachrichten