Basel
Denkmalschutz-Streit um Pergola: Heimatschutz zieht vors oberste Gericht

Eine einfache Pergola am Münsterhügel beschäftigt die Richter am Basler Appellationsgericht. Während das Bau- und Gewerbeinspektorat noch ein Auge zugedrückt hatte, will der Heimatschutz davon nichts wissen.

Leif Simonsen
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Umstrittene Stahlkonstruktion: die Pergola in der Altstadtwohnung «Zum Rappenfels».

Umstrittene Stahlkonstruktion: die Pergola in der Altstadtwohnung «Zum Rappenfels».

Kenneth Nars (Basel, 23. August 2019)

Die Eigentümer des altehrwürdigen Hauses «Zum Rappenfels» an der Augustinergasse rechneten wohl nicht damit, dass sie wegen ihrer neuen Pergola, die ihnen in den immer heisseren Sommermonaten etwas Schatten spenden sollte, vor dem obersten Gericht Basels landen sollten. Vor vier Jahren liess das Paar die Pergola auf der Dachterrasse montieren. Als die Denkmalpflege die neue Konstruktion begutachtete, kam sie zum Schluss, dass sich die Pergola von den Plänen der Baueingabe unterschied – drückte allerdings «aufgrund der Verhältnismässigkeit» ein Auge zu. Die Eigentümer mussten kein neues Baugesuch einreichen.

Von einer «Verhältnismässigkeit» will der Basler Heimatschutz nichts wissen. Er fordert, dass die Pergola abgerissen wird. Die Begründung: Das Haus «Zum Rappenfels» befinde sich in der Schutzzone. Das Fernbild sei insbesondere bei Veränderungen der Dachlandschaft vom gesamten Oberen Rheinweg, von der Mittleren Brücke wie von der ganzen Wettsteinbrücke sichtbar. Auch alle Benutzer der Münsterfähre sowie die Passagiere der Personenschifffahrt würden die Pergola sehen. Der Heimatschutz intervenierte und zog den Fall vor die Baurekurskommission. «Wir sind eine Art Feuerpolizei für die historischen Gebäude», sagt der Basler Heimatschutz-Geschäftsführer Andreas Häner. Deswegen sei man eingeschritten. Gerade den Gebäuden des späten 19. Jahrhunderts gelte das Augenmerk, denn diese würden oft nicht unter Denkmalschutz stehen.

Heimatschutz gibt sich eine 50-prozentige Chance

Als der Heimatschutz bei der Baurekurskommission vorstellig wurde, machte er zudem geltend, dass der Münsterhügel im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder sei und als «Paradestück der Basler Rheinsilhouette» sowie als «geschichtsträchtigster Ort» mit dem höchsten Erhaltungsziel A verzeichnet sei. Umbauten seien nur zulässig, wenn keine sichtbare historisch oder künstlerisch wertvolle Substanz beeinträchtigt werde.

Die Baurekurskommission folgte dieser Argumentation – und fordert in ihrem Urteil, dass die Pergola abgerissen werden muss. Das sei zumutbar, weil das Vorgehen der Bauherren nicht als «gutgläubig» bezeichnet werden könne – zumal auch die beauftragten Architekten mit Umbauten in der Altstadt vertraut sind. Das Architekturbüro hätte wissen müssen, dass eine solch grosse Storenkonstruktion auf dieser Dachterrasse nicht bewilligungsfähig sein würde. Unter anderem auch, weil nicht nur die betreffende Liegenschaft beeinträchtigt werde, sondern auch die Nachbarhäuser. Es sei den Bauherren zuzumuten, die Pergola abzubauen – obwohl dies mit einem beachtlichen Aufwand verbunden sei.

Trotzdem schätzt Andreas Häner die Chance nur auf 50 Prozent, dass der Heimatschutz bei der Appellationsgerichtsverhandlung am 17. September Recht bekommt. «Unsere Erfahrung zeigt, dass es sehr offen ist. Einmal gewinnt man, einmal verliert man.»

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