Nähkästchen

Den Ethno-Stil neu entdeckt

Die Boutique «La Fauna» im Kleinbasel trifft mit handgemachten Designkleidern und erschwinglicher Kunst den Nerv der Zeit. Die Ladeninhaberinnen plaudern über die neue Eröffnung, dem Respekt vor dem Lädelisterben und dem wiedererstarkten Trend der Ethno-Mode.

Rahel Koerfgen
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Lidia Melcón und Tehuia Avila (rechts, sie trägt einen Blazer von Bless The Mess) haben Mut bewiesen: Mit handgemachten Einzelstücken im Ethno-Stil sagen sie dem Onlinehandel den Kampf an.

Lidia Melcón und Tehuia Avila (rechts, sie trägt einen Blazer von Bless The Mess) haben Mut bewiesen: Mit handgemachten Einzelstücken im Ethno-Stil sagen sie dem Onlinehandel den Kampf an.

Nicole Nars Zimmer

Der Look dominierte das Modebild der 1990er-Jahre in der Schweiz: Jacken und Ponchos im Aztekenmuster waren überall zu sehen, die Frauen trugen indianischen Schmuck mit türkisen Steinen. Entsprechend florierten Geschäfte, die Ethno-Mode und -Möbel verkauften, etwa die Boutique Cachet.

In den Nullerjahren war es dann vorbei mit dem Trend, und kleinere Läden, die sich darauf spezialisiert hatten, kamen unter die Räder. Der Basler Cachet existiert heute zwar noch, das Geschäft musste jedoch wegen Umsatzeinbussen von der Gerbergasse in ein kleineres Ladenlokal in der Sattelgasse umziehen.

In den vergangenen Jahren allerdings feierte die Modewelt das Comeback des Ethno-Looks; Textilprints, Schmuck und auch Möbel in warmen Erdtönen und knalligen Farben sind wieder angesagt.

Nun scheint der Trend auch in Basel angekommen zu sein: Gestern eröffnete das Geschäft «La Fauna» seine Türen an der Feldbergstrasse, geführt von Lidia Melcón und Tehuia Avila. Sie wollen hier Platz schaffen für nachhaltiges, handgemachtes Mode- und Schmuckdesign aus aller Welt sowie auch eine Galerie sein für regionale und internationale Kunstwerke, «Schätze der Kreativität», wie es Avila nennt, die selber Malerin ist.

Melcón ergänzt: «Unsere Ware ist einzigartig und nicht ennet der Grenze erhältlich.» Sie gibt sich zuversichtlich, dass das Konzept gerade in Basel eine Zukunft hat. «Klar, wir sind ein bisschen verrückt», sagt sie, und lacht. Natürlich habe sie Respekt vor dem Ladensterben. «Jedoch stellen wir fest, dass die Leute hier wieder viel bewusster einkaufen und auf Originalität und Nachhaltigkeit achten.

Diese Nische bedienen wir.» Dabei nimmt Melcón auch gleich noch einem Vorurteil den Wind aus den Segeln: «Fair und nachhaltig produzierte Ware muss nicht teuer sein. Bei uns ist alles erschwinglich, auch die Kunst.»

Persönliche Kontakte

Beide Frauen sind weit gereist in ihrem Leben und liessen sich in Indien, Mexiko, Goa, Spanien und auch Australien von den Kulturen und ihren Kleidungsstilen inspirieren. Und lernten dabei Künstler und Designer kennen, die «La Fauna» jetzt exklusiv in der Schweiz mit ihren Erzeugnissen beliefern.

Etwa das bekannte Label Bless the Mess aus Barcelona, das sich auf urbane Mode mit Ethno-Elementen spezialisiert hat. «Persönliche Kontakte sind uns sehr wichtig, da wir so sicher gehen können, dass das Produkt fair produziert wurde», sagt Avila dazu. Der Plan ist, dass im «La Fauna» laufend Kollektionen neuer Designer Platz finden. «Dadurch schaffen wir eine Vielfalt, und jeder erhält die Chance, seine Ware zu präsentieren», sagt Melcón.

Auch lokale Künstler und Designer sind laut den beiden Frauen sehr willkommen. So sind im Laden zum Beispiel schöne Ledertaschen einer Baslerin sowie Skateboards erhältlich, die ein Basler Primarlehrer aus rezykliertem Holz herstellt. Avila wiederum hat sie bemalt, und sie sagt, dass sie die Boards nach Wunsch des Kunden gestalten könne. «Individualität ist sehr gefragt. Nur durch diese persönliche Note können wir uns vom Onlinehandel abheben.»

Dass «La Fauna» in der Feldbergstrasse eröffnet, ist kein Zufall. Die beiden Frauen leben bereits seit Jahren im Matthäusquartier, ihre Kinder gehen hier zur Schule. Und sie glauben fest daran, dass gerade diese Strasse in den vergangenen Jahren zum Anziehungspunkt geworden ist für Konsumenten, die das Alternative suchen und sich in diesem Feld auch etabliert hat.

Und weshalb eigentlich der Name «La Fauna»? Avila sagt, so wie der Begriff die Tierwelt einer bestimmten Gegend umschreibe, gelte das im Falle ihres Ladens als Lebensraum für «kreative Leute und konsumbewusste Stadttiere».