Sterbetourist
David Goodall (†104) beschwerte sich über Euro-Airport: «Nicht richtige Anlagen für Personen im Rollstuhl»

Bei der Ankunft des australischen Sterbetouristen auf dem Euro-Airport waren beide Hublifte belegt. Er beklagte sich darüber.

Peter Schenk
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Journalisten am Basler Euro-Airport.
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Medien und Schaulustige warten auf David Goodall.
Da hinten ist er. Der 104 Jahre alte Australier ist zum Sterben in die Schweiz gekommen.
Der Wissenschaftler kommt aus Perth in der Schweiz an, um von der legalen Sterbehilfe zu profitieren.
Seinen Tod inszeniert er mit einer globalen Medienstory.
Plötzlich entdeckt er einen Hund. Und lebt auf.
Der Therapie-Hund Henny Penny sucht seine Nähe.
Ankunft David Goodall (2)
Ankunft David Goodall
Ankunft David Goodall

Journalisten am Basler Euro-Airport.

Claudio Thoma

David Goodall kam zum Sterben in die Schweiz. Doch den Verantwortlichen des Euro-Airports (EAP) dürfte der 104-jährige Australier vor allem wegen etwas anderem in Erinnerung bleiben: Als er am 7. Mai auf dem binationalen Flughafen gelandet war, musste er im Rollstuhl die Treppen herunter getragen werden. Der Grund: Der Flughafen stuft Personen mit eingeschränkter Mobilität nach Prioritäten ein. Nach dieser Einstufung werden die beiden Hublifte, die der EAP besitzt, eingesetzt. Es gibt C (Chair) und S (Steps). Weil Goodall als S mit eigenem Rollstuhl angemeldet war, hatten die Fluggäste mit C Vorrang und die beiden Spezialfahrzeuge waren anderweitig im Einsatz.

Reise bis Basel am schlimmsten

Goodall, der mittlerweile an Auffahrt seinen Freitod vollzogen hat, beschwerte sich im Interview bitterlich über den Abschnitt seiner Reise von Bordeaux nach Basel. Der letzte Teil sei am schlimmsten gewesen: «Sie haben hier nicht die richtigen Anlagen, um Personen im Rollstuhl zu helfen», war sein Eindruck.

Dem Flughafen ist dies deutlich unangenehm. Der Service für die sogenannten PRM (persons with reduced mobility) wird auf dem EAP von Dienstleister CGS besorgt. EAP wie CGS «bedauern das Befinden von Herrn Goodall sehr», schreibt EAP-Mediensprecherin Vivienne Gaskell. «Auf der Treppe heruntergetragen zu werden, ist unangenehm für den Fluggast und für die Mitarbeitenden.» Gaskell betont, dass der Flughafen bisher «praktisch keine Beschwerden über den Transport oder die Behandlung von behinderten Personen» erhalten habe. Auch Behinderten-Verbände hätten sich keine gemeldet.

Eine Recherche bestätigt das. Helena Bigler von Procap Reisen, das sich auf Reiseangebote für Menschen mit Handicap spezialisiert hat, hat bisher von Kunden keine negativen Rückmeldungen zum Euro-Airport erhalten. «Aus unserer Sicht gibt es dort keine grundsätzlichen Probleme», sagt sie.

Angelsachsen sind weiter

Pro Infirmis verweist auf das Behindertenforum Basel. Auch dessen Geschäftsführer Georg Mattmüller sieht bezüglich der Infrastruktur keine Schwierigkeiten. «Die angelsächsischen Länder sind allerdings bei den hindernisfreien Zugängen weiter als die Schweiz.» Vielleicht war das mit ein Grund für den Unmut des Australiers Goodall?

Auf dem EAP haben vergangenes Jahr 48'000 Fluggäste den PRM-Dienst in Anspruch genommen. Der Flughafen hat beschlossen, den Service auszubauen und für 300 000 Euro ein drittes Spezialfahrzeug bestellt. Vielleicht kann ein Vorfall wie mit David Goodall so verhindert werden.

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