Das Schrebergarten-Drama

Mal hüh, mal hot: Basler dürfen ihre Gärten an der Grenze erneut nicht mehr betreten – die Politik ist machtlos.

Martina Rutschmann
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Rien ne va plus – und niemand weiss, wie lange: gesperrter Familiengarten-Zugang.

Rien ne va plus – und niemand weiss, wie lange: gesperrter Familiengarten-Zugang.

Bild: niz (30. April 2020)

Der Kopfsalat und die Riebli wachsen mehr schlecht als recht vor sich hin. Keiner pflegt sie – wie auch, wenn der Zutritt in den eigenen Garten verwehrt wird? Ein Hin und Her war es in den letzten Wochen, wie «Online­reports» berichtet. Die 1100 Pächter durften ihre Familiengärten betreten, dann wieder nicht, dann wieder doch. Und jetzt – geht gar nichts mehr.

Das stösst den Gärtnern sauer auf, sie rufen täglich bei der Stadtgärtnerei an, fragen, warum der Kanton nichts unternimmt, schimpfen, sind ungeduldig. Was ist passiert?

Ausgeschlossen – von einem Tag auf den anderen

Der Frieden auf den Arealen Basel-West, Reibertweg und Lacheweg ist getrübt. Ein grosser Teil der Familiengärten zwischen Hegenheimer- und Burgfelderstrasse liegen auf französischem Boden. Und in Frankreich herrscht eine strikte Ausgangssperre. Jeder Bürger muss ein amtliches Formular ausfüllen, wenn er das Haus verlässt. Es gibt wenige Gründe, die das erlauben. Dazu gehören: Einkaufen, ein Arztbesuch, ein höchstens einstündiger Spaziergang mit dem Hund im Umkreis von maximal einem Kilometer. Die «Police» büsst fleissig.

Für Schweizer, die keinen Wohnsitz oder Arbeitsplatz im Elsass haben, gilt: kein Zutritt ins Land. «Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass die Pächter der betroffenen Gärten mit der Tatsache konfrontiert werden, dass sich ihre Parzellen auf französischem Boden befinden», sagt Stadtgärtner Emanuel Trueb. Bisher hatten diese mit Frankreich kaum etwas zu tun – warum auch? Es ist die Stadtgärtnerei, welche die Gärten verpachtet und für den Papierkram zuständig ist. Einzig importierte Ware wie Rasenmäher oder Blumentöpfe müssen die Gärtner in ein Zollbüchlein eintragen.

Jetzt bekommen die Gärtner die «Grande Nation» mit voller Wucht zu spüren. In einem Brief vom 20. April schreibt der Präfekt des «Haut-Rhin», der Zutritt zu den Gärten sei kein Grund, die Grenze zu überqueren. Es gelte, die Massnahmen zu respektieren. Punkt. Der Brief ging an Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann. Sie habe sich mit Haut-Rhin-Präsidentin Brigitte Klinkert ausgetauscht, allerdings eher am Rande, während eines Gesprächs betreffend der Corona-Patientenübernahme. «Dabei kamen sie auch auf die Schrebergärten zu sprechen. Allerdings ist es so, dass man da nicht viel ausrichten kann, beziehungsweise gar nichts, da französisches Recht gilt», sagt Melanie Imhof, Medienverantwortliche des Präsidialdepartements.

Das weiss auch CVP-Grossrätin Andrea Knellwolf, die in der Regionkommission sitzt und Mitglied des Oberrheinrates ist. In dieser Funktion wird sie eine Resolution an die Landesregierungen der Schweiz, Frankreichs und Deutschlands anregen, wie sie gegenüber der bz ankündigt. «Ziel ist es, dass Regierungen bei der Regelung der Grenzübertritte vermehrt auf die speziellen Lebenswirklichkeiten in den eng verzahnten Grenzregionen Rücksicht nehmen.»

Die Basta hat vor einem Monat eine Petition «zur umgehenden Wiedereröffnung» der Gärten lanciert. 2000 Unterschriften braucht sie, beisammen sind bislang rund 1600. Möglicherweise war es aber verlorene Liebesmüh, denn heute in einer Woche lockert Frankreich seine Einschränkungen. Was das für die Familiengärtner bedeutet, ist jedoch unklar. «Wir warten sehnlichst auf neue Weisungen aus der Präfektur – und hoffen, dass die Lockerung den Pächtern zugutekommt», sagt Emanuel Trueb.

Eine Anfrage der bz in Frankreich blieb bis zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls unbeantwortet.

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