Verkehr
Das Basler Parkplatzsterben in Zahlen – sollen sie doch in den Untergrund

Die Anzahl öffentlicher Parkplätze in der Stadt sinkt weiter – dafür sollen Autofahrer auf Privatflächen und Parkhäuser ausweichen. Die Verteuerung der Basler Parkkarten hat bereits zum erwünschten Effekt geführt.

Andreas Schwald
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Parkplätze sind in Basel ein knappes Gut – auch in Wohnquartieren.

Parkplätze sind in Basel ein knappes Gut – auch in Wohnquartieren.

Kenneth Nars

Zwischen 2017 und 2019 sind in Basel 478 Parkplätze der blauen Zone verschwunden. Dies geht aus dem aktuellen Parkplatzkataster des Kantons Basel-Stadt hervor. Dass es im Kantonsgebiet sogar einmal viele weisse Parkplätze gab, wo man gebührenfrei und unendlich lange auf Allmend parkieren konnte, geht zwischenzeitlich im öffentlichen Bewusstsein sogar praktisch vergessen. Kein Wunder: Die sind bis auf mickrige sechs im Iselin-Quartier verschwunden beziehungsweise gebührenpflichtig geworden.

Der Parkplatz-Kataster wird nur alle zwei Jahre publiziert und dies seit 2015. Also gibt es erst drei Verzeichnisse, die miteinander vergleichbar sind. Die Daten spiegeln die Parkplatzpolitik der Regierung wieder: Parkieren an der Oberfläche soll zunehmend in den Untergrund, also teilweise neuzubauende Quartierparkings, verlegt werden. Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem aktuellen Kataster sind:

1. Die weisse Zone starb innert vier Jahren

Eine drastische Flurbereinigung geschah bei den Gratisparkplätzen. Deren Anzahl sackte von 2569 im Jahr 2015 auf sechs im Jahr 2019. Die Aufhebung war vor Jahren schon beschlossene Sache. Die meisten weissen Parkplätze wurden entweder in blaue oder in bewirtschaftete Parkflächen umgewandelt.

2. Noch dominiert die blaue Zone

Entsprechend nahm die Anzahl blauer Parkplätze insgesamt nur geringfügig ab: von 2017 bis 2019 um 478 Stück auf 20 742 Parkplätze. Dies, nachdem die Anzahl zwischen 2015 und 2017 sogar von 19 137 auf 21 220 massgeblich zugenommen hatte – was letztlich allerdings nur eine Folge des rigorosen Umfärbens der weissen in die blaue Zone war.

3. Die Fläche für Autos an der Oberfläche schwindet

Insgesamt zählt die Stadt Basel zurzeit 27 374 Autoparkplätze. Dies sind 124 weniger als 2017 und 567 weniger als 2015. Die Tendenz ist also klar sinkend. Im Gegensatz dazu haben die Zweiradparkplätze zugenommen. Waren es 2015 noch 15 210, nahm die Anzahl sprunghaft zu. 2017 wurden bereits deren 16 478 ausgewiesen (+1268). Danach bremste das Wachstum etwas aus: 2019 wurden 340 Plätze mehr gezählt, was heute insgesamt 16 818 Zweiradparkplätze in Basel ergibt.

Diese Reduktion an Autoparkplätzen geschieht aber nicht ohne Ersatz. So verwies das Bau- und Verkehrsdepartement von Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) am Freitag darauf, dass in den vergangenen zwei Jahren 1200 Privatparkplätze gebaut wurden – ein Vielfaches mehr, als dass im öffentlichen Raum abgebaut worden war. Darin enthalten sind das Parkhaus der Firma Bell mit 640 Plätzen, die 280 Plätze bei «Wohnen und Gewerbe» auf der Erlenmatt.

Teurere Parkkarten bringen Autos wieder in Parkhäuser

Erstmals hat der Kanton zudem versucht, die Auslastung aller Privatparkplätze der Stadt zu erheben – mittels Umfrage. Herausgekommen ist, dass sich in Basel weitere 18 902 Parkplätze auf Privatarealen befinden. Deren Leerstand beträgt im Schnitt 4,1 Prozent. Rund 3500 Parkplätze stehen also leer. Dies aber vor allem in Quartieren, wo die Nachfrage generell geringer ist.

Insgesamt hat in Basel immer noch rund jeder zweite Haushalt ein Auto. Um deren Verteilung auf Parkhäuser weiter zu forcieren, wurden unter anderem die Preise von Anwohner- und Besucherparkkarten verteuert. Mit Erfolg: Der Verkauf der Anwohnerparkkarten brach um 15 Prozent ein, derjenige der Besucherparkkarten sogar um die Hälfte.

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