«White Squaw»

Buchautor Brunnschweiler: «Was sie tat, war nicht gerne gesehen»

Thomas Brunnschweiler plant einen Roman über das Leben von Caroline Weldon. Der Reinacher wundert sich noch immer, dass es so lange dauerte, bis ihre wahre Herkunft ans Tageslicht kam.

Benjamin Wieland
Drucken
Teilen
«Weldon als Groupie von Sitting Bull abzutun, würde dieser Frau nicht gerecht.» Thomas Brunnschweiler, Buchautor

«Weldon als Groupie von Sitting Bull abzutun, würde dieser Frau nicht gerecht.» Thomas Brunnschweiler, Buchautor

Zur Verfügung gestellt

Thomas Brunnschweiler, wie sind Sie auf die Spuren von Caroline Weldon – geborene Faesch – gestossen?

Thomas Brunnschweiler: Es war ein Zufall. Ein Mitglied der Familie Faesch hat mir einmal erzählt, dass es eine Faesch gegeben habe, die mit Sitting Bull zu tun hatte. Ich fand das spannend, habe die Geschichte aber nicht weiter verfolgt. Im vergangenen Jahr kam jemand auf mich zu, ob ich einen Beitrag zu einem Buch über berühmte Baslerinnen und Basler beisteuern könnte. Sofort kam mir Carolina Faesch in den Sinn. Zwar wurde das Buch dann nicht in der geplanten Form realisiert, doch ich konnte den Stoff dennoch gebrauchen, für einen Beitrag im «Birs Magazin». So habe ich mich in die Materie eingearbeitet – und musste bald feststellen: In der Schweiz ist praktisch unbekannt, dass Carolina Faesch respektive Caroline Weldon eine Schweizerin, eine Baslerin war.

Es existiert eine Biografie über Weldon – in den USA ist sie ein Begriff.

Ja, das schon. In der US-amerikanischen Geschichtsschreibung weiss man, dass Sitting Bull von 1888 bis 1890 Kontakt hatte mit einer weissen Beraterin. In Stanley Vestals Biografie «Sitting Bull – Champion Of The Sioux» aus dem Jahr 1932 wird sie erwähnt. Dass sie Schweizerin war, wurde aber erst im Jahr 2011 zweifelsfrei belegt, von Daniel Guggisberg, einem Auslandschweizer, der in Kalifornien wohnt. Er sagte mir, er habe die Story mit Weldon bereits einmal einem Schweizer Journalisten gesteckt, doch der habe die Fährte nicht weiter verfolgt.

Caroline Weldon war eine erstaunlich stark emanzipierte Frau – sogar mit heutigen Massstäben gemessen. Wie kam das damals an?

Nicht sehr gut, wie man sich vorstellen kann. In Zeitungsbeichten wird Weldon als «White Squaw» bezeichnet, im Sinne von Indianer-Mätresse. Dass eine Weisse Kontakt zu den Ureinwohnern suchte, war nicht gerne gesehen. Doch Weldon liess sich davon nicht beeindrucken. Als sie im Reservat lebte, war sie bereits geschieden und hatte einen unehelichen Sohn. Auch das kam wohl nicht allzu gut an in jener Gesellschaft.

Sitting Bull machte Weldon einen Heiratsantrag. Hatten die beiden eine intime Beziehung?

Obwohl viele Quellen nicht mehr zugänglich sind, kann man mit grosser Sicherheit sagen, dass die beiden kein romantisches Verhältnis hatten. Klar, im Film «Woman Walks Ahead» wird die Beziehung romantisiert, ganz Hollywood-like. Aber Weldon als Groupie von Sitting Bull abzutun, würde dieser Frau nicht gerecht. Man muss auch bedenken: Als sie im Reservat lebte, war sie um die 45 Jahre alt – Sitting Bull bereits 60 und ein gebrochener Mann.

Was ist ihre Vermutung: Warum hat es fast ein Jahrhundert gedauert, bis die wahre Identität von Weldon bekannt wurde?

Sie selber hat ihren Anteil daran. Sie nannte sich Weldon, dabei hatte sie nie einen Mister Weldon geehelicht. Es wird vermutet, dass der Name ein Künstlername ist, im Sinne von «well done», also «gut gemacht». Und dann wurde auch mangelhaft recherchiert. In ihrer Biografie «Woman Walks Ahead» ist von einer «Catherine Weldon» die Rede – für mich unerklärlich. Und im Bühnenstück «The Ghost Dance» von Stewart Vaughn wird sie als Missionarin dargestellt. Auch das ist komplett falsch.

Sie planen einen Roman über Weldons Leben. Ist eines Ihrer Ziele, solche Fehler zu korrigieren?

Ja, ganz klar. Mich interessieren aber auch die historischen Zusammenhänge: Wie wurden die Indianer damals dargestellt? Wie hat das unser Bild von den Indianern beeinflusst? Und nicht zuletzt: Hat Caroline Weldon die Mentalität der Ureinwohner verstanden?