Coronavirus

«Bitte haltet Abstand!»: So sieht es zurzeit auf den Basler Roche-Baustellen aus – trotz Corona in Betrieb

Die grösste und teuerste Baustelle der Schweiz steht Modell für die Pandemie-Massnahmen des Bundes – nach einer Woche der Kritik vonseiten der Gewerkschaft und dem Auftreten von Corona-Fällen.

Andreas Schwald
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Blick über das Gelände: Die Baustellen von Roche werden zurzeit nur von rund 60 Prozent des eigentlichen Personalbestandes bedient.
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Augenschein Roche-Baustelle während Corona
Statt Mundschutz: Die Plexiglasscheibe vor dem Helm deckt das Gesicht komplett ab und wird als baustellentauglicher taxiert als ein Mundschutz.
Omnipräsente Mahnschilder.
Die Passagierzahl in den Liften ist beschränkt. Wer zu viel ist, muss draussen warten.
Die Raucherzonen wurden mit zusätzlichen Markierungen versehen. Diese Arbeiter halten den Abstand ein.
Blick aus knapp über 80 Metern Höhe auf Bau 1, den ersten Roche-Turm.
Bau 2 wächst zurzeit alle zwei Wochen ein Geschoss in die Höhe.
Die Pausenräume: Hier massieren sich am meisten Menschen. Die Sitzplatzzahl wurde drastisch reduziert, gespiesen wird in Schichten.
Erlaubte Sitzplätze sind mit roten Punkten markiert.
Die Blickrichtung im Pausenraum ist auf diesen Bildschirm ausgerichtet.

Blick über das Gelände: Die Baustellen von Roche werden zurzeit nur von rund 60 Prozent des eigentlichen Personalbestandes bedient.

Kenneth Nars

Es war eine Woche der scharfen Kritik. Erst forderte die Unia die Schliessung aller Baustellen von Roche an der Grenzacherstrasse, nachdem einige der Bauarbeiter positiv auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet worden waren. Am Donnerstag sorgte die Entlassung eines Bauarbeiters für Aufsehen, der ein Foto eines Raucherbereichs auf Facebook gepostet hatte. Auf dem Foto war eine deutliche Ansammlung von Menschen zu sehen. Roche erteilt dem Bauarbeiter daraufhin lediglich Arealverbot, weil es untersagt ist, Fotos auf dem Betriebsgelände zu machen. Die Entlassung erfolgte durch das Bauunternehmen, das den Arbeiter beschäftigt hatte.

Roche dementierte daraufhin den Vorwurf, dass man etwas vertuschen wolle. Der Konzern verweist darauf, dass im Rahmen der Sicherheitsvorgaben des Bundes eine Melderoutine eingerichtet wurde, wo Personal jeglicher Stufe fehlende Sicherheitsabstände oder Missstände melden soll.

Nur noch zwei Personen pro Tisch, Aufpasser patrouillieren

Dass die Baustellen an der Grenzacherstrasse weiterbetrieben werden, ist in grösstem Interesse von Roche. Hier entsteht zum Einen mit Bau 2 das grösste Bürohochhaus der Schweiz, zum Andern wird derzeit der Rohbau für das 1,2 Milliarden Franken teure Forschungs- und Entwicklungszentrum erstellt. Bau 2 fällt mit 550 Millionen Franken vergleichsweise günstig aus.

Entsprechend setzt Roche die Vorgaben des Bundes zum Weiterbetrieb auf dem Bau fast schon modellhaft um: Zusätzliche Pausenräume wurden errichtet, in denen grosszügig Platz geschaffen wurde. Wo sonst bis zu acht Arbeiter an einer Tischgarnitur sitzen, werden noch maximal zwei zugelassen – an mit roten Punkten markierten Stellen, wo sie sitzen dürfen, mit Blickrichtung auf einen Bildschirm, der die Anweisungen des Bundes zeigt. Abweichungen werden nicht geduldet.

Infektionsketten wurden erfolgreich verhindert

Alles wird mehrmals täglich desinfiziert, vom Gedeck bis zum Handlauf des Geländers. Auf Raucherplätzen wurden zwecks Abstandswahrung Quadrate auf den Boden gesprayt. Statt mit Mundschutz rüstete Roche gleich die Helme der Arbeiter mit ausladendem Plexiglas-Gesichtsschutz aus. Der interne medizinische Dienst habe das begrüsst, die Massnahme werde sogar als sicherer taxiert, wie Roche-Projektleitungsmitglied Joerg Keller anlässlich eines Augenscheines am Freitag sagte.

Die kritische Grösse bleibt der Mensch. Halten sich Mitarbeiter nicht an die Abstandsregel von zwei Metern, nützt auch die regelmässige Desinfektion von Material nichts. Sicherheitspersonal patrouilliert deshalb über die Baustelle, um Arbeiter auf das Abstandhalten aufmerksam zu machen. Der Bestand an Kontrolleuren wurde kürzlich noch aufgestockt. Aktuell sind nur rund 60 Prozent der Bauarbeiter auf der Baustelle. Aufgrund der Massnahmen habe bisher eine interne Infektionskette von Mitarbeitern innerhalb der Baustelle erfolgreich verhindert werden können, sagt Roche-Sprecher Karsten Kleine: «Jeder Verdachtsfall sowie deren direkte Kontakte werden sofort unter Quarantäne gestellt.»