Alltag in der Pandemie

Bereit machen für lange Wartezeit

Tobias Gfeller
Drucken
Teilen
Seit der Ausrufung der «ausserordentlichen Lage» gilt folglich: Arbeit von zuhause aus. (Symbolbild)

Seit der Ausrufung der «ausserordentlichen Lage» gilt folglich: Arbeit von zuhause aus. (Symbolbild)

KEYSTONE/DPA/A4468/_DANIEL NAUPOLD

Als Teil der Risikogruppe mit einer chronischen Lungenerkrankung war das Ausrufen der «Ausserordentlichen Lage» eine Erleichterung. Für mich als freischaffenden Journalisten spielt sich auch im Normalfall ein Teil meiner Arbeit zu Hause in meinem Büro ab. Als ich mich nach den Skiferien bei den Redaktionen zurückmeldete, aber sogleich klarmachte, dass ich wegen des Coronavirus nur noch von zu Hause aus arbeiten werde, war ich zwar ein Aussenseiter, stiess aber auf vollstes Verständnis.

Ungläubige Blicke erntete ich auch, als ich schon frühzeitig damit begann, beim Spazieren den entgegenkommenden Personen auf die Strasse hinaus auszuweichen. Als ich beim letzten persönlich im Eiltempo getätigten Einkauf am 14. März einen Mundschutz getragen habe, fragte mich eine Frau etwas barsch, was ich denn damit eigentlich wolle? Mittlerweile sind solche Vorsichtsmassnahmen auch in der breiten Masse angekommen. Das ist irgendwie beruhigend. Mein Verhalten fühlt sich jetzt fast normal an – und ich komme mir ein bisschen wie ein Vorreiter vor.

Als Teil der Risikogruppe habe ich meine Vorsichtsmassnahmen aber nochmals drastisch verstärkt. Meine Partnerin – die als Lehrerin zurzeit von zu Hause aus unterrichtet – zieht zu meinem Schutz mein Programm mit. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Nach dem letzten «normalen» Schultag zogen wir eine gut zweiwöchige gegenseitige Quarantänephase durch, um bei ihr eine Coronainfektion und die damit verbundene Inkubationszeit abzuwarten. Die Einkäufe erledigen zum Glück zumeist Verwandte. Die Waren sortieren wir nach Einkaufsdatum, sodass wir wissen, wann potenziell die Viren auf den Verpackungen abgestorben sein müssten. Ja, vielleicht ist das etwas paranoid. Aber wer garantiert, dass Spaghetti und Milch vor unseren Angehörigen nicht jemand mit dem Coronavirus in der Hand hatte, nichts aber von seiner Infektion wusste?

Für die innere Befindlichkeit tut es gut, dass mittlerweile die grosse Masse fast im gleichen Boot sitzt wie ich. Das wird sich aber ändern, sobald die ersten Lockerungen vorgenommen werden. Für die meisten beginnt dann ein langsamer Weg zurück zur Normalität – diese ist für mich aber noch weit weg. Mai, Juni oder vielleicht sogar erst im Herbst? Ich weiss es nicht. Denn das Virus wird nicht verschwunden sein, auch wenn die Infektionszahlen zurückgehen. Gehen die Schulen wieder auf und meine Partnerin muss vor Ort unterrichten, müssen wir uns wohl räumlich trennen und ich vorübergehend ins Ferienchalet ziehen. Die gesellschaftliche Normalität hätte mich dann längst wieder überholt.