Sportunterricht

Basler Sportlehrer gehen für mehr Lohn vor Gericht: Sie wehren sich gegen das «faule Image»

Sportlehrerinnen und Sportlehrer tragen das Image, dass sie anfangs Stunde einen Ball aufs Feld werfen und für den Rest der Lektion nichts mehr zu tun hätten. Sie arbeiten aber tatsächlich mehr als ihre Berufskollegen – und das zu weniger Lohn.

Leif Simonsen
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Nicht nur die Turnstunden gehören zur Arbeit der Lehrer. (Symbolbild)

Nicht nur die Turnstunden gehören zur Arbeit der Lehrer. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Viele Basler Lehrerinnen und Lehrer durften Anfang Jahr auf eine Lohnerhöhung anstossen. Der Regierungsrat hiess eine Beschwerde von Logopädinnen, Kindergärtnerinnen und Psychomotorik-Fachfrauen gut, die gegen die Lohneinreihung im Rahmen der sogenannten Systempflege rekurriert hatten. Andere Lehrer schauten in die Röhre, etwa die Fachlehrer an den Heimschulen oder die Berufskundelehrer an den Berufsschulen.

In Lehrerkreisen gibt aber vor allem die Situation der Basler Sportlehrer zu reden. Die Mittelschulsportlehrer werden nach dem Regierungsentscheid eine Lohnstufe tiefer klassiert als die anderen Lehrerinnen und Lehrer auf Sek-2-Niveau. Das heisst: Ihr Einstiegslohn liegt bei monatlich brutto 7945.25 Franken (und steigt auf maximal 11'441.25 Franken), die Französisch- und Mathelehrer beginnen mit 8550.50 Franken monatlich und erreichen in der höchsten Lohnstufe 12'312.75 Franken. Die Sportlehrerinnen und Sportlehrer empfinden das als besonders ungerecht, weil sie im Vergleich zu ihren Kollegen auch noch mehr unterrichten müssen. Bei einem 100-Prozent-Pensum müssen sie 25 Lektionen pro Woche erteilen, die anderen Fachlehrer lediglich 21. Die Sportlehrer kommen auf jährlich 1000 Lektionen, die anderen Gymnasiallehrer auf 820.

«Sie sind heute nicht mehr nur Sportlehrer»

Zwölf Sportlehrpersonen, die an städtischen Gymnasien und Fachmittelschulen unterrichten, haben Rekurs eingelegt gegen den regierungsrätlichen Entscheid. Jean-Michel Héritier, Präsident der Freiwilligen Schulsynode in Basel-Stadt, ärgert sich über «die doppelte Schlechterstellung» der Sportlehrer und das schlechte Image, das der Berufsstand bei der Basler Regierung habe. «Es wird argumentiert, dass die Arbeit jener der anderen Lehrer auf derselben Schulstufe nicht gleichwertig sei. Dabei ist das Bild des Sportlehrers, der anfangs Turnstunde einfach einen Ball aufs Feld wirft und danach ist die Arbeit getan, völlig veraltet.»

Heute seien die Sportlehrerinnen und Sportlehrer stark ausgelastet, würden Sportlager organisieren, Maturarbeiten betreuen und Theorie vermitteln, beispielsweise Ernährungswissenschaften. «Sie sind heute nicht mehr nur Sportlehrer, sondern auch Fachleute für Gesundheitsförderung», sagt Héritier. Ruedi Schmid, Präsident des Verbands für Schweizerische Sportlehrerinnen und Sportlehrer, ärgert sich auch über das Klischee, wonach die Arbeit des Turnlehrers getan ist, wenn die Pausenglocke ertönt. «Oft wird beispielsweise mit Videos gearbeitet, die ausgewertet werden müssen.» Schmid macht zudem auf die gestiegenen Belastungen in der Turnhalle aufmerksam. «Die sozialen Probleme manifestieren sich im Sportunterricht ganz besonders.»

Zusätzliche Belastungskomponenten seien der Lärm und die «Dreidimensionalität» der Hallen. «Man muss immer alles im Auge haben, damit die Sicherheit gewährleistet ist», sagt Schmid.

Der Kanton Basel-Stadt hat seine Gegendarstellung gegen die Rekurse verfasst, will allerdings vor der Gerichtsverhandlung öffentlich keine Stellung nehmen. Es handle sich um ein «laufendes Verfahren», kommentiert Tibor Hochreutener, Stellvertretender Generalsekretär des Finanzdepartements. Zu erwarten ist, dass die Kantonsgerichtsverhandlung im Spätherbst stattfindet. Die Rekurrenten werden das Argument auf ihrer Seite haben, dass die doppelte Schlechterstellung der Sportlehrer in der Deutschschweiz einzigartig ist. Nirgends sonst verdienen sie weniger und unterrichten mehr als die Kolleginnen und Kollegen.