Gesetzesvorlage

Basler Museen entscheiden selbst über Gratiseintritte

Das revidierte Museumsgesetz gewährt staatseigenen Häusern mehr Freiheiten – auch dank Vierjahres-Globalbudgets. Museen können zukünftig während vier Jahre mit ihrem Budget frei haushalten.

Leif Simonsen
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Die staatlichen Museen sollen ihr Ausstellungsprogramm künftig autonomer und vor allem über einen längeren Zeitplan hinaus planen können.

Die staatlichen Museen sollen ihr Ausstellungsprogramm künftig autonomer und vor allem über einen längeren Zeitplan hinaus planen können.

Juri Junkov

Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) verstand es für einmal, den Kritikern schnell den Wind aus den Segeln zu nehmen. Heute Morgen noch hatte die parlamentarische Geschäftsprüfungskommission moniert, dass das neue Museumsgesetz lange auf sich warten lasse. GPK-Mitglied Joël Thüring (SVP) meinte etwas süffisant, die Sommerferien würden ja erst in ein paar Tagen beginnen – man solle sich noch gedulden. Weder er noch die anderen Kommissionsmitglieder rechneten damit, dass Ackermann bereits einige Stunden später den Ratschlag für das neue Museumsgesetz präsentieren würde.

Überraschend war freilich nicht, was darin stand. Die Eckpunkte sind im Wesentlichen diejenigen, die in der Museumsstrategie von Ende 2017 definiert worden sind. So sollen die Museen mehr Handlungsfreiheiten bekommen; in erster Linie werden diese Freiräume durch ein Vierjahres-Globalbudget geschaffen, welches das heutige komplexe Bonus-Malus-System ersetzt. Wenn ein Museum heute das Budget nicht aufbraucht, muss der Regierungsrat entscheiden, ob die «nicht beanspruchten Beträge» auf nachfolgende Rechnungsperioden übertragen werden können. Künftig können die Museen über vier Jahre frei budgetieren – und auch mal ein Jahr stark ins Minus rutschen, wenn fürs Folgejahr eine zugkräftige Ausstellung geplant ist.

Entflechtung wird von Parlamentariern begrüsst

Das revidierte Museumsgesetz räumt gleichzeitig mit den Interessenskonflikten auf, die zu Diskussionen Anlass gegeben haben. So werden in Zukunft keine Grossrätinnen und Grossräte oder Mitarbeitende des Präsidialdepartements Einsitz haben in die Museumskommissionen.

Selbst Doppelmandatsträger wie die Grossräte Oswald Inglin (CVP) und Heiner Vischer (LDP), die jeweils in Museumskommissionen Einsitz haben, begrüssen die Stossrichtung des neuen Gesetzes. Vielleicht fällt ihnen die neue Entflechtung auch dadurch leichter, weil sie nicht direkt tangiert sind. Sowohl Inglin als auch Vischer dürfen wegen der Amtszeitguillotine nicht mehr zu den Grossratswahlen im kommenden Herbst antreten.

Ackermann hätte Gratiseintritte begrüsst

Mit Spannung wurde die neue Regelung bezüglich der Gratiseintritte erwartet. Bereits im Wahlkampf zum Regierungspräsidium hatte Ackermann angekündigt, dass sie sich vorstellen könne, die Dauerausstellungen in den Basler Museen gratis zugänglich zu machen. Die nun gehaltene Praxis ist aber weit zurückhaltender. Gemäss Mitteilung des Regierungsrats – der Ratschlag wird erst heute publiziert – sollen die Museen selber für die Eintrittsgebühren verantwortlich sein. Nur für Sondervorstellungen bleibe die Gebührenerhebung «zwingend». Bei den Sammlungspräsentationen können die Häuser aber auf diese Gebühren verzichten. Thüring ist der Meinung, dass das Präsidialdepartement «etwas mutiger» hätte sein können, was die Gratiseintritte zu den staatlichen Museen angeht.

Elisabeth Ackermann stellte sich auf Anfrage der bz zwar auf den Standpunkt, dass Gratiseintritte für die Dauerausstellungen in den Basler Museen auch heute noch «attraktiv gewesen wären». Einzelne Häuser könnten sich das durchaus leisten – unter anderem, weil sie auf den Kassenbetrieb verzichten könnten. Häuser wie das Kunstmuseum aber hätten finanzielle Ausfälle, die sich nicht kompensieren liessen.