Bildung
Basler Bildungspolitiker schickt Tochter nach Lörrach ans Gym

Das Basler Schulsystem steht unter Druck. Zu viele Gymnasiasten, zu schlechte Schüler; dies nur zwei der Schlagzeilen. Nun wird bekannt, dass Bildungskommissionsmitglied Stephan Mumenthaler im privaten Bereich bereits Konsequenzen gezogen hat.

Samuel Hufschmid
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Hinter dieser Tür kämpft Stephan Mumenthaler als Grossrat für ein besseres Bildungssystem in Basel-Stadt. Privat scheint er die Konsequenzen bereits gezogen zu haben.

Hinter dieser Tür kämpft Stephan Mumenthaler als Grossrat für ein besseres Bildungssystem in Basel-Stadt. Privat scheint er die Konsequenzen bereits gezogen zu haben.

Schweiz am Wochenende

Stephan Mumenthaler ist einer der profiliertesten Bildungspolitiker im Grossen Rat. Der FDP-Fraktionspräsident sitzt in der Bildungskommission und hat seit 2016 fünf Vorstösse zu bildungspolitischen Themen eingereicht, zuletzt Ende März dieses Jahres. Aus all seinen Vorstössen geht hervor, dass der ehemalige Novartis-Kadermann dem Basler Bildungssystem äusserst kritisch gegenübersteht. Er ist zudem Mitglied beim Verein Elternlobby Schweiz, der sich für freie Schulwahl und Homeschooling einsetzt.

Bisher nicht bekannt ist, wie konsequent Mumenthaler in seinem privaten Umfeld mit seiner skeptischen Haltung umgeht: Seine Tochter hat er nicht an eines der fünf Basler Gymnasien geschickt, sondern über die Grenze nach Lörrach. Informationen der bz, wonach auch sein Sohn in Lörrach die Schule besucht habe, liess Mumenthaler mit Verweis auf die Privatsphäre unbeantwortet.

Nach mehreren Telefongesprächen schickte er lediglich ein Dokument, das bestätigt, dass sein Sohn seit August 2015 ein Basler Gymnasium besucht. Das offizielle Schreiben dieser Schule ist auf den 28. Mai datiert – drei Tage vor der ersten Anfrage durch die bz. Weshalb er ein solches Dokument angefordert hat, darüber schweigt sich Mumenthaler aus.

Gratis-Unterricht für Schweizer

Dass die in Riehen wohnhaften Mumenthalers ihr Kind oder möglicherweise auch ihre beiden Kinder ennet der Grenze zur Schule schicken respektive schickten, ist kein Einzelfall. Stefanie Müller, Schulleiterin des Lörracher Hebel-Gymnasiums, sagt jedoch: «Es sind nicht sehr viele Schülerinnen und Schüler mit Wohnsitz in der Schweiz an unserer Schule, weil unser altsprachliches Profil ebenso in Basel am Gymnasium am Münsterplatz angeboten wird.»

Zu Bedenken gebe es zudem, dass sich die Schulferienphasen in Baden-Württemberg stark von denen der Schweiz unterschieden. So beginnen die Sommerferien in Lörrach fast einen Monat später als in Basel und dauern entsprechend bis Mitte September.

Kein Hindernis hingegen seien finanzielle Überlegungen. «Für in der Schweiz wohnhafte Schülerinnen und Schüler fallen bei uns keine Schulkosten an», sagt Müller. Dies ganz im Gegensatz zum umgekehrten Fall, in dem im Ausland wohnhafte Schüler für ihren Unterricht an einem Basler Gymnasium 20'400 Franken jährlich bezahlen müssen.

Bei weitem kein Einzelfall

Zur Identität ihrer Schüler gibt das Hebel-Gymnasium keine Auskunft. Aus online frei zugänglichen Dokumenten geht jedoch hervor, dass mindestens vier weitere Riehener Familien ihre Kinder nach Lörrach ans Gymnasium schicken dürften. Die bz hat mit zwei Familien den Kontakt aufgenommen, die das nicht abstritten. Sie wollten allerdings nicht über ihre Gründe dafür sprechen.

Nebst des humanistischen Hebel-Gymnasiums werden in obengenannten Dokumenten zwei weitere Lörracher Schulen genannt, die jeweils von mehreren Riehener Kindern besucht werden. Bei beiden Angeboten handelt es sich um Privatschulen, einerseits um eine anthroposophische Waldorfschule, andererseits um die religiös geprägte Freie Evangelische Schule. Die online zugänglichen Dokumente legen nahe, dass insgesamt mindestens 37 Schülerinnen und Schüler mit Wohnsitz in der Schweiz an diesen beiden Schulen unterrichtet werden, die meisten davon wohnen in Riehen.

Beim Basler Erziehungsdepartement (ED) wird nicht erhoben, welche und wie viele Einwohner ihre Kinder an ausländische Schulen schicken. Allerdings wird bei der Abmeldung registriert, welche Anschlusslösung besteht, etwa der Besuch einer Privatschule, wie Sprecher Simon Thiriet sagt. Die Zahlen dazu sind niedrig, von den über 16'000 schulpflichtigen Kindern im Kanton haben im laufenden Schuljahr lediglich 68 Kinder den Austritt beantragt.

Darüber, ob sich das Anschluss-Angebot im Ausland befindet, wird nicht Buch geführt. «Beim Gymnasium findet sowieso keine Kontrolle durchs ED statt, weil es sich nicht mehr um die obligatorische Schulzeit handelt», sagt Thiriet.

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