Eskalation
Basel Tattoo wehrt sich gegen Umbau der Kaserne

Mit markigen Worten legt sich das Musikfestival Basel Tattoo wenige Tage vor dem Urnenentscheid über die Sanierung und Umbau der Kaserne mit der Regierung an. Diese stempelt die Bedenken der Tattoo-Veranstalter als unbegründet ab.

Jonas Hoskyn
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Der Lone Piper auf dem Kasernenturm ist jeweils ein Höhepunkt beim Basel Tattoo – nach dem Neubau ist an dieser Stelle eine Bar geplant.

Der Lone Piper auf dem Kasernenturm ist jeweils ein Höhepunkt beim Basel Tattoo – nach dem Neubau ist an dieser Stelle eine Bar geplant.

KEYSTONE

Eine Woche vor der Abstimmung über den Umbau der Kaserne zu einem Kultur- und Quartierzentrum eskaliert die Situation zwischen dem Präsidialdepartement und dem Musikfestival Basel Tattoo. Noch am Mittwoch hatten sich die Verantwortlichen zu einer Sitzung getroffen. Dabei hatten sich die Organisatoren des Tattoo verbindliche Zusagen erhofft, zu welchen Rahmenbedingungen sie den zehntägigen Event in Zukunft durchführen können.

«Leider führte auch dieses Treffen zu keinem verbindlichen Ergebnis», sagt Thomas Ackermann, zuständig für Marketing und Verkauf.«Die gemachten Zugeständnisse lassen nach wie vor sehr viel Interpretationsspielraum zu und bereiten uns grosse Sorgen.» Ackermann geht sogar noch einen Schritt weiter: «Wir wissen nicht, ob und unter welchen Bedingungen wir nach einem Umbau noch ein Tattoo durchführen könnten.»

«Fühlen uns im Stich gelassen»

Der Schritt des Tattoo überrascht. Bisher sind die Event-Verantwortlichen im Wahlkampf eher zurückhaltend aufgetreten. Tattoo-Chef Erik Julliard äusserte sich vor einem Monat im Gespräch mit der bz zwar kritisch, was den Umbau anbelangte, betonte aber gleichzeitig, dass es sich dabei um seine persönliche Meinung handelte. «Es wäre nicht richtig, sich als Event einzumischen», sagte er damals.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit dem Präsidialdepartement sieht sich das Musikfestival offenbar gezwungen, an die Öffentlichkeit zu gehen. «Wir fühlen uns von den Behörden im Stich gelassen», sagt Ackermann. Zumal andere Nutzer des Kasernenareals bereits verbindliche Zusagen haben, etwa die Moschee oder der Wasserfahrverein Rhein Club Basel.

Unklar ist für das Basel Tattoo etwa, wie sich der Umbau und die künftigen Nutzer auf das Erscheinungsbild der Kaserne auswirken wird. «Die Fassade ist für uns sehr wichtig für die Projektionen», sagt Ackermann. Zurzeit wird das Gebäude als Schule genutzt, ist während des Tattoo in den Sommerferien also leer. Ein weiterer Punkt: Ein Höhepunkt des Musikfestivals ist jeweils der Auftritt des Lone Pipers, ein Dudelsackspieler, welcher auf dem Eckturm der Kaserne auftritt. Auch dies wäre künftig so nicht mehr möglich. An dieser Stelle ist nach dem Umbau eine Skybar vorgesehen.

Auch die künftigen Platzverhältnisse bereiten den Planern des Tattoos Sorgen. Aktuell nutzt das Festival praktisch jedes Schulzimmer für Technik, Garderobe oder Material. Wie dieser fehlende Platz kompensiert werden kann, ist bisher nicht klar.

«Viele Zugeständnisse»

Wie angespannt die Situation derzeit ist, zeigt sich am Umstand, dass wenige Stunden nachdem das Tattoo an die Öffentlichkeit ging, sowohl das Präsidialdepartement als auch der Verein Pro Kasernenareal via Medienmitteilungen heftigst widersprachen. Die heutige Reaktion des Tattoo sei nicht nachvollziehbar, sagt Regierungspräsident Guy Morin. Bei einer Vielzahl Anliegen sei man dem Festival entgegengekommen. «In der Vorlage wurde sogar ein Betrag von über drei Millionen Franken reserviert, der es ermöglichen soll, dass auch während der Umbauphase Veranstaltungen wie das Basel Tattoo oder die Herbstmesse auf dem Kasernenareal stattfinden können», sagt Morin. Auch ein Entgegenkommen bei den Allmendgebühren während der Bauphase sei in Aussicht gestellt worden. Weiter habe das Tattoo die Zusage, dass alle öffentlichen Flächen in und um das Hauptgebäude genutzt werden könnten und sich der Kanton bei den Nutzern der Kaserne dafür einsetzen wird, dass das Festival weiteren Platz zur Verfügung gestellt bekommt. «Das Basel Tattoo auf dem Kasernenareal ist auch in Zukunft gesichert», sagt Morin.

Auch der Verein Pro Kasernenareal zeigt sich erstaunt «über die Zusatzforderungen» und die «Herr-im-Haus-Mentalität» des Basel Tattoo. Bei einem Nein würden auch weitergehende Vorschläge für die Kaserne auf den Tisch kommen, etwa ein Abriss, die nicht im Sinne des Tattoo sein dürfen.

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