Euro-Airport
Ärger wegen Fehlalarm: Dutzende Passagiere verpassten Flug – Entschädigung gibt’s keine

Zum wiederholten Male in den vergangenen Wochen musste der Euro-Airport evakuiert und abgeriegelt werden. Dutzende Passagiere verpassten Flug – Entschädigung gibt’s keine.

Rahel Koerfgen
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Wer sein Gepäckstück unbeaufsichtig herumstehen lässt, muss mit einer Busse von bis zu 450 Euro rechnen.

Wer sein Gepäckstück unbeaufsichtig herumstehen lässt, muss mit einer Busse von bis zu 450 Euro rechnen.

Chris Iseli/ AZ

Am Dienstag kurz vor der Mittagszeit wurden am Euro-Airport (EAP) in der Ankunftsebene auf Schweizer Seite sowie bei der Gepäckausgabe auf französischer Seite je ein herrenloses Gepäckstück entdeckt. Auf entsprechende Lautsprecherdurchsagen meldete sich niemand.

Daraufhin löste die französische Polizei laut Flughafensprecherin Vivienne Gaskell um 11.58 Uhr Alarm aus und liess die Ankunfts- sowie Abflugshallen evakuieren. Der Fingerdockbereich jenseits der Pass- und Gepäckkontrolle sei nicht betroffen gewesen.

Entwarnung konnte rund eine Stunde später um 12.51 Uhr gegeben werden, nachdem französische Polizisten die Koffer untersucht hatten. In der Zwischenzeit strandeten mehrere hundert Passagiere vor dem verriegelten Flughafengebäude.

Die Evakuierung führte in der Mittagszeit zudem zu verspäteten Abflügen bis zu einer Stunde im Schnitt, in einem Einzelfall von drei Stunden. Bei vier ankommenden Flugzeugen mussten die Passagiere laut Gaskell eine halbe Stunde in der Maschine ausharren, um lange Warteschlangen bei der Einreise zu vermeiden. Nach 14 Uhr lief der Betrieb am EAP wieder weitestgehend normal.

Laut unbestätigten Angaben verpassten mehrere Dutzend Passagiere ihren Flug. Auf eine Entschädigung können sie nicht hoffen. Gaskell sagt zur bz: «Bei herrenlosen Gepäckstücken handelt es sich um die Verantwortung des jeweiligen Passagiers. Diese Situation liegt ausserhalb der Kontrolle des Flughafens und der Airline. Aus Flughafensicht gibt es deshalb keine Kompensation.» Betroffene könnten aber die jeweilige Airline kontaktieren, um herauszufinden, ob das Unternehmen sich kulant zeige.

In der Hauptreisezeit nichts Aussergewöhnliches

Erst am 26. Juli musste der EAP für knapp eine Stunde gesperrt werden – ebenfalls wegen eines herrenlosen Koffers. Gaskell betont: «Es handelt sich um ein Standardverfahren, das an allen Flughäfen angewandt wird.» In der Hauptreisezeit im Sommer sei es «leider» nicht aussergewöhnlich, dass trotz Lautsprecherdurchsagen, man solle sein Gepäckstück nie unbeaufsichtigt lassen, einmal pro Woche ein herrenloser Koffer auf dem Flughafen entdeckt werde. «Das ist schon ärgerlich, da wir ja oft darauf hinweisen, auch auf der Webseite des Flughafens», so die Sprecherin.

Im Falle eines Gepäckstücks ohne ersichtlichen Besitzer liege es im Ermessen der französischen Behörden, welche Massnahmen ergriffen werden. «Es wird immer situativ entschieden,» so Gaskell weiter.

Da der Euro-Airport ein vergleichsweise kleiner Flughafen sei, müssten meist ganze Hallen evakuiert werden. «Bei Flughäfen wie etwa Zürich mit deutlich grösseren Flächen werden meist nur gewisse Bereiche abgesperrt, sodass die Massnahmen auch weniger spürbar und Passagiere sowie Flugbetrieb weniger behindert werden.»

Die Besitzer der beiden Gepäckstücke müssen nun mit einer Busse von bis zu 450 Euro rechnen. Auch darauf weist der Euro-Airport auf seiner Webseite hin. Zu nützen scheint dies allerdings nicht viel.

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