Vorfasnacht

Am Zofingerconzärtli drehen sich die Pointen um Dienstwagen, Leuthard und Albaner

Justizdirektor Baschi Dürr beweist Selbstironie – seine Auftritte als Lyyche sind ein Höhepunkt.

Benjamin Rosch
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Der falsche Dürr konnte auch den richtigen begeistern: Baschi Dürr wurde als regierungsrätliche Leiche arg durch den Kakao gezogen.
Zofingerconzärtli
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Was ist der Unterschied zwischen dem Zofingerconzärtli und dem Theater in der Kaserne? In der Kaserne wird mit viel Geld eine Aufführung für ein paar Menschen im Publikum gemacht. Beim Zofingerconzärtli machen ein paar Menschen eine Aufführung für ein Publikum mit viel Geld. So oder ähnlich hätte auch eine Pointe an der Vorfasnachtsveranstaltung der Studentenverbindung Zofingia lauten können. Es ist die älteste dieser Basler Gelegenheiten, sich auf die Fasnacht einzustellen oder einzustimmen, je nach Gemütslage. Wobei: Wäre nach der Pause nicht mit der «onYva» noch eine Clique aufgetreten – vom anderswo inszenierten Fasnachtsflair wäre nicht viel übrig geblieben. Das Zofingerconzärtli lebt von und mit der Tradition. Vieles wurde «schon immer» so gemacht, was so viel bedeutet, wie dass man vergessen hat, wann etwas genau seinen Anfang nahm. So auch geschah es mit Was-ist-der-Unterschied-Witzen.

Oder dem Prolog. Traditionell wird der humoristische Teil des Conzärtli von einem einzelnen Verbindungsmitglied eröffnet, der das Jahr in Versform abhandelt und gegen rechts und links austeilt.

Drum düschlet léger d Bernasconi

will sich dr Grossrot sunscht nid lohni

no schnäll d Partei und ihri Fraktion y.

So priefe si bim Freisinn noni

Wo me gnau politisch wohni,

denn d Hauptsach sig, me stig ganz ohni

Hemmige ind Kommission y.

So klingt das dann, in präzisen, kreativen Reimen, mal geschüttelt, mal zu einer bunten Politrevue dieser Stadt gerührt. Natürlich in perfektem Baseldytsch, fast schon Dalbenesisch, geführt. Das entspricht auch dem Sinn des Publikums, den Allioths, Strahms, Burckhardts, Vischers – zahlreichen Mitgliedern der Älldeepee halt, wie hier die liberal-demokratische Partei heisst.

Mut zur Selbstironie

Diese wissen sich auch durchaus selbst träf auf die Schippe zu nehmen. Etwa, wenn Alt-Regierungsrat Christoph Eymann als Casanova karikiert wird, der nun «auch wieder mehr Zeit auf der Ruine von Falkenstein verbringt». Oder wenn neu Regierungsrat Conradin Cramer aufgrund fehlender Ecken und Kanten als grinsender Ball über die Bühne getrieben wird. Das Publikum goutiert es. Es ist vielleicht nicht gleich kritisch eingestellt wie am Drummeli, me kennt sich schliesslich.

Da sind auch noch Italiener-Witze lustig, und der Albaner mit seinem gebrochenen Deutsch, ein Gag, der inzwischen landauf und landab verbleicht. Zu den stärksten Momenten gehören die Auftritte der Lyyche – so heisst die persiflierte Prominenz in der Conzärtli-Sprache. Eine solche war auch Baschi Dürr. Der Regierungsrat wurde brillant und absolut treffend dargestellt, egal ob singend, im Zweigespann mit dem Polizeichef Gerhard Lips oder an der Seite seiner bürgerlichen Ratskollegen Lukas Engelberger und Cramer («und em Lorenz!»). Der Parodierte sass an der Premiere im Publikum und konnte herzhaft über sich selber lachen. Auch Bundesrätin Doris Leuthard und Tennis-Zampano Roger Brennwald glänzen als Persiflage, wenn sie auch ein bisschen weniger Angriffsfläche bieten als der Sicherheitsdirektor, der mit kleineren und grösseren Skandälchen die Spalten auch dieser Zeitung füllte. Oder was ist der Unterschied zwischen dem Sicherheitsdepartement und Uber? Bei Uber nutzen die Fahrer Privatfahrzeuge für den Dienst, im Sicherheitsdepartement dafür Dienstfahrzeuge privat.