Coronavirus

Am Limit: Die Spitäler in beiden Basel sind wieder im Notfallmodus

Die drei Spitäler, die auf ihren Intensivstationen Coronapatienten behandeln, sind am Anschlag. Das Basler Unispital, das Claraspital wie auch das Kantonsspital Baselland fahren die nicht dringlichen Eingriffe fast komplett zurück. Pro Woche rechnen sie mit einer Verdoppelung der Hospitalisierungen.

Aimee Baumgartner, Michael Nittnaus
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Pflichtbewusst mit Maske: Norbert Schnitzler, CEO Kantonsspital Baselland (l.) und Lukas Engelberger, Vorsteher des Basler Gesundheitsdepartements.

Pflichtbewusst mit Maske: Norbert Schnitzler, CEO Kantonsspital Baselland (l.) und Lukas Engelberger, Vorsteher des Basler Gesundheitsdepartements.

Nicole Nars-Zimmer / Roland Schmid

Wegen der Pandemie stossen die Spitäler in der Region Basel erneut an ihre Grenzen. «Wir rechnen damit, dass es deutlich mehr Hospitalisierungen geben wird als noch im Frühling», sagte der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger in der gestrigen Video-Medienkonferenz des Kantons. Aktuell befinden sich 117 Personen aufgrund ihrer Covid-19-Infektion in einem Basler Spital, 21 liegen auf der Intensivstation. Analog zur ersten Welle sind die Patienten mehrheitlich der Risikogruppe zuzurechnen, also ältere Menschen mit Vorerkrankungen.

Gleichzeitig meldete der Kanton Basel-Stadt von Mittwoch auf Donnerstag 150 Neuinfektionen – ein absoluter Rekordwert. Zwischenzeitlich hatten sich die rapid und stark angestiegenen Zahlen zwar etwas beruhigt, dennoch betonte Engelberger: «Eine Stabilisierung reicht nicht, die Zahlen müssen runter. Wir sind ein Bus mit zu vielen Passagieren, die zu schnell einen kurvigen Berg herunterfahren. Wir müssen abbremsen.»

Aus diesem Grund werde das Contact Tracing in Basel auch weiter ausgebaut, so Kantonsarzt Thomas Steffen. «Es ist wichtig, dass die Dynamik des Virus gebrochen wird.» Mit dem Contact Tracing könne weiterhin verhindert werden, dass sich noch mehr Personen mit dem Virus anstecken, die genaue Rückverfolgung sei dabei unterdessen zweitrangig geworden.

Anästhesie-Personal anderer Spitäler muss bereits aushelfen

Die Entwicklung der Fallzahlen und der Hospitalisierungen beschreibt auch der Leiter der Basler Gesundheitsversorgung, Peter Indra, als «besorgniserregend». Denn: «Erfahrungsgemäss müssten knapp ein Fünftel der bekannten Infektionsfälle in einem Spital behandelt werden.»

Werner Kübler, Direktor des Universitätsspitals Basel (USB), ist sich sicher, dass die Spitze der zweiten Welle noch nicht erreicht wurde. Man sei aber gewappnet. «Nicht dringende Operationen werden im Unispital sukzessive zurückgefahren», sagt Kübler, «so können die Intensivbetten sichergestellt und das Personal punktuell besser eingesetzt werden.» Derzeit bewege man sich auf der Schwelle von der Stufe «eingeschränkter Betrieb» zu «Notfallbetrieb» – auch im Basler Claraspital.

Eine Situation also, wie sie damals in der ersten Welle vom Bund vorgegeben wurde. Zudem würde aus Privatspitälern wie dem Bethesda oder dem Merian Iselin Anästhesie-Personal ins USB verlagert. Dies wiederum bedeutet, dass auch in diesen Klinikern planbare, nicht dringliche Operationen nach und nach heruntergefahren werden.

KSBL hat freie Intensivbetten, läuft aber schon am Limit

Das deckt sich mit der Situation im Baselbiet. Norbert Schnitzler, CEO des Kantonsspitals Baselland (KSBL), hält im Gespräch mit der bz fest: «Wir müssen wohl noch vor Ende Woche die höchste Stufe unseres Eskalationsplanes für die Intensivstation einleiten.» Dies in Absprache mit USB und Claraspital, da die drei Häuser die Belegung der Intensivbetten in der Region untereinander koordinieren. Auch das KSBL wird demnach die elektiven, nicht dringlichen Eingriffe fast auf Null zurückfahren und Anästhesisten sowie Pflegekräfte aus anderen Kliniken anfordern.

Wir müssen wohl noch vor Ende Woche die höchste Stufe unseres Eskalationsplanes für die Intensivstation einleiten.

(Quelle: Norbert Schnitzler, CEO Kantonsspital Baselland)

Dass auch das KSBL bereits am Limit läuft, überrascht. Derzeit sind 72 Coronapatienten hospitalisiert, acht davon liegen auf der Intensivstation, fünf müssen beatmet werden. Laut Schnitzler kann das Spital maximal auf 20 Intensivbetten ausbauen. Allerdings betont er: «Bereits wenn sechs Intensivbetten belegt sind, fahren wir personell am Limit. Dann müssen wir die elektiven Eingriffe reduzieren, um Ressourcen freizulegen.»

Sollten auch die 20 Plätze nicht reichen, zeichnet Schnitzler ein düsteres Bild: «Müssten wir noch weiter aufstocken, so wäre das qualitativ nicht mit demselben Standard zu schaffen und irgendwann wird es dann Kriegsmedizin.» Er persönlich glaube aber nicht, dass man in beiden Basel an die Grenzen der Intensiv-Kapazitäten von total 68 Betten stossen wird. «Vorausgesetzt natürlich, dass die Bevölkerung diszipliniert bleibt. Es gibt keinen Grund zur Entwarnung. Die zweite Welle erreicht die Spitäler erst jetzt.»