Geplanter Neubau

Abreissen oder schützen: der Konflikt um die Gebäude am Blumenrain

An zwei Gebäuden am Blumenrain zeigen sich exemplarisch die aktuellen Konflikte um Erhalt und Erneuerung.

Patrick Marcolli
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Liegenschaften aus Kriegszeiten: Die Häuser am Blumenrain 23 und 25 (Eckhaus) von 1941/42.

Liegenschaften aus Kriegszeiten: Die Häuser am Blumenrain 23 und 25 (Eckhaus) von 1941/42.

Kenneth Nars

Es waren düstere Zeiten, als Architekt Fritz Rickenbacher die Wohnhäuser am Blumenrain 23 und 25 entwarf. Mitten im Zweiten Weltkrieg war es, in den Jahren 1941/42. Sogar der legendäre Basler Arbeitsrappen wurde für den Bau von Eigentümer Emil Junker bemüht. Bedingung für die Subvention war, dass «möglichst ausgedehnte handwerkliche und künstlerische Schlosserarbeiten» durchgeführt werden und so die darbenden Basler Schlosserbetriebe unterstützt würden.

Renovation geprüft, Neubau geplant

Das alles ist Geschichte. Und düster wie die damalige Zeit muten die Bauwerke heute an: Grau und abweisend die Fassade, aber in den Details wie den Ladengeschossen sind die Künste der damaligen Schlosser erkennbar. Eigentümer ist heute Philipp Junker, Sohn von Emil. Um seine Pläne und Ideen für die Liegenschaften ist nun ein Streit entbrannt, der beispielhaft für Nutzungskonflikte zur heutigen Zeit in Basel ist.

Die Häuser am Blumenrain 23 und 25 sind laut dem Eigentümer stark sanierungsbedürftig. Der Beton sei, den Kriegszeiten geschuldet, nicht von besonders guter Qualität, die obligate Erdbebenertüchtigung und die Barrierefreiheit zu erzielen, wäre «extrem kostspielig», wie Junker sagt. Es ist auch nicht so, dass er das Haus in der Vergangenheit nicht regelmässig unterhalten hätte. Junker holte sich mit dem Architekturbüro Miller & Maranta, die unter anderem das Baloise-Hochhaus entworfen haben, prominente Fachleute an Bord: «Ich habe bewusst ein Architekturbüro ausgewählt, das bekannt ist für seinen sorgsamen Umgang mit alter Bausubstanz», sagt Junker.

Nach der Prüfung einer Renovation kamen Architekt wie Eigentümer zum Schluss, dass es ein Neubauprojekt sein soll – und gingen damit zunächst zur Stadtbildkommission. Nach einer ersten Überarbeitung wurde schliesslich ein generelles Baubegehren eingereicht.

Denkmalpflege hat sich eingeschaltet

Was gleichzeitig passierte: Die Denkmalpflege wurde auf das Gebäude aufmerksam und beschloss via dem zuständigen Denkmalrat, ein Unterschutzstellungsverfahren einzuleiten. Dies, obwohl die Häuser nicht im Inventar schützenswerter Bauten sind, quasi der Vorstufe zur bauhistorischen Heiligsprechung.

Dem Denkmalrat gehört im übrigen auch Architekt Quintus Miller an, er trat bei diesem Geschäft in Ausstand. Im November vergangenen Jahres erhielt der Eigentümer Bescheid: Zu erhalten wäre bei einer Unterschutzstellung die Strassenfassade, die Treppenhäuser und je eine der noch fast originalen 1-, 2- und 3-Zimmer-Wohnungen.

Noch läuft das Verfahren. Klar ist jedoch: Sollte die Unterschutzstellung im vollen geforderten Umfang erfolgen, wäre dies das Ende für einen Neubau. Philipp Junker ist nun daran, zusammen mit den Architekten «im Sinn der Denkmalpflege den möglichen Spielraum auszuloten» und eine Art Hybridbau ins Auge zu fassen: Fassade und Treppen erhalten, «dahinter» ein Neubau oder zumindest der bestehende, nach dem heutigen Stand der Technik erneuerte Bau. Ob die Denkmalpflege auf einen solchen Kompromiss einsteigen wird, ist offen. In Fachkreisen vermutet man, dass dies zum Präzedenzfall werden könnte und gröberen Veränderungen im bauhistorischen Erbe der Stadt Tür und Tor öffnen würde.

Mieterverband erhebt Einspruch

Die Denkmalpflege will sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht zum Fall Blumenrain 23 und 25 äussern. Sie weist jedoch darauf hin, dass die Gebäude «für die Aufnahme ins Inventar schon länger vorgesehen» gewesen seien. Zudem sei das Inventar der schützenswerten Bauten für die Grossbasler Altstadt links des Birsigs generell noch nicht abgeschlossen.

Und es tut sich noch ein weiterer Konfliktzweig auf: Eingesprochen gegen das Baubegehren hat auch der Mieterverband Basel-Stadt. Laut Co-Geschäftsleiter Beat Leuthardt, der selbst vis-à-vis am Blumenrain wohnt, sei die «im vorliegenden Fall sinnvolle – wenn überhaupt erforderliche – Sanierung im Bestand» sinnvoller als ein Mietpreistreibender und wegen der Grauen Energie umweltbelastenderer Neubau. Eigentümer Philipp Junker hofft nun bei der Unterschutzstellung auf einen Kompromiss und verspricht heute schon, dass keine Luxuswohnungen entstehen würden.