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Warum muss man ausgerechnet im Musical-Theater schwimmen?

Die Basler Regierung will im Musical Theater ein 50-Meter-Schwimmbad bauen. Ein verspäteter – und schlechter! – Aprilscherz, dachte sich nicht nur der Zürcher Konzertveranstalter André Béchir, sondern auch unser Kolumnist.

Andreas W. Schmid
Andreas W. Schmid
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Statt dem Musical Theater, wie hier visualisiert, böte sich ein anderer Standort für ein 50-Meter-Becken an: St. Jakob.

Statt dem Musical Theater, wie hier visualisiert, böte sich ein anderer Standort für ein 50-Meter-Becken an: St. Jakob.

zvg BS

17 Jahre ist es her, seit ich – damals noch in der «BaZ» – den grossen Wurf für Basel forderte. Ich fabulierte in einem Artikel, dass Basel als Ausrichterstadt für Olympische Sommerspiele durchaus in Frage käme, weil doch schon so viel an sportlicher Infrastruktur vorhanden wäre. Und jene Stadien und Wettkampfstätten, die noch fehlten, müsste man nachträglich errichten. Und dafür halt ein bisschen Geld, nämlich «ein paar Milliarden Franken», in die Hand nehmen.

Woraufhin sich ein Leser meldete und vom Chefredaktor ultimativ verlangte, dass man einen Journalisten, der einen solchen Blödsinn von sich gebe, fristlos entlassen sollte. Er blieb mit seiner Forderung allerdings ungehört – genauso wie mein Vorstoss. Die meisten dachten sich wohl, dass es sich um einen verspäteten Aprilscherz handelte. Und dass ich es nicht ganz ernst meinen würde. Was im Übrigen stimmte.

Die Basler Regierung hat kürzlich auch fabuliert. Es klang ebenfalls nach einem verspäteten Aprilscherz, war aber in diesem Fall ernst gemeint: Die Rede ist vom Musical-Theater, das einem Indoor-50-Meter-Schwimmbad weichen soll. Ich habe den Test gemacht und in einer Miniumfrage Freunde und Bekannte, Schwimmer und Nichtschwimmer ganz unverfänglich gefragt, ob sie schon davon gehört hätten. Klar hatten sie davon gehört, das Thema ist ja in aller Munde. Keine einzige Person verstand, was das soll: Die Ausdrücke für das Projekt reichten stattdessen von «gaga» bis zu «Jetzt spinnen sie endgültig!».

André Béchir, der Zürcher Konzertveranstalter, dachte auch an einen Aprilscherz, als er das erste Mal davon hörte. Er hatte im Musical-Theater schon viele Events durchgeführt. In der Schweiz gebe es nur zwei richtige Musical-Theater, eins in Zürich und dieses in Basel. Béchir fragte mich:

«Warum muss man ausgerechnet dort schwimmen gehen? Für die Kulturstadt Basel ist das ein Armutszeugnis!»

Er hoffe jedenfalls, erklärte er, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Das ist es in der Tat noch nicht. Ich gehe sogar weiter und wage die Prognose: Auch wenn zuerst noch eine Machbarkeitsstudie für 200’000 Franken erfolgen soll, so ist jetzt schon klar, dass das Projekt nicht machbar ist: baulich vielleicht schon, aber nicht, was die Akzeptanz bei der breiten Bevölkerung anbelangt.

Ich frage mich, welche alternativen Standorte für die Schwimmhalle sonst noch geprüft wurden, wenn man auf solch eine Idee kommt – vielleicht der Westflügel des Bahnhofs SBB, in den sich höchst selten mal jemand verirrt? Die weiträumige Hauptpost? Oder doch das Biozentrum, wo die aufwendig nachgebesserten Wasserleitungen gleich auch für ein Hallenbad hätten genutzt werden können?

Basel würde eine richtige Schwimmhalle mit 50-Meter-Becken gut anstehen, keine Frage. Vor bald 60 Jahren wurde sie ein erstes Mal gefordert. Und zwar dort, wo sie schon lange hingehört hätte: in die St. Jakobshalle. Auf dem Joggeli-Areal ist mittlerweile alles vorhanden, was Basel zwar nicht zu einer Olympiastadt, aber doch zu einem nationalen Sportzentrum machen könnte: Fussballstadion, St. Jakobshalle, Eissporthalle, Outdoor-Schwimmbad, Leichtathletikstadion, Beachvolley- und Beachsoccerfelder, 20 Fussballfelder mit Natur- oder Kunstrasen und noch vieles mehr.

Seit neuestem ist hier auch noch das Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit untergebracht. Fehlt nur noch eine richtige Schwimmhalle mit 50-Meter-Becken, um die Brüglinger Ebene als eigentlichen Sportcluster zu komplettieren.

Diesen könnte man durch Hotels und eine ansprechende Gastronomie ergänzen, damit die Sportbegeisterten für ihre Trainingslager eine Alternative zu den Sport-Hotspots Magglingen und Tenero hätten. Parkplätze wären auch genug vorhanden. Die Anbindung durch den ÖV ist ebenfalls gut; vielleicht liesse sich gar wieder eine Monorail-Hochbahn errichten, so wie damals während der Grün 80, als sie das ganze Areal erschloss. Aber dafür müsste man sich einmal mehr mit dem Kanton Baselland kurzschliessen und sich über die Kosten einigen; es gibt Einfacheres.

Basel würde dieser grosse Wurf guttun. Für Olympia kann man sich dann immer noch bewerben.