Ein-Blick
Abenteuer in einer fernen Galaxis: Ausserkörperliche Erfahrung im Virtual Reality Center Basel

In der Rubrik «Ein-Blick» gewährt die «Schweiz am Wochenende» den Lesern Einblick in die Mikrokosmen unserer Gesellschaft. Die Redaktoren beleuchten lustige Vereine, angefressene Sammler oder abgedrehte Nerds. Natürlich kann sich melden, wer sich angesprochen fühlt.

Benjamin Rosch
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Virtual Reality
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... zu einem Abenteuer in einer fernen Galaxie.
Für eine halbe Stunde können Spieler im Virtual Reality-Center Basel mit einer Gamefigur verschmelzen.
Wer sich mit einer Fackel in der Hand zwischen den Ruinen einer Tempelanlage bewegt, vergisst schnell, dass der zurückgelassene Körper wohl ziemlich lächerlich aussehen muss.
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Virtual Reality

Kenneth Nars

Der Kopf des Redaktionskollegen schwebt seitlich im Raum. Der dazugehörende Rumpf und die Gliedmassen sind noch nicht kalibriert. Bald hat er eine Rüstung, es ist jene von Master Chief John aus der Videospiel-Serie «Halo». Die beiden Spielfiguren treten durch den schwarzen Vorhang, den man zuvor im spärlich eingerichteten Zimmer erspähen konnte. Hinter dem Vorhang liegt eine Welt, wie sie Indiana Jones kennen könnte. Das Dach der Industriehalle ist einem verregneten Nachthimmel gewichen, Blitze erhellen die Tempelanlage, die den Spieler komplett umgibt. Die virtuelle Realität hat übernommen.

Für eine halbe Stunde können Spieler im Virtual Reality-Center Basel (VR-Basel) mit einer Gamefigur verschmelzen. Kein Joystick steht zwischen den Bewegungen der Figur und dem eigenen Körper, die Distanz zwischen den Augen und dem Bildschirm ist aufgehoben. Wer sich mit einer Fackel in der Hand zwischen den Ruinen einer Tempelanlage bewegt, vergisst schnell, dass der zurückgelassene Körper wohl ziemlich lächerlich aussehen muss. Wie eine verdrahtete Mischung zwischen einem Igel und einer Schildkröte.

Im Vorzimmer zur Spielwelt liegen mehrere Kleidungsstücke bereit, welche die Brücke schlagen zwischen Wahrheit und Simulation. Die Füsse werden mit etwas erfasst, das sich am besten als Überschuhe beschreiben lässt. Die Hände stecken in Fingerhandschuhen und auf den Rücken ist eine grosse Platte geschnallt. Auf Hand- und Fussteilen befinden sich dabei seltsam anmutende Stäbe, die in kleinen Bällen enden. Es sind die Anhaltspunkte für den Computer. Abgeschlossen wird die Ausrüstung mit einem Brillenhelm, der den Träger einzig die Virtualität wahrnehmen lässt. Auf den Ohren sitzen Lautsprecher, verbunden mit dem Spielpartner.

Natürlich muckt der kritische Geist auf, wenn die Unebenheiten des Bodens nicht spürbar sind. Wenn die Fäden der Spinnen von der Decke etwa Fingerdicke aufweisen. Und wenn Wände keinen Halt bieten. Doch Spiele verlangen immer den Verzicht auf abschliessende Logik – es macht sich ja auch keine Steuersorgen, wer im Monopoly die Zürcher Bahnhofstrasse kauft.

Sich im Spiel zu vergessen, fällt im VR-Center besonders leicht. Die beiden Master Chiefs befinden sich auf der Suche nach einem Schatz und müssen von einem Raum in den nächsten gelangen. Die Täuschung reicht sogar, um Höhenangst hervorzurufen. Auf einer Säule auf den Mitspieler wartend, links und rechts geht’s in die Tiefe – da zittern die Knie, auch ohne jede Gefahr zu fallen. «Dafür sorgt eine ausgeklügelte Technik», erklärt Pascal Schär.

Er schaltet sich über die Kopfhörer auch als Spielleiter ein und hilft mit einem Tipp, wenn die Spieler bei einem der auftauchenden Rätsel nicht mehr weiterwissen. Filmen ist verboten und Journalisten müssen vor dem Test einen Geheimhaltungsvertrag unterzeichnen. «Virtual Reality ist ein spannendes Geschäftsfeld. Hier in Basel befinden wir uns auf dem höchsten technischen Stand», sagt Schär. Der Aufwand ist riesig: Für das Abenteuer arbeiten Server mit einer Leistung von 30 durchschnittlichen Bürocomputern.

Gut ausgelastet

Seit Ende Oktober besteht das Angebot auf dem Industrieareal des ehemaligen Kraftwerks an der Lehenmattstrasse 353. «Wir sind zufrieden mit der bisherigen Auslastung», sagt der zweite Geschäftsführer, Joerg Hauri. Von Mittwoch bis Sonntag strömen viele Jugendliche, aber auch ganze Abteilungen von Firmen in die Halle der beiden Tüftler. Die meisten verliessen die digitale Spielhalle begeistert. Wer nicht den ganzen Körper einsetzen will, kann auch im Sitzen virtuelle Welten erkunden. Am Steuer eines Rennwagens etwa. Möglich ist auch Bowling, Fussball oder Tontaubenschiessen.

Günstig ist es nicht: zehn Minuten kosten schnell neun Franken. Noch teurer ist das «Full Body Experience». Der Preis für eine halbe Stunde Master Chief beträgt 42 Franken pro Person – was schnell wieder auf den Boden der Tatsachen holt.

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