Anti-AKW-Bewegung

2000 Personen demonstrierten gegen AKW Fessenheim

Auf der Dreiländerbrücke verlangten gestern Mittag rund 2000 Atomkraftgegner aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz die Stilllegung des AKW Fessenheim. Die Schweizer Atomlobby wurde heftig kritisiert.

Rolf Zenklusen
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2000 Personen an Anti-AKW-Demo in Basel

Auf der Dreiländerbrücke verlangten gestern Mittag rund 2000 Atomkraftgegner aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz die Stilllegung des AKW Fessenheim. Die Schweizer Atomlobby wurde heftig kritisiert.

Die Dreiländerbrücke gehörte gestern Mittag für eine gute Stunde den AKW-Gegnern. Friedlich schwangen sie ihre rotgelben Fahnen mit der Aufschrift «Atomkraft - nein danke!» und genossen die sommerlichen Temperaturen. Oder sie hielten Transparente in die Höhe mit Botschaften wie «Adieu Fessenheim». Begonnen hatte die Demo um fünf nach zwölf Uhr auf der Hüninger Seite der Brücke. Diese Zeit sei nicht zufällig gewählt, erklärten die Organisatoren: «Das altersschwache Atomkraftwerk Fessenheim bedroht unsere Region unmittelbar.» Ein unabhängiges Gutachten von französischen Experten habe gravierende Mängel festgestellt, so zum Beispiel Ermüdungserscheinungen beim Stahl des Reaktormantels. In den letzten zehn Jahren habe es in Fessenheim 240 Zwischenfälle gegeben, den letzten am 4. April.

Eingeläutet hatte die Demo das «Sicherheitsorchester» des früheren Basler SP-Nationalrats Rudolf Rechsteiner. Danach ergriff Guy Morin, Stadtpräsident von Basel, das Wort. «Die Verfassung von Basel-Stadt verpflichtet mich, hier zu reden», sagte Morin unter tosendem Applaus. Getreu der Basler Verfassung würden die IWB nur atomfreien Strom verkaufen: «Wenn der politische Wille da ist, ist eine Zukunft ohne AKW möglich.»

Stromverbrauch in Basel-Stadt gesunken

Das zeige sich an der Tatsache, dass in Basel-Stadt letztes Jahr der Stromverbrauch um ein Prozent sank, während er in der restlichen Schweiz angestiegen ist. Morin kritisierte die Stadtbildkommission, die sich gegen eine Verkleidung der Fassade des Lonza-Hochhauses mit Solarpaneln wehrt. «Solarpanel müssen die Zukunft unseres Stadtbildes bestimmen», meinte Morin.
Rudolf Rechsteiner geisselte die Atomlobby mit scharfen Worten. Der Wirtschaftsdachverband economiesuisse unter Präsident Gerold Bührer sei eine «Korruptions-Equipe». Bürgerliche Politiker wie Bührer bekämen von der Atomlobby bis zu 50 000 Franken, damit sie sich für AKW einsetzen. Wohl deshalb habe Bührer letzte Woche eine Millionenkampagne für ein neues AKW angekündigt.
«Wir hatten sieben Mal eine Kernschmelze, das genügt», rief Rechsteiner den Demonstranten zu. Auf der Welt gebe es 442 Reaktoren - verteilt auf 30 Länder. Die Chande, dass ein Reaktor explodiere, liege bei 1,6 Prozent. Bevor wieder etwas passiere, müssten Fessenheim, Mühleberg und Beznau sofort stillgelegt werden; die restlichen Schweizer AKW in spätestens zehn Jahren. «Chefs von AKW, die in die Luft fliegen, gehören fünf bis 20 Jahre hinter Gitter» - je nach Schwere des Falles, verlangte Rechsteiner.

«Die Kernkraft ist eine Illusion der Zukunft», ergänzte Cléo Schweizer, Mitglied im elsässischen Regionalrat und im Gemeinderat von Mulhouse. Fessenheim solle sofort vom Netz gehen, forderte die Sozialistin. Ihre Partei habe einen Atomausstieg Frankreichs bis in 30 Jahren verlangt.

Das Stelldichein der trinationalen Anti-AKW-Bewegung hatte über 2000 Personen angelockt. Nur aus Frankreich hätte man sich mehr Demonstranten gewünscht, wie verschiedentlich erklärt wurde.
Abgeschlossen wurde die Demo auf der deutschen Seite der Dreiländerbrücke - in Weil am Rhein - mit einem Lied des Basler Atomkraftgegners Aernschd Born und mit einem gemeinsamen Eiertütschen. «Damit zeigen wir, dass Schalen zerbrechlich sind», erklärte Jan Schudel, Vorstandsmitglied beim Jungen Grünen Bündnis Nordwest und Mitorganisator der Aktion. «Auch Reaktorschalen sind zerbrechlich - bei grossen Naturkatastrophen oder einer Verkettung unglücklicher Ereignisse.»