VW Taigo
Die Demokratisierung des SUV-Coupés

SUV-Coupés waren lange in der höheren Preisklasse zu Hause, jetzt kommt der VW Taigo und bringt das Konzept in bezahlbare Sphären.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
Drucken
Kommt noch im Dezember zu den Händlern: Der VW Taigo.

Kommt noch im Dezember zu den Händlern: Der VW Taigo.

Bild: zVg

Die Produktstrategen der Automobilhersteller sprechen gelegentlich von einer Demokratisierung. Immer dann, wenn technische Lösungen oder angenehme Zusatzausstattungen einer breiteren Masse zugänglich werden, also für einen günstigeren Preis zu haben sind. Denn meist sind neue Technologien zunächst teuer und kommen entsprechend nur in Oberklasse-Fahrzeugen jenseits der 100 000 Franken zum Einsatz. Beispiele dafür gibt es viele, das Matrix-Fernlicht, das gezielt einzelne Bereiche ausblenden kann, das Navigationssystem oder sogar die Klimaanlage. Ausstattungen, die ihre Anfänge in der Luxusklasse hatten – und heute schon in der Kompaktklasse selbstverständlich sind oder zumindest gegen Aufpreis geordert werden können. Auch die Idee des SUV-Coupés wurde zuerst in der oberen Preisliga lanciert. Ob es sich bei dieser Karosserieform tatsächlich um eine sinnvolle Innovation handelt, sei dahingestellt. Fest steht jedoch: Die Mischform aus Coupé und Geländewagen im weiteren Sinne kam äusserst gut an, verkauft sich weiterhin prächtig und gefällt offensichtlich auch vielen, die sich nicht ins Hochpreissegment einkaufen können oder wollen. So machte es für die Hersteller also Sinn, das SUV-Coupé nach und nach zu «demokratisieren» und auch in kleinerem Massstab zu geringerem Preis anzubieten – was zum VW Taigo führte, dem ersten SUV-Coupé der Marke. Zwar gibt es inzwischen mit dem ID.5 auch ein SUV-Coupé mit E-Antrieb, doch der Taigo ist nur hierzulande richtig neu. In Brasilien, wo das kleine SUV-Coupé auch entwickelt wurde, ist der Wagen schon seit Mitte 2020 als VW Nivus erhältlich. Nun wurde er für den europäischen Markt angepasst, unter anderem mit einem leicht verkürzten Radstand. Trotzdem ist der Taigo mit 4,27 Metern Länge rund 20 Zentimeter länger als ein VW Polo, mit dem er sich die Plattform teilt. Er überragt sogar das kompakte SUV T-Cross um rund vier Zentimeter, sogar der VW T-Roc, der in einer etwas höheren Preisklasse spielt und im Gegensatz zu Taigo und T-Cross auch mit Allrad zu haben ist, baut nicht länger.

Aus bekannten Zutaten konstruiert

Bei der Technik unter dem Blech gibt es, wie bei VW üblich, keine grossen Überraschungen. Auch der Taigo bedient sich aus dem Konzernbaukasten. Unter der Haube kommen ausschliesslich Benzinmotoren zum Einsatz. Diesel sind in der tieferen Preisklasse aufgrund der geringen Nachfrage und der aufwendigen und damit teuren Abgasreinigung kaum mehr rentabel zu realisieren – und für einen komplexen elektrifizierten Antrieb ist hier ebenfalls kein Budget vorhanden. Also setzt VW auf Bewährtes: Der 1,0-Liter-Dreizylinder mit Turboaufladung ist mit 95 oder 110 PS zu haben, wobei in der schwächeren Version immer über ein manuelles Fünfganggetriebe geschaltet wird. In der 110-PS-Version kann man sich zwischen einer 6-Gang-Handschaltung und einer DSG-Automatik mit sieben Gängen entscheiden.

In Verbindung mit der stärksten Motorisierung ist diese immer verbaut. Die Top-Variante bekommt den bekannten Vierzylinder mit 1,5 Litern Hubraum und 150 PS. Damit wirkt der nur knapp 1,3 Tonnen schwere Wagen absolut ausreichend motorisiert. Der Motor erfreut mit guter Laufruhe, nur beim Anfahren ist gelegentlich eine leichte Verzögerung spürbar, was jedoch eher auf das Konto des Doppelkupplungsgetriebes geht, welches während der Fahrt aber angenehm unauffällig seinen Dienst verrichtet.

Cockpit mit digitalen Instrumenten.

Cockpit mit digitalen Instrumenten.

Bild: zVg

Im Innenraum wirkt der Taigo, obwohl es sich um ein neues Modell handelt, sehr vertraut. Denn auch hier werden bekannte Zutaten verbaut. Das übersichtlich gestaltete Tacho-Display mit 10,25 Zoll Bildschirmdiagonale kostet Aufpreis, serienmässig gibt es eine Acht-Zoll-Variante. Auch das grössere Touchscreen-Infotainmentsystem mit 9,2-Zoll-Monitor ist ein Extra gegen Aufpreis. Dass es sich hierbei nicht um die neueste Technikgeneration aus dem Konzernbaukasten handelt, muss nicht zwingend als Nachteil gesehen werden. Denn während die neuere Variante, wie sie zum Beispiel im aktuellen VW Golf zum Einsatz kommt, noch mit Software-Schwierigkeiten zu kämpfen hat, wirkt der Vorgänger auch im Taigo durchaus ausgereift, durchdacht und leicht zu bedienen. Das Smartphone kann zudem über Apple CarPlay und Android Auto mit eingebunden werden, sodass ohnehin alle benötigten Funktionen problemlos und aktuell ins Auto kommen.

Beim Platzangebot macht sich die nach hinten abfallende Dachlinie natürlich etwas bemerkbar – vor allem beim Einstieg in die zweite Reihe. Das Platzangebot ist für ein Auto in dieser Grössenklasse aber trotzdem mehr als ausreichend – und das gilt auch für den Kofferraum. Solange man keine grossen, sperrigen Gegenstände transportiert, nimmt man auch hier keine grossen Nachteile aufgrund der Karosserieform in Kauf. Was nicht zuletzt auch für den Preis gilt: ab 26 700 Franken.

VW Taigo.

VW Taigo.

Bild: zVg
0 Kommentare

Aktuelle Nachrichten