Unterwegs im E-Auto
Das Netz wird dichter

Die grösste Angst beim Wechsel auf ein E-Auto: Mit leerem Akku stehen zu bleiben. Bis das passiert, muss aber einiges schiefgehen.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Audi e-tron GT: 487 km Reichweite, ab 111 550 Franken.

Audi e-tron GT: 487 km Reichweite, ab 111 550 Franken.

Bild: zVg

Es traf sich gut: Ich hatte einen Termin in Genf und vor meiner Tür stand der neue Audi e-tron GT als Testwagen. Eine per­fekte Strecke, um den Stromer da zu testen, wo E-Autos noch am meisten Skepsis ernten: auf einer längeren Autobahnstrecke. Erst recht interessant wird es, wenn der Akku bei der Abfahrt nicht ganz geladen ist, wie es an diesem Morgen der Fall war. Ein Ladestopp wird also ­nötig sein – zwar würde der Strom ziemlich genau bis zum Ziel reichen, doch von da will ich ja später auch wieder weiterkommen. Kurz vor Lausanne steuere ich also eine Raststätte mit Schnelllademöglichkeit an. Auf dem Gelände sehe ich zwei Stationen – und fahre zur näher bei einem Café gelegenen. Leider sind die beiden Stationen von unterschiedlichen Anbietern; die von mir angesteuerte ist eine von wenigen, die mit der zum Audi gehörenden Karte nicht freigeschaltet werden kann – die andere wird soeben von einem anderen E-Auto ­angefahren. Kein Problem, schliesslich ist noch Strom im Akku. Das Navi zeigt in der Umgebung zahlreiche Schnellladestationen an. Ich entscheide mich für ein nahe gelegenes ­Hotel, um während der Pause einen guten Kaffee zu kriegen; laut Navi ist einer der beiden Plätze dort gerade frei. Was das Navi nicht wusste: Trotz einiger freier Parkplätze war der eigentlich freie Ladeplatz von einem Familienvan mit Dieselantrieb zugeparkt. Ein Problem, das man als E-Auto-Fahrer leider ab und zu antrifft. Daher sei an ­dieser Stelle nochmals erwähnt: Wer nicht lädt, parkiert nicht an einer ­E-Auto-Ladestation! Doch auch das war noch kein Grund zur Verzweiflung: Die Infrastruktur an Schnellladestationen muss zwar mit der immer grösser werdenden Zahl an ­E-Autos mitwachsen, ist aber heute schon sehr dicht ausgebaut. Ein paar Kilometer weiter kann der Audi schliesslich mit vollen 270 kW Ladeleistung Strom tanken – und seinen Akku in 20 Minuten von 15 auf 80% aufladen. Es gibt also hier und da noch kleinere Hürden zu bewältigen, nicht nur technischer ­Natur, wie diese Erfahrung zeigt, doch: Strom findet man mit einem ­E-Auto eigentlich immer. Wer stehen bleibt, hat vermutlich auf das letzte Prozent Batteriespannung gewettet.

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