Tesla Model Y
Plötzlich nicht mehr alleine

Das Model Y von Tesla kommt nach Europa – und findet in seinem Segment bereits einige Konkurrenten vor. Ein erster Test.

Philipp Aeberli
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Auf Langstrecken überzeugt das Tesla Model Y mit hoher Reichweite, sehr guter Navigation und konkurrenzlos guter Lade-Infrastruktur.

Auf Langstrecken überzeugt das Tesla Model Y mit hoher Reichweite, sehr guter Navigation und konkurrenzlos guter Lade-Infrastruktur.

Bild: Aeberli

Diese Rolle ist für Tesla ungewohnt: denn das neue Model Y ist nicht das erste Mittelklasse-SUV mit reinem E-Antrieb. Damit ist der Tesla erstmals nicht etwa Begründer dieses Segments und damit von Anfang an das Auto, an dem sich alle anderen messen müssen – sondern muss sich schon von Anfang an Konkurrenten wie dem ID.4 von VW und dessen Schwestermodellen Skoda Enyaq und Audi Q4 e-tron oder auch hochpreisigeren Modellen, wie zum Beispiel dem Mercedes EQC oder dem BMW iX3, stellen.

Trotz veränderten Marktvoraussetzungen, zumindest in Europa, bleibt sich Tesla mit dem Model Y treu – das neue SUV ordnet sich auf den ersten Blick in die Modellfamilie des kalifornischen Herstellers ein. Auffallend sind vor allem die fast komplett verschlossene Front und das flache Heck – womit das Model Y schon fast als SUV-Coupé bezeichnet werden müsste. Beide Auffälligkeiten deuten auf eine der wichtigsten Stärken der Tesla-Modelle hin: die Aerodynamik. Als Kennzahl wird hier der Luftwiderstandsbeiwert (cW) genannt, je tiefer er ist, desto strömungsgünstiger ist ein Auto geformt.

Das Model Y kommt auf cW 0,23. Zum Vergleich: Ein VW ID.3 hat einen cW-Wert von 0,28. Das sorgt für weniger Verbrauch und damit mehr Reichweite – vor allem da, wo man auf eine hohe Reichweite angewiesen ist: auf der Autobahn.

Der bei vielen E-Autos zu beobachtende, starke Verbrauchsanstieg bei Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h fällt beim Model Y weit weniger drastisch aus.

Für den ersten Test musste sich das elektrische SUV gewissermassen im Vertreteralltag bewähren; Termine in Stuttgart und München standen im Kalender. Trotz vielen Kilometern auf deutschen Autobahnen zeigte der Bordcomputer nach einer Woche und fast 1000 Kilometern einen Durchschnitt von 17,9 kWh/100 km. Mit einer vollen Akkuladung (75 kWh) wären rechnerisch also 419 Kilometer möglich – wobei man das Auto im Alltag aber nie ganz voll lädt oder ganz leer fährt.

Das ist sehr beeindruckend, weil der Stromer keinesfalls im Kriechgang bewegt wurde. Auf der Autobahn lag das Tempo – wo erlaubt und möglich – meist bei 130 bis 180 km/h! Bei Schweizer Autobahntempo sinkt der Verbrauch schliesslich auf rund 15 kWh/100 km, bei Überlandfahrten sind auch 13 möglich – was einer theoretischen Reichweite von 577 km entspricht.

Ladepause: 15 bis 30 Minuten Pause reichen aus.

Ladepause: 15 bis 30 Minuten Pause reichen aus.

Bild: Aeberli

Die Strecken von Aarau nach Stuttgart oder von München nach Aarau wären also mit einer Akkuladung möglich – doch will der vorausschauende E-Autofahrer lieber mit halb vollem als mit fast leerem Akku ankommen – wofür ein Stopp von 15 bis 30 Minuten am Tesla-Supercharger ausreicht. Die maximale Ladeleistung von 250 kW wird allerdings nur kurz bei tiefem Ladezustand gehalten, nimmt die Geschwindigkeit kontinuierlich ab. Trotzdem lädt das Model Y schlussendlich nicht langsamer als die Konkurrenz – der geringe Verbrauch hilft auch hier.

Das hauseigene Netzwerk an Schnellladestationen ist ein weiterer wichtiger Punkt, weshalb Tesla mit dem Model Y trotz erstarkter Konkurrenz weiterhin ganz vorne mitfährt.

An mehr als 600 Standorten in Europa stehen mehr als 6100 Ladepunkte bereit – man kommt also wahrlich überall hin. Das Ionity-Ladenetzwerk, ein Gemeinschaftsprojekt von VW-Konzern, Daimler AG, BMW Group, Ford und Hyundai, kommt derzeit auf 377 Stationen – die mit einem Tesla ebenfalls genutzt werden können.

Damit ist man beim Laden auf langen Strecken deutlich flexibler. Zudem funktioniert auch im Model Y die Routenplanung mit Einbezug von Ladestopps vorbildlich problemlos und präzise. Kurzum: Wenn es um problemloses Reisen mit einem E-Auto geht, ist auch das Model Y der Massstab in seiner Klasse.

Straff, aber handlich und leise

Abgesehen von Reichweite und Aufladen punktet der Kalifornier mit viel Platz und grosszügigem Raumgefühl – das Glasdach ist serienmässig – auf allen Plätzen. Der Kofferraum fasst 600 Liter – oder gar 1900 bei umgeklappter Rückbank. Leider gibt es kein Rollo, mit dem sich der Gepäckraum vor Blicken von aussen schützen lässt – dafür aber eine grosse Mulde unter dem Kofferraumboden und 80 Liter Stauraum unter der vorderen Haube.

Typisch Tesla: Minimalistisches Cockpit.

Typisch Tesla: Minimalistisches Cockpit.

Bild: zVg

Das Cockpit wird dominiert vom mittigen 15-Zoll-Touchscreen – die einzige Anzeige und Bedieneinheit im Auto. Daran gewöhnt man sich rasch, zumal der Touchscreen übersichtlich gestaltet ist und schnell reagiert.

Schnell reagiert auch die sehr direkte Lenkung, die das SUV zusammen mit dem straffen Fahrwerk handlich wirken lässt. Gerade bei Stadttempo fehlt es dafür etwas an Federungskomfort. Dank Doppelverglasung an den vorderen Seitenscheiben bleibt es aber angenehm ruhig im Auto – vom kräftigen und agilen Antrieb ist ohnehin fast nichts zu hören.

Gemessen am Gebotenen, ist auch der Grundpreis von 62 000 Franken sehr fair.

Tesla Model Y Long Range

Motor: 2× E-Maschine

Leistung: 345 PS

Antrieb: Aut. 1-Gang, 4×4

L×B×H: 4751×1921×1624 mm

Kofferraum: 600–2100 l

Gewicht: 2003 kg

0–100 km/h: 5,0 Sek.

Vmax: 217 km/h

Reichweite WLTP: 507 km

Preis: ab 62 000 Franken

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