Stiller Alltagsheld

Der Audi RS4 geniesst Kultstatus: Im Test zeigt die neueste Auflage, dass ein sportlicher Kombi nach wie vor überzeugen kann.

Philipp Aeberli
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Audi RS4

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Bild: HO

SUV-Trend hin oder her: Der Audi RS4 Avant wird weiterhin gerne als Traum für Familienväter betitelt. Für einen Ausflug ins Gelände ist er mangels Bodenfreiheit zwar nicht gerüstet, ansonsten gibt er sich im Test aber als veritabler Alleskönner. Er erweist sich dank 505 bis 1495 Litern Kofferraumvolumen als talentierter Umzugshelfer, dank fünf Sitzplätzen als Personentransporter – und ist dank Allradantrieb auch bei strömendem Regen spurstabil und sicher unterwegs.

Vor allem aber gibt sich der Sportkombi als überraschend gediegener Reisewagen. In Zeiten von Corona ist das Auto auch für lange Strecken das Fortbewegungsmittel der Wahl; so standen im Testzeitraum gleich zwei lange Fahrten nach Deutschland an – wo der RS4 sein volles Talent aufblitzen lassen konnte.

Auf den Autobahnen ohne Tempolimit wären 280 km/h möglich – vor allem aber ist es das Wissen um die Leistungsreserven, was für entspanntes Reisen sorgt. Der 2,9-Liter-V6 mit doppelter Turboaufladung ist nämlich kein nervöses Sporttriebwerk, sondern ein souveräner Arbeiter. Er schüttelt seine 450 PS und 600 Nm ohne unnötiges Theater aus dem Ärmel und schiebt den Kombi gelassen, aber kräftig an. Das verleitet nicht zu Tempo-Exzessen, macht das Reisen aber erhaben.

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Hinzu kommen die trotz 20-Zoll-Sporträder komfortable Fahrwerksabstimmung, die gute Geräuschisolierung und angenehme Extras wie das starke B&O-Audiosystem, die lichtstarken Matrix-LED-Scheinwerfer und die serienmässigen Massagesitze. Der Verbrauch steigt auch bei zügiger Fahrt kaum über 10 l/100 km; im Schweizer Strassenalltag fuhr der RS4 mit einem Schnitt von 8,8 l/100 km – immerhin 0,4 Liter unter der Werksangabe. Gemessen an den Fahreigenschaften und Alltagstalenten des Sportkombis ist das angemessen, wenn auch nicht sensationell.

Das selbe gilt für den Preis: Der Audi RS4 Avant kostet ab 102900 Franken; durch die Audi-typisch lange Aufpreisliste schnell auch deutlich mehr. Wer die sportliche Seite des Kombis regelmässig auskosten möchte, sollte auf jeden Fall nochmals 8320 Franken für die verstärkte Keramik-Bremsanlage budgetieren. Aber: Ein günstiges Vergnügen war der RS4 noch nie.