Die Frontleuchten sollen an einen Puma erinnern: Der kleine Ford will ein emotionales Auto sein.
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Die markanten Radhäuser und die nach hinten abfallende Dachlinie unterstreichen den sportlichen Eindruck des Puma.
Das digitale Cockpit mit hübscher Grafik zählt zu den Highlights des Klein-SUVs.
Auch das Thema Fahrspass beherrscht der Puma für einen Crossover ausserordentlich gut: er lenkt direkt und präzise ein und fährt sich sehr agil.

Die Frontleuchten sollen an einen Puma erinnern: Der kleine Ford will ein emotionales Auto sein.

HO

Kann denn Vernunft Sünde sein?

Ford lanciert den Puma, ein Crossover auf Basis des Fiesta. Ein überzeugendes Auto, das Fragen am Gesetz aufwirft.

Philipp Aeberli
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Autos verkaufen sich über Emotionen. So soll auch der Ford Puma ein emotionales Auto sein. Als die ersten Design-Entwürfe potenziellen Kunden gezeigt wurden, habe sich eine Dame spontan an einen Puma aus dem Tierreich erinnert, erzählt Designer Thomas Morel. „Die hoch oben montierten Frontleuchten verleihen dem Auto Ausdruck; wir konnten zudem die Lichtsignatur des Ford GT integrieren.“ Auch die Anleihen an den Supersportwagen aus dem eigenen Hause soll dafür sorgen, dass der Puma ein Auto ist, das Lebensfreude versprüht. Die markanten Radhäuser und die nach hinten abfallende Dachlinie unterstreichen diesen Eindruck.

Doch im Herzen ist der neue Crossover ein durch und durch vernünftiges Auto. Er bietet erstaunlich viel Platz, sowohl auf den vorderen Sitzplätzen als auch auf der Rückbank und vor allem im Kofferraum. Der fasst 456 Liter, satte 164 Liter mehr als der Ford Fiesta, welcher auf derselben Bodengruppe aufbaut. Ergänzt wird das reine Platzangebot durch clevere Details. So ist unter der Ladebodenverkleidung eine tiefe Mulde verbaut. In dieser „Megabox“, wie sie Ford nennt, finden rund 80 Liter Gepäck Platz. Die Mulde verfügt am Boden über einen Abfluss und kann dadurch bequem ausgespült werden, wenn man mal schmutzige Wanderschuhe oder ähnliches transportiert. Zudem ermöglicht die tiefe Mulde auch das Mitnehmen hoher Gegenstände; ein Golfball kann problemlos im Kofferraum aufgestellt werden.

Clever sind auch die abnehmbaren Sitzbezüge, die man in der Waschmaschine waschen kann.

Rundum abgesichert

Zwölf Ultraschallsensoren, drei Radarsysteme und zwei Kameras haben das Umfeld des kompakten Crossovers fest im Blick. So kann Ford zum ersten Mal eine Rückfahrkamera mit „Split-View“-Technologie anbieten, wodurch man den Bereich hinter dem Auto weitwinklig im Blick hat. Zudem sind sämtliche Technologien, die man in einem modernen Auto erwartet, verfügbar. Vom Notbremsassistenten über einen Totwinkelwarner bis hin zu adaptivem Temporalen und Spurhaltehilfe. Neu ist die Cloud-basierte Gefahrenwarnung. So kann der Puma den Fahrer vor Gefahren warnen, noch bevor sie von Auge erkennbar sind. Gefahrenmeldungen können markenübergreifend abgesetzt oder empfangen werden. Sobald beispielsweise der Warnblinker aktiviert wird, der Notbremsassistent eingreifen muss oder gar die Airbags ausgelöst wurden, setzt das Auto ein Warnsignal ab, das von anderen Verkehrsteilnehmern in der Nähe empfangen wird und den Fahrer entsprechend vorwarnen kann.

Zu den digitalen Highlights im Klein-SUV zählen auch das digitale Cockpit mit hübscher Grafik, und die vier Fahrmodi, welche den Fronttriebler auf allerlei Fahrsituationen einstellen. Vom Trail-Mode für leichtes Gelände über den Sport-Modus bis hin zum Eco-Modus für besonders sparsames Fahren. Ein Versuch, den immer schwieriger werdenden Spagat zwischen emotionalem Fahrspass und möglichst tiefem CO2-Ausstoss hinzukriegen.

Typisch Ford

Das Thema Fahrspass beherrscht der Puma für einen Crossover ausserordentlich gut. Die erhöhte Sitzposition führt nicht dazu, dass sich der Kleine in irgendeiner Form schwammig oder wackelig anfühlt. Er lenkt direkt und präzise ein, hält sicher die Spur und wirkt angenehm agil. Das ist angesichts der Fiesta-Basis keine Überraschung. Auch dass es der Puma schafft, trotz sportlichen Handlings einen guten Federungskomfort zu bieten, ist schon fast selbstverständlich für einen Ford.

Typisch Ford ist inzwischen auch der Dreizylinder-Motor; hier zählt die Marke mit dem blauen Oval zu den Pionieren. Im Puma leistet der 1.0-Liter-Motor 125 oder 155 PS und kann mit Mild-Hybrid-Unterstützung geordert werden; bei der stärkeren Variante ist diese serienmässig.

So wirkt der Motor quirlig, drehfreudig und ausreichend kräftig.

Schon unvernünftig?

Doch wirft der Antrieb beim Puma schlussendlich auch Fragen auf. Denn trotz leichter Elektrifizierung durch das 48-Volt-Mild-Hybrid-System ist der knapp 4,20 Meter kurze und 1280 kg leichte Crossover mit einem Normverbrauch von 5,4 l/100 km laut WLTP und entsprechendem CO2-Ausstoss von 124 Gramm pro Kilometer laut Gesetz bereits ein Klima-Sünder; den geforderten Durchschnittswert von 95 Gramm pro Kilometer übertrifft er deutlich. Höchstens der später folgende 1,5-Liter-Diesel dürfte unter diesem Wert liegen.

Ansonsten lassen sich die strengen Normen ohne aufwendige Plug-in-Hybrid, Vollhybrid oder E-Antriebstechnik kaum mehr einhalten. Für das Kompaktsegment sind diese aber meist zu teuer - der Ford Puma startet bei 25 900 Franken, was keinen grossen Spielraum für derart teure Technik lässt.

Auf der anderen Seite sehen wir ein wachsendes Angebot an grossen SUV mit Plug-in-Hybrid-Antrieb, wie zum Beispiel den grossen Ford Explorer. Mit einem Grundpreis von 86 900 Franken können sich die Ingenieure mehr teure Technik leisten, auf einer Länge von 5,05 Metern lassen sich auch grössere Akkus gut unterbringen. So kommt der grosse SUV auf einen Co2-Ausstoss von 72 Gramm laut Normmessung. Das also solche grossen Modelle derzeit eher gefördert werden, während sich kleinere, vernünftige Modelle für die Hersteller immer weniger rechnen, ist am Ende kein Verschulden der Industrie, sondern liegt viel eher an den Vorgaben der Politik.