Lexus NX
Einen Schritt weiter

Mit dem neuen NX kommt der erste Plug-in-Hybrid von Lexus auf die Strasse. Er überzeugt mit viel Komfort und hoher Qualität.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Das Design mit grossem Kühlergrill bleibt auch bei der zweiten Generation des NX typisch Lexus.

Das Design mit grossem Kühlergrill bleibt auch bei der zweiten Generation des NX typisch Lexus.

Bild: zVg

Lexus bezeichnet sich gerne als Hybrid-Pionier. Normalerweise sind solche Phrasen, in der Regel aus der Feder der Marketing-Abteilung, mit Vorsicht zu geniessen. In diesem Fall ist aber durchaus etwas dran.

Den ersten Hybriden hatte Toyota mit dem Prius schon ab 1997 im Angebot; 2005 folgte schliesslich die 1989 gegründete, Tochtermarke Lexus mit dem RX 400h, dem ersten SUV mit Hybridantrieb. Damals waren SUV noch längst nicht so beliebt wie heute – und Hybridantriebe noch eine echte Ausnahmeerscheinung. Inzwischen sind SUVs längst Normalität – und elektrifizierte Antriebe sind ebenfalls weit verbreitet. Anders ist es gar nicht mehr möglich, den Flottenverbrauch im gesetzeskonformen Rahmen zu halten. Die Vorschriften fordern sogar deutlich weniger Verbrauch, als die Vollhybrid-Systeme von Toyota und Lexus realisieren. Deshalb geht nun auch die Toyota-Tochtermarke den nächsten Schritt – und bietet erstmals einen Plug-in-Hybrid-Antrieb an. Er unterscheidet sich vom bisherigen Vollhybrid-System durch eine stärkere E-Maschine und vor allem durch einen deutlich grösseren Akku, der sich an der Steckdose oder Ladestation aufladen lässt. Damit sind auch längere Strecken rein elektrisch möglich – und der Verbrauch sinkt entsprechend.

Dass Lexus diese Antriebsform ausgerechnet in der Neuauflage des Mittelklasse-SUV NX lanciert, ist kein Zufall. Denn die erste Generation des Modells war in Europa verhältnismässig beliebt und sorgte seit Marktstart 2014 für rund 30% der Lexus-Verkäufe. 175 000 Stück verkauften die Japaner in Europa, wo Lexus eher den Status einer Nischenmarke hat; weltweit wurde der NX mehr als eine Million Mal verkauft.

Die zweite Modellgeneration soll also ein neues Kapitel für die Marke aufschlagen – und die Elektrifizierung auf die nächste Stufe bringen. 95% aller Teile sind laut Lexus erneuert worden. Ein Vollhybrid-Antrieb ist weiterhin im Angebot (244 PS FWD ab 49 900 Franken, AWD ab 62 900 Franken), allerdings wurde die Grundkonstruktion des Wagens komplett überarbeitet, sodass im Unterboden bei Bedarf ein grosser Akku für den Plug-in-Hybrid Platz findet, ohne das Raumangebot im Innenraum zu beinträchtigen.

Der Akku des NX 450h+ ist nach bestenfalls 2,5 Stunden wieder geladen.

Der Akku des NX 450h+ ist nach bestenfalls 2,5 Stunden wieder geladen.

Bild: zVg

Der Akku gehört mit einer Speicherkapazität von 18,1 kWh zu den grösseren im Konkurrenzumfeld und ermöglicht laut WLTP-Messung bis zu 63 Kilometer rein elektrische Fahrt. Soll die Reise trotz leeren Akkus weitergehen, springt der 2,5-Liter- Vierzylinder-Benziner an. Eine Weiterentwicklung aus dem Vorgänger mit 185 PS. Zusammen mit einer E-Maschine an der Vorderachse mit maximal 182 PS und einer E-Maschine an der Hinterachse für den Allradantrieb mit maximal 54 PS kommt das SUV auf eine Systemleistung von 309 PS. Damit ist das NX-Topmodell zwar kräftig motorisiert und sprintet bei Bedarf in sportlichen 6,3 Sekunden auf 100 km/h, will aber alles andere als ein Sportler sein. Vielmehr will er sich durch erhabenen Fahrkomfort einzigartig machen. Und das gelingt dem Japaner hervorragend.

Fahrwerk und Lenkung sind ganz auf bequemes Gleiten ausgelegt, ohne den SUV in Kurven schwammig oder unpräzise wirken zu lassen. Vor allem aber fällt die Akustik auf: Isolierglas und viel Dämmmaterial sorgen für angenehme Stille im Innenraum. Erst recht, wenn man rein elektrisch dahingleitet. Ein Grund mehr, den Akku regelmässig zu laden.

Bei gemütlicher Fahrt ist allerdings auch vom Benzinmotor wenig zu hören. Beim zügigeren Beschleunigen wird jedoch klar, dass Lexus auch beim neuen NX weiterhin auf eine stufenlose CVT-Automatik setzt. Sie hat keine fixen Gangstufen, sondern passt die Übersetzung kontinuierlich an die Fahrsituation an. Beim Beschleunigen bleibt also die Drehzahl konstant hoch, die Fahrgeschwindigkeit wird über die Übersetzung laufend erhöht. Für die Insassen äussert sich das in einem unangenehmen Aufheulen des Motors. Dafür fährt man ganz ohne Schaltunterbrechungen oder Ruckler. Zudem kann das Getriebe in Sachen Effizienz durchaus Vorteile haben. Die negativen Aspekte nimmt man allenfalls auf steilen Bergstrecken oder bei der Autobahnauffahrt wahr. Und: Hetzen will man in diesem Auto sowieso nicht. Der Innenraum gefällt mit angenehm hoher Sitzposition und bequem gepolsterten Sitzen. Die Verarbeitungsqualität ist tadellos – hier zählt der Lexus zu den besten Vertretern seiner Klasse. Alles fühlt sich sehr solide an und ist passgenau verarbeitet.

Innen gibt es perfekte Verarbeitung und ein grosses Touchscreen-System.

Innen gibt es perfekte Verarbeitung und ein grosses Touchscreen-System.

Bild: zVg

Viel Arbeit hat Lexus auch in das komplett neue Infotainmentsystem investiert; es überzeugt mit grossflächiger und scharfer Darstellung und einfacher Bedienung; nur das Navi dürfte etwas genauer arbeiten – wenn man es denn braucht. Denn auch die Smartphone-Integration (Apple CarPlay und Android Auto) wird perfekt dargestellt. Hinzu kommen zahlreiche Assistenzsysteme – bis hin zu den elektronischen Türgriffen, welche vor dem Öffnen einen Blick nach hinten werfen, um eine Kollision mit Radfahrern zu vermeiden.

Lexus NX 450h+

Motor: 2,5 l Benzin-PHEV

Leistung: 309 PS /391 Nm

Antrieb: Aut. CVT, 4×4

L×B×H: 4660×1865×1640 mm

Kofferraum: 545–1436 l

Gewicht: 1990 kg

0–100 km/h: 6,3 Sek.

Vmax: 200 km/h

Verbrauch WLTP: 1,1 l/100km

Preis: ab 75 900 Franken

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