Ford Mustang Mach E
Kultstatus mit E-Antrieb

Ford holt den legendären Mustang in die Neuzeit: Er wird zum SUV mit Elektroantrieb. Auf zur Testfahrt!

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Ford Mustang Mach E.

Ford Mustang Mach E.

Bild: zVg

Ganz radikal war der Schritt nicht: Der Mustang als Muscle-Car mit dickem V8-Benzinmotor bleibt weiterhin im Angebot; auch wenn Ford hierzulande nicht beliebig viele davon verkaufen kann. Mit einem CO2-Ausstoss von 276 Gramm pro Kilometer drückt er den Flotten-Durchschnitt deutlich nach oben. Um die geforderten 95 Gramm pro Kilometer zu erreichen, muss Ford also mindestens zwei Modelle mit einem Ausstoss von 0 g CO2/km verkaufen. Insofern trägt das erste reine Elektroauto der Marke den legendären Namen des Muscle-Cars durchaus verdient; denn: Ohne Mustang Mach E, so nennt sich der neue Stromer, stünde hierzulande auch bald kein Mustang GT mit V8-Motor mehr im Angebot. Auch optisch gibt sich der neue Mustang alle Mühe, das grosse Erbe weiterzutragen. So trägt der Mach E kein Ford-Logo, sonder den schwarzen Mustang an Front, Heck und zahlreichen weiteren Stellen. Die dreigeteilten Heckleuchten und die flach abfallende Heckscheibe erinnern genauso an den Mustang Fastback, wie die muskulöse Fronthaube, unter der aber kein Motor verborgen ist, sondern ein geräumiges Staufach, in dem sich die verschiedenen Ladekabel verstauen lassen.

Motoren gibt es im Mustang Mach E gleich zwei; zumindest in der zunächst lieferbaren Version mit Allradantrieb, erhöhter Akkukapazität (98,7 kWh, davon 88 kWh nutzbar) und 351 PS Systemleistung. Versionen mit Heckantrieb, kleinerem Akku (75,7/68 kWh) und 269 PS Leistung sowie ein Topmodell mit Allrad, 487 PS und grossem Akku folgen noch. Der getestete «AWD Extended Range» markiert also die goldene Mitte – und hierzulande vermutlich auch beliebteste Version. Der Antrieb wirkt auf jeden Fall kräftig genug und gefällt mit E-Auto-typisch starkem und unmittelbarem Durchzug. Nur beim langsamen Rangieren wirkt er etwas ruckelig und schwer zu dosieren. Einmal in Fahrt bietet der Mustang mühelose und leise Fortbewegung; trotz fehlendem Motorklang fallen keine störenden Wind- oder Abrollgeräusche auf. Nur das Fahrwerk wirkt auf schlechten Strassen etwas gar straff; passend für einen Mustang, für ein SUV aber nicht ideal, da auf kurzen Bodenwellen viel Unruhe ins Auto kommt, was durch die erhöhte Sitzposition erst recht spürbar wird.

Ford Mustang Mach E.

Ford Mustang Mach E.

Bild: zVg

Nostalgie auf Knopfdruck

Der Mustang mit V8-Motor geniesst seinen Kultstatus nicht zuletzt dank seinem kräftigen Klang. Das versucht die Elektro-Version im Sportmodus mit künstlichem Klang über die Lautsprecher im Innenraum zu kompensieren. Das tiefe Grummeln, das sich je nach Gaspedalstellung und Geschwindigkeit anpasst, erinnert entfernt an einen V8-Motor, ist aber letztendlich eine Spielerei, die sich auch ausschalten lässt. Wie für fast alle Funktionen muss dafür der grosse Touchscreen im Hochformat bemüht werden. Das komplett neu entwickelte Bediensystem wirkt aber leider noch nicht komplett ausgereift; so reagiert der Touchscreen manchmal mit Verzögerung. Zudem sind viele Funktionen kompliziert in Untermenüs versteckt – was übrigens auch für die zum Auto gehörende Smartphone-App gilt. Hier wie da dürfte Ford noch mehr Mut zur Vereinfachung zeigen, was per Software-Update problemlos möglich sein sollte. Schliesslich wurden die angenehmen Seiten der digitalen Moderne andernorts schon perfekt installiert: Das Smartphone lässt sich als Schlüssel programmieren und die Türen öffnen einfach per Knopfdruck – einen konventionellen Türgriff gibt es nicht mehr. Das funktioniert schon nach kurzer Eingewöhnung tadellos. Warum man allerdings den konventionellen «Startknopf» weiterhin vor und nach jeder Fahrt betätigen muss, bleibt ein Rätsel; eine Kleinigkeit, die im Alltag aber unnötig umständlich wirkt.

Im grossen Touchscreen ist ein physischer Lautstärkenregler integriert.

Im grossen Touchscreen ist ein physischer Lautstärkenregler integriert.

Bild: zVg

Ansonsten gibt es aber an der Alltagstauglichkeit des Elektro-Mustang nichts zu bemängeln. Das Platzangebot ist auch auf der Rückbank ausreichend, zumal durch das serienmässige Glasdach viel Licht ins Auto kommt; die Scheibe ist aber dennoch ausreichend abgedunkelt, um den Innenraum bei Sonnenschein nicht unnötig aufzuheizen. Trotz aerodynamisch günstig abfallender Dachlinie gibt es auch im Fond genügend Kopffreiheit und der Kofferraum bleibt gut nutzbar.

Auf jeden Fall funktioniert die Form in Bezug auf die Aerodynamik. Im Test verbraucht der Elektro-SUV zwar mehr Strom als vom Werk versprochen (18,7 kWh/100 km laut WLTP), kommt aber trotz Winterreifen und teils tiefen Temperaturen auf 22 kWh/100 km; deutlich weniger, als beispielsweise ein Audi e-tron verbraucht. Das ergibt hochgerechnet eine Reichweite von 400 Kilometern. Mit maximal 150 kW Ladeleistung ist der Akku nach 45 Minuten wieder zu 80% voll. Damit kann man im Alltag gut zurechtkommen – auch auf längeren Strecken. Einzig die stark schwankende Anzeige für die Restreichweite irritiert; auch das wird hoffentlich noch per Software-Update behoben.

Ford Mustang Mach E ER

Motor: 2× E-Maschine

Leistung: 351 PS /580 Nm

Antrieb: Aut. 1-Gang, 4×4

L×B×H: 4713×1881×1625 mm

Kofferraumvolumen: 1420+81 l

Gewicht: 2182 kg

0–100 km/h: 5,1 Sek.

Vmax: 180 km/h

Reichweite WLTP: 540 km

Preis: ab 68 940 Franken

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