Mit dem E-Coupé elektrisch zur Arbeit – und am Wochenende mit dem Verbrennungsmotor in die Berge

SUV-Coupés polarisieren. Das ist auch beim GLE Coupé von Mercedes nicht anders. Mit hochmodernem Plug-in-Hybrid fährt die Vernunft.

Philipp Aeberli
Hören
Drucken
Teilen
Überzeugt nicht nur mit Eleganz: der neue GLE-Coupé von Mercedes.

Überzeugt nicht nur mit Eleganz: der neue GLE-Coupé von Mercedes.

Bild: zvg

Wochentags rein elektrisch zur Arbeit und wieder nach Hause – und am Wochenende sorgenfrei mit dem Verbrennungsmotor in die Berge fahren. So lautet das ideale Einsatzszenario für ein Auto mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Das Problem dabei ist nur: Wird die Batterie nicht jeden Abend geladen, wird aus dem Traum nichts. Zumal viele Modelle mit einer realistischen Reichweite von vielleicht 30 bis 50 Kilometer im rein elektrischen Fahrbetrieb den Weg ins Büro und wieder nach Hause oftmals nicht schaffen.

Auch der jüngste Plug-in-Hybrid von Mercedes sollte am besten täglich geladen werden, um effizient unterwegs zu sein. Gemäss Entwicklungsleiter Dr. Andreas Zygan soll das GLE 350 de Coupé daher vor allem Eigenheimbesitzer ansprechen, die nachts in der heimischen Garage laden können. Der Akku, der erstmals komplett unsichtbar unter dem Kofferraumboden verschwindet, speichert 31 kWh, was nach optimistischer NEFZ-Messung für 106 Kilometer rein elektrische Fahrt reichen soll.

Das Cockpit stammt aus dem normalen GLE.

Das Cockpit stammt aus dem normalen GLE.

Bild: zvg

Für die meisten «Arbeitswege» ist das grosse SUV-Coupé damit gut gerüstet. Dank einer starken ­E-Maschine mit 136 PS und 440 Nm schwimmt der fast 2,7 Tonnen schwere Brocken auch rein elektrisch souverän im Verkehr mit; bei Bedarf mit bis zu 160 km/h. Den Alltag kann man also, eine Lademöglichkeit zu Hause vorausgesetzt, problemlos rein elektrisch erledigen. Wer unterwegs zwischenladen möchte, kann dies erstmals auch an einer Gleichstrom-Schnellladestation erledigen; so ist die Batterie binnen 20 Minuten auf 80 Prozent geladen. An einer Wallbox mit Wechselstrom dauert das Laden bis 100 Prozent bestenfalls vier Stunden.

Diesel für die Langstrecke

Unterwegs muss man sich über das Aufladen der Batterie aber ohnehin keine Sorgen machen. Geht der Strom aus, übernimmt der Verbrennungsmotor. Hier entschied sich Mercedes für einen vergleichsweise kleinen Turbodiesel mit zwei Litern Hubraum. Er bietet maximal 194 PS und 400 Nm Drehmoment; laut WLTP-Norm kommt der Plug-in-Hybrid mit 1,1 l/100 km laut NEFZ-Norm aus. Zumindest, solange Strom in der Batterie ist. «Das ist die ­effizienteste Lösung für den Lang­streckenbetrieb», so Zygan. «Doch der Plug-in-Hybrid soll auf keinen Fall ein Verzichtsauto sein.»

Ein Blick unter die Haube des GLE Coupé von Mercedes zeigt ein aufgeräumtes Innenleben.

Ein Blick unter die Haube des GLE Coupé von Mercedes zeigt ein aufgeräumtes Innenleben.

Bild: zvg

Damit meint der Entwickler nicht nur die maximale Systemleistung von 320 PS und 700 Nm Drehmoment, sondern auch dass der Plug-in-Hybrid, wie auch seine Geschwister mit konventionellem Antrieb, volle 3,5 Tonnen Anhängelast bietet. Fast alle Optionen können auch beim Plug-in-Hybrid verbaut werden, auch das war bis anhin aus Platzgründen nicht möglich. Einzig das aktiv gesteuerte Fahrwerk E-Active Body Control kann beim Hybriden nicht mitbestellt werden. Angesichts der hervorragend abgestimmten Standardluftfederung vermisst man das aufpreispflichtige Hightech-Fahrwerk aber kaum.

Kamera in der Windschutzscheibe passt Fahrwerk an

Dieses Fahrwerkssystem erfasst die Strasse über eine Kamera in der Windschutzscheibe und passt das Fahrwerk aktiv auf bevorstehende Unebenheiten an. Zudem kann es in Kurven der Seitenneigung aktiv entgegenwirken; das Auto also in die entgegengesetzte Richtung neigen. Das aktive Fahrwerk stand in einem GLE 400d mit Drei-Liter-Dieselmotor zur Testfahrt bereit.

Während der starke Diesel mit 330 PS vor allem mit Laufkultur und starkem Durchzug (700 Nm ab 1200 Umdrehungen; ab 6,9 l/100 km) überzeugt, wirkt das aktive Fahrwerk teils etwas überfordert, vor allem wenn es Kurven und Unebenheiten gleichzeitig zu bewältigen hat; so kommt unnötige Unruhe ins Auto.

Mit einer Schnellladestation ist die Batterie innert zwanzig Minuten geladen.

Mit einer Schnellladestation ist die Batterie innert zwanzig Minuten geladen.

Bild: zvg

Stimmiger wirkt das etwas sportlicher abgestimmte Fahrwerk im AMG GLE 53; hier kommt ein aktiver Kurvenstabilisator zum Einsatz, der unnötiges Wanken und Schwanken in Kurven verhindert. Unter der Haube kommt ein neuer Reihensechszylinder-Benziner mit Turbolader und elektrischem Zusatzverdichter zum Einsatz.

Zu den 435 PS und 520 Nm steuert ein Mildhybrid-Modul kurzzeitig weitere 22 PS und 250 Nm bereit. So sprintet die Sportversion (Verbrauch 9,3 l/100 km) in 5,3 Sekunden auf 100 km/h und bietet noch etwas mehr Fahrerlebnis. Das passt gut zum GLE Coupé, das im Vergleich zum konventionellen SUV einen um 60 Millimeter verkürzten Radstand aufweist. Dass man dadurch sowohl im Fond als auch im Kofferraum (655 bis 1790 Liter) etwas Platz verliert, dürfte die Coupé-Kundschaft kaum stören.

Mit dem Kurvenstabilisator wird unnötiges Schwanken verhindert und ein besseres Fahrgefühl ermöglicht.

Mit dem Kurvenstabilisator wird unnötiges Schwanken verhindert und ein besseres Fahrgefühl ermöglicht.

Bild: zvg

Das Mercedes GLE Coupé ist bereits bestellbar, die ersten Auslieferungen sind für Sommer 2020 geplant; auf den Plug-in-Hybrid muss man leider noch etwas länger warten. Die Preise starten bei 94200 Franken.