Durch schweres Gelände

Mit dem DBX lanciert Aston Martin sein erstes SUV. Diesem kommt eine wichtige Rolle zu.

Philipp Aeberli
Drucken
Teilen
Neu und trotzdem vertraut: Der DBX ist das erste SUV von Aston Martin, nimmt aber innen wie aussen bekannte Design-Merkmale auf.

Neu und trotzdem vertraut: Der DBX ist das erste SUV von Aston Martin, nimmt aber innen wie aussen bekannte Design-Merkmale auf.

Bild: HO

Die wenigsten können sich einen Aston Martin leisten – doch viele träumen davon. Der britische Sportwagenbauer, der auch James Bond mit passenden Wagen ausstattet, hat ein einzigartiges Image und damit einen festen Platz in der Automobilwelt – obwohl die Briten nur gut 5000 Autos pro Jahr bauen.

Leider war und ist die Traditionsmarke in ihrer 107-jährigen Geschichte immer wieder von finanziellen Sorgen geplagt; erst im April dieses Jahres konnten neue Investoren eine erneute Insolvenz abwenden. Und nun soll es aufwärtsgehen – im wahrsten Wortsinn: Unter grossem Effort haben die Briten ihr erstes SUV entwickelt, das in einer eigens dafür gebauten Fabrik in Wales produziert wird. Der Erfolg des neuen SUV-Modells ist für die Marke also ein entscheidender Baustein für die Zukunft. Eine Situation, die an die Anfänge des Porsche Cayenne erinnert. Auch der Sportwagenbauer aus Stuttgart war Anfang der 2000er finanziell angeschlagen und brauchte dringend einen Erfolg. «Fast alle unserer Kunden hatten damals noch einen Range Rover in der Garage. Also fragten wir uns, warum wir ihnen nicht auch ein solches Auto anbieten sollen», erinnert sich der damalige Porsche-Designer Harm Laagay. Der Plan ging auf – der Cayenne führte die Marke zurück zum Erfolg.

Schwierige Aufgabe

Der Plan ist schlüssig und erwiesenermassen Erfolgversprechend. Aber auch alles andere als einfach umzusetzen. Denn der Aston-Martin SUV DBX muss in vielerlei Hinsicht überzeugen. Sportlich und emotional soll er sein, um die Gene der Marke glaubwürdig zu verkörpern. Er muss auch abseits befestigter Strassen Talent beweisen, um es mit der starken Konkurrenz von Land Rover & Co. aufnehmen zu können – für Aston Martin buchstäblich neues Territorium. Er muss praktisch und geräumig sein, um Kunden im SUV-Segment zu überzeugen. Gleichzeitig aber auch elegant und schnittig, um auch bei den Fans der Marke anklang zu finden. Kurzum: Der neue DBX hat einige schier unlösbare Konflikte zu bewältigen.

Aston Martin DBX
17 Bilder
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX
Aston Martin DBX

Aston Martin DBX

Bild: HO

Runde Sache

Um die Anforderungen an Platz und Nutzwert zu erfüllen, ist der DBX gross geworden. Mit einer Länge von 5,04 Metern überragt er besagten Porsche Cayenne um 26 Zentimeter. Das ist vor allem auf den Rücksitzen spürbar. Hier sitzt man mit viel Kniefreiheit auch auf langen Strecken bequem – und geniesst dank serienmässigem Panoramadach viel Licht. Hinzu kommt der grosse Kofferraum, der mit der Konkurrenz locker mithalten kann und den DBX mit Sicherheit zum praktischsten Aston Martin aller Zeiten macht.

Trotzdem wirkt das SUV optisch weit weniger wuchtig, als es die Abmessungen andeuten. Die kurzen Überhänge vorne und hinten helfen nicht nur im Gelände, sondern sorgen auch dafür, dass der Aston schlanker wirkt. Front und Heck nehmen die Formensprache der hauseigenen Sportwagen auf. Der grosse Kühlergrill mit breiten Metallstreben und die schlanke, durchgängige Heckleuchte samt Spoiler-Bürzel erinnern stark an den zweisitzigen Vantage, sind hier aber eine Nummer grösser gestaltet. «Es ist vermutlich der grösste Grill, den wir jemals an einem Aston Martin verbaut haben», sagt Designer Marek Reichman. Auch das Markenlogo wurde vergrössert, damit es ins Gesamtbild passt.

Hoch und Tief

Als erster Aston Martin erhält der DBX eine höhenverstellbare Luftfederung und einen Allradantrieb. Nur so kann das SUV sowohl auf der Strasse, als auch im Gelände eine gute Figur machen. Beim ersten Test im Offroad-Parcour zeigt der edle Brite keinerlei Scheu, sich seine grossen 22-Zoll-Räder schmutzig zu machen. Die Luftfederung erlaubt maximal 23,5 Zentimeter Bodenfreiheit; so können auch 50 Zentimeter tiefe Wassergräben durchfahren werden. Der Allradantrieb verfügt über ein aktives Mitteldifferenzial und ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial an der Hinterachse. So können die Antriebskräfte auf losem Untergrund passend verteilt werden und der DBX wühlt sich auch durch tiefen Schlamm – während der Fahrer im noblen Interieur mit fein verarbeitetem, schottischem Leder sitzt.

Auch wenn sich der britische Alleskönner im Gelände durchaus talentiert zeigt: Meist wird er wohl auf der Strasse unterwegs sein. Entweder als komfortabler Gleiter mit gutem Geräusch- und Federungskomfort, oder mit sportlichem Fahrspass, wie man ihn von einem Aston Martin erwartet. Der Allradantrieb ist sehr heckbetont ausgelegt, die aktive Wankstabilisierung eliminiert unangenehme Seitenneigung und die Lenkung ist sehr direkt ausgelegt. Nur in sehr engen Kurven wird das hohe Gewicht spürbar. Kaum aber auf der Geraden, wo der bekannt starke V8 für leichtfüssige Beschleunigung und Sportwagen-Klang sorgt; allerdings ist der Verbrauch mit 14,3 l/100 km hoch. Doch mit einem Grundpreis von rund 185000 Franken dürfte der DBX ohnehin ein exklusiver Anblick auf unseren Strassen bleiben – das Zeug zum Traumwagen hat aber auch dieser Aston Martin.

Aston Martin DBX

Motor: V8 Biturbo, 3982 cm3

Leistung: 550 PS/700 Nm

Antrieb: 9-Gang-Aut., 4x4

L×B×H: 5039x1998x1680 mm

Kofferraumvolumen: 632 l

Gewicht: 2245 kg

0–100 km/h: 4,5 Sek.

Vmax: 291 km/h

Verbrauch Werk (WLTP): 14,3 l/100 km

Preis: ab ca. 185000 Franken

Mehr zum Thema

Ein SUV zum Staunen

Der Land Rover Discovery Sport im Alltagstest. Überzeugt das Einstiegsmodell der Offroad-Marke?
Philipp Aeberli