Finalist beim Start Award Thurgau +++ Abschied vom Klemmbrett

Das Thurgauer Start-up 1Lims macht die Qualitätskontrolle im Labor einfach, transparent und kostengünstig.

Stefan Borkert

1LIMS beim Labor der Micarna in Bazenheid. (von links): Jonas Greminger, Samuel Schmid, Alban Muret und Philipp Osterwalder.

Ralph Ribi

Arbeiten im Labor eines KMU, das Lebensmittel produziert, kann mühsam sein. Daten werden an Bildschirmen von Analysegeräten abgelesen und dann in eine Tabelle übertragen, oft genug noch mit dem Klemmbrett, weil die Maschinen nicht miteinander kommunizieren können. Ein paar Schritte weiter muss eine Excel-Tabelle ausgefüllt werden und zum Schluss wird alles irgendwie zusammengetragen. In Zeiten von smarten Maschinen und künstlicher Intelligenz wirkt das wie eine Schiefertafel im Zeitalter der IBM-Kugelkopfschreibmaschinen. Philipp Osterwalder hat lange in Labors gearbeitet und ist an der antiquierten Vorgehensweise schier verzweifelt.

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Finalist beim Start Award Thurgau +++ Abschied vom Klemmbrett

Das Thurgauer Start-up 1Lims macht die Qualitätskontrolle im Labor einfach, transparent und kostengünstig.

Stefan Borkert

1LIMS beim Labor der Micarna in Bazenheid. (von links): Jonas Greminger, Samuel Schmid, Alban Muret und Philipp Osterwalder.

Ralph Ribi

Arbeiten im Labor eines KMU, das Lebensmittel produziert, kann mühsam sein. Daten werden an Bildschirmen von Analysegeräten abgelesen und dann in eine Tabelle übertragen, oft genug noch mit dem Klemmbrett, weil die Maschinen nicht miteinander kommunizieren können. Ein paar Schritte weiter muss eine Excel-Tabelle ausgefüllt werden und zum Schluss wird alles irgendwie zusammengetragen. In Zeiten von smarten Maschinen und künstlicher Intelligenz wirkt das wie eine Schiefertafel im Zeitalter der IBM-Kugelkopfschreibmaschinen. Philipp Osterwalder hat lange in Labors gearbeitet und ist an der antiquierten Vorgehensweise schier verzweifelt.

Erst zu dritt und jetzt zu viert haben die Freunde vor gut zwei Jahren das Märstetter Start-up 1Lims auf die Beine gestellt und zum Laufen gebracht. 1Lims ist einer von drei Finalisten des Thurgauer Start Awards. «Schon allein, dass wir im Finale sind, ist eine grosse Anerkennung unserer Arbeit und macht mich auch stolz», sagt Mitgründer Samuel Schmid. Er und Jonas Greminger haben schon Gründererfahrung. Sie haben gemeinsam die ägyptisch-thurgauische Softwareschmiede Modeso gegründet, die inzwischen in Zürich Quartier bezogen hat. Bei Modeso werden Programme noch von Grund auf geschrieben. «Wir fangen auf der grünen Wiese an», sagt Schmid. Und das war auch bei der Arbeit für 1Lims so. «Natürlich gibt es andere, die an ähnlichen Themen arbeiten. Aber wir haben einen guten Vorsprung und den wollen wir auch halten», sagt Schmid. Osterwalder bringt das Know-how aus dem Labor mit. In kurzer Zeit ist ein Programm entwickelt worden, das bereits bei einigen grösseren und kleineren KMU auf Interesse gestossen ist. Die Wachstumskurve zeigt recht steil nach oben.

Konzerne und Handwerker

Zu den Kunden und Testunternehmen gehören neben dem Auftragslabor Envilab, Lüchinger+Schmid, Polygal, Hepart auch die Trisa. «Die grossen Konzerne haben meist Lösungen für ihre Qualitätskontrolle in den Labors», sagt Osterwalder. Aber die könnten auch mit viel grösserer Kelle anrühren. Schmid sagt, dass das Produkt von 1Lims in erster Linie für KMU gedacht ist. Vor allem auch für kleinere Betriebe solle diese Lösung erschwinglich sein. Recht schnell hat der Migros-Betrieb Micarna die Möglichkeiten von 1Lims erkannt und setzt das Produkt beispielsweise für die ganze Micarna-Gruppe ein. Osterwalder, selbst gelernter Chemielaborant, erklärt: «Ich musste feststellen, dass vor allem in der Lebensmittelbranche die Qualitätssicherung rudimentär ist.»

Mit Analysegeräten würden Werte gemessen, etwa der pH-Wert des Produkts. Dieser werde dann auf ein Blatt auf dem Klemmbrett und von dort in eine Excel-Tabelle übertragen. «Das kostet Zeit und ist fehleranfällig», kritisiert er unter anderem. Denn die Daten würden anschliessend manuell in Labor-Informationsmanagement-Systemen (Lims) zusammengefasst. Solche Systeme kosten viel. 100000 Franken sind keine Seltenheit. Damit sei das System noch nicht an die individuellen Bedürfnisse angepasst, ergänzt Schmid. Und genau hier kommt 1Lims ins Spiel. Die Software von 1Lims macht Schluss mit Medienbrüchen an Schnittstellen. Alle Daten werden an den Geräten erfasst und in einer Cloud gespeichert.

Das Geheimnis von 1Lims ist die Schnittstellentechnologie, die unterschiedliche Systeme zusammenbringt. «Wir ermöglichen damit schnellere, einfachere und preiswertere Laboranalysen, praktisch die digitale Qualitätssicherung», sagt Osterwalder. Schmid ergänzt: «Weil 1Lims-Kunden gerne über Produkte Bescheid wissen wollen, kann mit unserer Technologie jeder Rohstoff bis in das Fertigprodukt hinein verfolgt und sichtbar gemacht werden.»

Start Award

Drei Finalisten sind für den vierten Start Award des Startnetzwerks Thurgau nominiert. Mit dem Preis werden Jungunternehmen aus dem Kanton Thurgau ausgezeichnet, die in den vier Kategorien Unternehmerpersönlichkeit, Geschäftsmodell, Potenzial zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Nachhaltigkeit überzeugen. Die Preisverleihung findet am 23. März 2020
statt. Wir stellen die Finalisten in
loser Reihenfolge vor. (bor)

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