rücktritt
Im Profizirkus hat es keinen Platz mehr für den besten Schweizer an der Tour de Suisse: Der Toggenburger Patrick Schelling muss die Karriere beenden

Er wäre gerne weitergefahren. Er ist erst 30-jährig. Aber wegen einer Dopingsperre konnte sich Patrick Schelling zu wenig oft zeigen in der vergangenen Saison. Und erhielt keinen Profivertrag mehr.

Daniel Good

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An der Tour de Suisse 2019 fährt der Bergspezialist Patrick Schelling (hier am Nufenen) auf den elften Gesamtrang und wird damit bester Schweizer.

Bidl: Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Er ist kein Mann der lauten Töne. Vielmehr der sympathische Typ von nebenan. Aufgewachsen in Hemberg in einer Beiz mit Bäckerei. Matura in Wattwil, Militär in Thun.

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Im Profizirkus hat es keinen Platz mehr für den besten Schweizer an der Tour de Suisse: Der Toggenburger Patrick Schelling muss die Karriere beenden

Er wäre gerne weitergefahren. Er ist erst 30-jährig. Aber wegen einer Dopingsperre konnte sich Patrick Schelling zu wenig oft zeigen in der vergangenen Saison. Und erhielt keinen Profivertrag mehr.

Daniel Good

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An der Tour de Suisse 2019 fährt der Bergspezialist Patrick Schelling (hier am Nufenen) auf den elften Gesamtrang und wird damit bester Schweizer.

Bidl: Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Er ist kein Mann der lauten Töne. Vielmehr der sympathische Typ von nebenan. Aufgewachsen in Hemberg in einer Beiz mit Bäckerei. Matura in Wattwil, Militär in Thun.

Patrick Schelling

Bild: Maxime Schmid / KEYSTONE

Dann setzt Patrick Schelling auf den Radsport, wird Profi. In seinem Umfeld sagten sie: «Versuch es. Du hast Talent. Arbeiten kannst du dann noch genug.» Schelling trainierte verbissen, schaffte es zweimal in die World Tour - die Königsklasse des Radsports - und brachte es auf elf Saisons im Profizirkus.

Nun aber ist Schluss. Schelling sagt:

«Schade. Ich hätte gerne weitergemacht, denn ich fühle mich körperlich gut. Ich hätte sicher noch einige Jahre auf höchstem Niveau fahren können.»

Schelling bedauert den Rücktritt auch, weil die vergangene Saison «alles andere als zufriedenstellend verlief». Es begann zwar gut für den wieder in die World Tour aufgestiegenen Ostschweizer, aber dann kam Corona. Zu allem Überfluss fiel er auch noch durch einen Dopingtest. Ein Asthmaspray wurde ihm zum Verhängnis. Unwissentlich. Deshalb kam er mit vier Monaten Sperre davon, konnte aber erst im Oktober wieder Rennen bestreiten.

Zum Dopingfall sagt Schelling:

«Ein dummer Fehler, der leider passiert ist. Ich hatte zu viel Vertrauen zum Arzt.»

Als Schelling wieder zum Einsatz kam, fehlte ihm der Rennrhythmus. Er konnte sich nicht mehr empfehlen für einen neuen Vertrag. Es hatte keinen Platz mehr für den Bergspezialisten. Den loyalen Helfer. Aus. Vorbei. Nicht einmal ein Rennstall aus einer tieferen Kategorie war interessiert an Schelling, der Anfang Mai 31-jährig wird.

Erst im November hatte ihm sein Team, für das neuerdings auch der vierfache Tour-de-France-Gewinner Chris Froome fährt, mitgeteilt, dass es ohne ihn plane. Zu jenem Zeitpunkt hatten die meisten anderen Mannschaften ihre Personalplanung für 2021 bereits abgeschlossen.

Der Dopingfall schmälert seine Chancen

Der Dopingfall war kein Thema, als Schelling von der Teamleitung beschieden wurde, dass man nicht mehr auf ihn zähle. «Sie sagten mir einfach, es habe keinen Platz mehr für mich in der Mannschaft», sagt Schelling. Die Dopingsperre hatte aber schon negative Auswirkungen. Schelling sagt:

«Weil ich fast keine Rennen bestreiten durfte, konnte ich nicht zeigen, was ich drauf habe.»

Schon im Oktober ahnte Schelling, dass es bald vorbei sein könnte mit dem Profisport. So genoss er es, nochmals Lüttich-Bastogne-Lüttich zu fahren. Das Monument in Belgien war sein drittletztes Rennen. Die Dernière fand im Thurgau statt mit dem siebten Rang an der Schweizer Meisterschaft.

Der Höhepunkt in Schellings Karriere liegt noch gar nicht weit zurück. Vor gut anderthalb Jahren beendete er die Tour de Suisse als Elfter und bester Schweizer. Seither fand keine Tour de Suisse mehr statt.

Die Pandemie erschwert den Eintritt ins Berufsleben

Schelling war als Veloprofi kein Grossverdiener. So reichte er schon Bewerbungen ein, um im zivilen Berufsleben Fuss zu fassen. Bis jetzt kamen lauter Absagen. «Wegen Corona haben doch viele Firmen einen Personalstopp», sagt Schelling. Auch im «Hörnli» der Eltern kann er nicht gross mithelfen wegen der Pandemie. «So bleibt mir wenigstens Zeit, mein Englisch zu verbessern.»

Das ist nur ein kleiner Trost. Wie dieser Satz: «Wenigstens muss ich nicht mehr bei jedem Wetter trainieren.»

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