Glosse

Globi, der langweilige
Vorzeige-Demokrat

Der Gelbschnabel besucht im neusten Band das Bundeshaus. Anders als bei einer früheren Stippvisite zeigt er sich dabei als Streber.
Tobias Bär

Globi mit der Helvetia auf dem Berner Bundesplatz.

Globi war schon bei der Rettungsflugwacht und im Wilden Westen. Man hat den Papageien-Menschen bei diesen Abenteuern als ziemlich aufmüpfigen Zeitgenossen mit Hang zur Unvernunft kennengelernt. Als Feuerwehrmann räumte er Gaffer mit dem Löschschlauch aus dem Weg, als Polizist zog er über das Auto eines Falschparkierers eine Dreckspur. Und wenn die Erinnerung nicht täuscht, dann rauchte Globi gelegentlich eine Zigarette.

Wer nun hofft, dass der Kerl mit Baskenmütze im neusten Band «Globi und die Demokratie» im Bundeshaus für Wirbel sorgt, der wird enttäuscht. Schon ganz zu Beginn wird klar, dass der eigentlich alterslose Globi eben doch langsam angejahrt ist, kauft er sich doch tatsächlich eine gedruckte Zeitung.

Als Globi dann eine langfädige Diskussion im Nationalrat verfolgt, da vertreibt er sich nicht etwa die Zeit mit dem Basteln von Papierfliegern. Nein, er hört ganz aufmerksam zu und denkt, was wohl noch gar nie ein Tribünengast gedacht hat: interessante Debatte! Und als der Gelbschnabel seine persönliche Wunschliste für Verfassungsänderungen formulieren darf, tönt das so: Wöchentliches Kuchenessen, freier Eintritt ins Schwimmbad. Gähn!

Die Enttäuschung von Andrea Caroni

Der Ausserrhoder FDP-Ständerat Andrea Caroni, der sich am Mittwoch bei der Vernissage im Bundeshaus Exemplare für sein Göttikind und seine Kinder sicherte, erinnert sich wehmütig an den früheren Globi. Als die Kinderbuch-Figur einst bei einer Reise durch die Schweiz im Bundeshaus vorbeischaute, da traf sie auf Parlamentarier im Tiefschlaf: «Räte dösen reihenweise / Manche schnarchen, laut und leise.» Erst als Globi in den Reihen der Nationalräte seine Bücher verteilt, erwachen diese aus ihrer Lethargie. Solche Episoden vermisst Caroni beim neuen Globi: «Er ist ein braver Langweiler geworden.»

Man muss dazu sagen, dass es neben den klassischen Globi-Bänden inzwischen Koch- («Globi kocht vegi») und Sachbücher gibt. Bei Letzteren geht es um die Energiezukunft in Zeiten der Gletscherschmelze und jetzt eben um die direkte Demokratie. Das Abenteuer steht dabei nicht im Zentrum, es geht um die kindergerechte Vermittlung von komplexen Sachverhalten.

Das sei auch für ihn wichtig, sagte Aussenminister Ignazio Cassis am Rande der Vernissage, gerade in der Europapolitik. Cassis liess sich für das Buch von Globi interviewen. «Ganz ehrlich: Als Kind wollte ich lieber Tramchauffeur werden», sagt er da unter anderem.

Unsere Frage, ob er sich während Bundesratssitzungen zuweilen in irgendeinen Führerstand wegwünsche, verneinte Cassis. Vielleicht aber würde sich der Aussenminister gerne mal wieder einen Joint anzünden, wie er das laut eigenen Aussagen auch schon gemacht hat. Globi fällt als Kiff-Partner aber weg. Der ist inzwischen clean.