Porträt

Er will Politik ermöglichen, nimmt sich selber aber nicht so wichtig: Elio Bohner steht als neuer Frauenfelder Gemeinderatspräsident zur Wahl

Mit Fingerspitzengefühl im Hockeyrink und auf dem Politparkett: Elio Bohner von der linksgrünen Lokalgruppierung «Chrampfe&Hirne» wird dieses Jahr 30, ist frisch verheiratet und designierter höchster Frauenfelder.

Mathias Frei

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Auf dem Eisenwerkvorplatz fotografiert: Elio Bohner, locker-lässig.

Bild: Reto Martin (5. Juni 2020)

«Ich nehme mich selber nicht so wichtig.» Elio Bohner sagt das. Gleichwohl geht ihm das nötige Selbstbewusstsein nicht ab – was wichtig ist. Denn der Gemeinderat von «Chrampfe&Hirne» (CH) steht als aktueller Vizepräsident zur Wahl als höchster Frauenfelder. Dass er nach fünf Gemeinderatspräsidentinnen auf den Bock steigt, das mache ihm keinen Druck. «Gleichberechtigung ist ein wichtiges Thema», sagt er.

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Porträt

Er will Politik ermöglichen, nimmt sich selber aber nicht so wichtig: Elio Bohner steht als neuer Frauenfelder Gemeinderatspräsident zur Wahl

Mit Fingerspitzengefühl im Hockeyrink und auf dem Politparkett: Elio Bohner von der linksgrünen Lokalgruppierung «Chrampfe&Hirne» wird dieses Jahr 30, ist frisch verheiratet und designierter höchster Frauenfelder.

Mathias Frei

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Auf dem Eisenwerkvorplatz fotografiert: Elio Bohner, locker-lässig.

Bild: Reto Martin (5. Juni 2020)

«Ich nehme mich selber nicht so wichtig.» Elio Bohner sagt das. Gleichwohl geht ihm das nötige Selbstbewusstsein nicht ab – was wichtig ist. Denn der Gemeinderat von «Chrampfe&Hirne» (CH) steht als aktueller Vizepräsident zur Wahl als höchster Frauenfelder. Dass er nach fünf Gemeinderatspräsidentinnen auf den Bock steigt, das mache ihm keinen Druck. «Gleichberechtigung ist ein wichtiges Thema», sagt er.

«Ob für ein Amt oder einen Job: Es sollte keine Rolle spielen, ob man weiblich oder männlich ist.»

Bereits seine Mutter Brigitt Bohner wirkte im Gemeinderat, von 2000 bis 2012, lange auch als Fraktionspräsidentin CH/Grüne. Und Vater Claude Kupfer hat für CH Einsitz in der Sekundarschulbehörde.

Vom Automatiker zum Unternehmensberater

Der designierte Gemeinderatspräsident Elio Bohner feiert im Herbst seinen 30. Geburtstag. Erst seit kurzem ist er verheiratet. Bohner ist ein Ur-Frauenfelder, schon sein ganzes Leben wohnt er im Kurzdorf. Er hat zwei ältere Geschwister. Bohner schliesst bei einem Frauenfelder Betrieb eine Lehre als Automatiker ab. Nach der Rekrutenschule und dem Zivildienst verbringt er ein halbes Jahr in Vancouver (Kanada), wo er auch arbeitet. Später entscheidet er sich, an der ZHAW in Winterthur Betriebswirtschaftslehre zu studieren, und macht auch einen Austausch in Montreal (Kanada). Er schliesst mit dem Master ab. Heute ist Bohner bei einer Zuger Firma als Unternehmensberater angestellt. (ma)

Elio Bohner rückte Ende 2016 für Mario Weber in den Gemeinderat nach. Andere hätte das Budget in der ersten Ratssitzung traumatisiert. Nicht so Bohner. «Mich haben die Zahlen gepackt.» Kein Wunder, denn als Unternehmensberater ist er von Berufes wegen Finanzmensch.

Die Mutter grün, der Vater rot, beide bei CH

Brigitt Bohner, von 2000 bis 2012 Gemeinderätin CH.

Bild: PD

Daheim am Mittagstisch oder beim Znacht war Politik immer ein Thema. «Meine Mutter ist eher grün, mein Vater dagegen klar ein Roter.» Beide fanden ihre politische Heimat bei CH. Naheliegend, dass sich Bohner schon vor seinem 18. Geburtstag ein erstes Bild machte von der linksgrünen Lokalgruppierung. Dass es kein sakrosanktes Parteiprogramm gab, passte ihm. «CH befasste sich schon damals mit Themen, die einen direkt betrafen in Frauenfeld.» Auch heute übe «Chrampfe&Hirne» nicht nur Kritik, sondern präsentiere vor allem auch Lösungen. Das passt zu Bohner, der sich selber als Pragmatiker bezeichnet.

«Ich kann unterscheiden zwischen Ideen und was schliesslich umsetzbar ist.»

Sein Job ist es, in der Privatwirtschaft Prozesse zu optimieren. «In der Politik dagegen sind gewisse Prozesse träge, was in der Natur der Sache liegt – und auch nicht unbedingt schlecht sein muss.» Denn eine Stadt wie Frauenfeld müsse gestalten und dürfe nicht auf zwei Stellen hinter dem Komma auf Effizienz getrimmt werden. «Chancen wahrnehmen», das hat sich Bohner als Motto für sein Präsidialjahr gegeben. Und das gelte auch für Frauenfeld.

«Ich gehe davon aus, dass man als Politiker das Bestmögliche für das Gemeinwesen bewirken will.»

Idealismus als Antrieb für Politiker und Schiri

Elio Bohner in der CH-Kampagne zu den Gemeinderatswahlen 2019.

Bild: PD

Was den designierten Gemeinderatspräsidenten stark geprägt hat, ist der Eishockeysport. Bis er 16 war, spielte er beim EHC Frauenfeld. Dann tauschte er das Spielertrikot gegen das Schiedsrichtertenue. Obwohl er in letzter Zeit kaum mehr Einsätze wahrnehmen konnte, ist er weiterhin als Schiri beim EHCF gemeldet. Zudem steht er aktuell zur Wahl als EHC-Präsident. Ein Schiedsrichter verhindere das Spiel nicht, sondern bilde eine Grundvoraussetzung, dass es überhaupt stattfinden könne. Dieses Bild transportiert Bohner in die Politik.

«Als Ratspräsident will ich im Grossen Bürgersaal Politik ermöglichen.»

Für den Verfechter des Milizsystems gibt es eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Politik und Schiedsrichterwesen: «Man macht es nicht wegen des Geldes, sondern aus Idealismus.»

Kandidatenbild von Elio Bohner für die Gemeinderatswahlen 2011.

Bild: PD

Er lege Wert darauf, dass im Ratsbetrieb jede und jeder eine Meinung äussern könne – und diese sei zu respektieren, solange sie auf Fakten basiere. Obwohl Bohner als Gemeinderatspräsident inhaltlich nicht eingreifen darf, ist es ihm wichtig, dass man weiss, was für eine Meinung er hat und dass diese fundiert ist. «Ich will nicht nur der sein, der zum Sitzungsbeginn das Glöggli schwingt.»

Für deren erfrischende Interpretation der Amtsführung windet er seiner Vorgängerin Severine Hänni ein Kränzchen. In seinem eigenen, bevorstehenden Präsidialjahr freut sich Elio Bohner auf zweierlei:

«Den eigenen Horizont zu erweitern und viele offene Menschen zu treffen.»

An der Wahlsitzung 2019 im Gemeinderat: der neu gewählte Vizepräsident Elio Bohner und die neu gewählte Präsidentin Severine Hänni.

Bild: Donato Caspari
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