Neues Leben für Elektroschrott

Das Geschäft mit Recyclinganlagen für Elektro- und Elektronikschrott läuft für die Kreuzlinger Anlagenbauerin Swissrtec gut. Sie hat ihre bisher grösste Komplettanlage nach Osteuropa verkauft.

Martin Sinzig
Merken
Drucken
Teilen
Ein Mitarbeiter wird in Japan an einem Vertikal-Shredder instruiert, den die Swissrtec exklusiv in Europa vertreibt. (Bild: pd)

Ein Mitarbeiter wird in Japan an einem Vertikal-Shredder instruiert, den die Swissrtec exklusiv in Europa vertreibt. (Bild: pd)

KREUZLINGEN. Vier Tonnen Computer, Drucker, Staubsauger, Mobiltelefone, Waschmaschinen und Radiogeräte soll die neue Anlage pro Stunde schlucken. In einem mehrstufigen Prozess werden dabei Eisen, Kunststoff, Kupfer und Aluminium gewonnen und zurück in den Wertstoffkreislauf geführt. Den Zuschlag für diese Anlage hat die Kreuzlinger Swissrtec AG anfangs September erhalten.

Die Auftraggeberin der Anlage ist ein Verwertungsunternehmen, hinter dem grosse Elektronikkonzerne stehen. Die mittelständische Thurgauer Anlagenbauerin konnte sich im Offertverfahren trotz eines höheren Preises durchsetzen. «Unsere Technologie hat überzeugt», freut sich Mario Zöllig, Geschäftsführer der Swissrtec AG.

25 Sattelschlepper nötig

«Es ist eine Traumanlage und ein Konzept, das wir unseren Kunden empfehlen», schwärmt Mario Zöllig. Entwickelt hat die Swissrtec nicht nur den mehrstufigen Verarbeitungsprozess, auch eigene Anlageteile hat die Kreuzlinger Firma entwickelt, so zum Beispiel eine patentierte Aufschlussmühle.

Der Kundin wurde eine Wirtschaftlichkeitsrechnung abgegeben, die belegt, dass sich die Investition, die sich über mehrere Millionen Franken beläuft, innerhalb zweier Jahre rechnet. Die Lieferung und der Aufbau der 40 mal 30 Meter grossen Anlage erfolgt ab Anfang 2013. Sie umfasst Material im Umfang von 250 Tonnen. «Für den Transport werden insgesamt circa 25 Sattelschlepper nötig sein», rechnet Zöllig vor.

Referenzanlage in der Schweiz

Die Geschäfte laufen für die erst 2006 gegründete Anlagenbauerin gut. Bereits im März konnte sie in der Schweiz eine Komplettanlage für Elektronikschrottrecycling in Betrieb nehmen, die seither als Referenzanlage für potenzielle Kunden sowie für Tests zur Verfügung steht. Dieser bisher grösste Auftrag wurde nun durch die Bestellung aus Tschechien nochmals übertroffen.

Erfolgreich ist die Swissrtec auch mit dem Verkauf von sogenannten Vertikalschreddern. Zwei solche Anlagenteile wurden im laufenden Jahr verkauft, unter anderem an einen europaweit tätigen Elektro- und Elektronikschrottverwerter aus Schweden. Engineeringaufträge kamen hinzu. «Das Interesse an unserer Technologie ist gross», weiss Mario Zöllig.

Wechselkurs schmälert Erfolg

Als Finalistin für den diesjährigen Unternehmerpreis des Swiss Economic Forum erschien die Swissrtec im Schweizer Fernsehen. Beides war für den Unternehmer Zöllig sowohl eine grosse Genugtuung als auch eine Bestätigung. «Wir haben ein hervorragendes Jahr hinter uns, mit dem grossen Problem des Euro-Wechselkurses». Zwar hat die Swissrtec mittlerweile ihre Belegschaft auf zehn Mitarbeitende ausgebaut, doch es werde in Zukunft kaum mehr möglich sein, einfache Anlageteile in der Schweiz zu fertigen.