Die Rechnung aus der Wolke

Das Wattwiler IT-Unternehmen iBrows hat eine Software entwickelt, die KMU dabei unterstützen soll, ihr tägliches Geschäft zu organisieren. Der Schlüssel zum Erfolg: Die Cloud.

Gabriel Züllig
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Stefan Brunner (links) und CEO Jeremias Meier gründeten das Wattwiler IT-Unternehmen iBrows. (Bild: Gabriel Züllig)

Stefan Brunner (links) und CEO Jeremias Meier gründeten das Wattwiler IT-Unternehmen iBrows. (Bild: Gabriel Züllig)

WATTWIL. Ist das Toggenburg das nächste «Silicon Valley»? «Wir arbeiten daran», meint Jeremias Meier schmunzelnd. Meier ist CEO eines noch jungen Unternehmens, das als Schweizer Pionier in der Bereitstellung von IT-Lösungen im Web gilt.

Angefangen hat alles vor rund zehn Jahren, als der Wattwiler Stefan Brunner, gerade 20jährig, eine Applikation für eine Altersheim-Gruppe entwickeln sollte. «Ohne dass wir einen ausgefeilten Businessplan gehabt hätten, entstanden daraus immer weitere Aufträge, wir gründeten die Firma iBrows. Um diese so einfach wie möglich koordinieren und Rechnungen schreiben zu können», so Brunner, «programmierten wir eine rudimentäre Software.» Easy SYS war geboren.

Zukunft liegt in der Wolke

Solche CRM-Programme, die den Verkaufsprozess vom ersten Kundenkontakt bis zur bezahlten Rechnung verwalten, gibt es zwar schon lange. Als eine der ersten in der Schweiz jedoch ist Easy SYS vollständig webbasiert. Alle Aufträge und Rechnungen werden online verwaltet und in einer Cloud, auf einem externen Server, gespeichert. Der Sanitärinstallateur, die Vertreterin oder der Gartenbauer können somit Aufträge bequem unterwegs erfassen und im Büro oder von zu Hause aus die Rechnungen verschicken. Alle Daten sind stets griffbereit. Wie sich herausstellte, decken Brunner und seine Gründungspartner damit ein Bedürfnis von vielen kleinen Unternehmen: Für sie sind Aufbau und Unterhalt eines eigenen CRM-Systems aufwendig und teuer. Mit einer Cloud hingegen speichert man Daten und behält den Überblick ab 30 Franken im Monat, Support inklusive.

Über 1500 Kunden nutzen Easy SYS bereits – doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Bei iBrows ist man überzeugt, dass die Zukunft in der Wolke liegt: «Man wird nicht nur innerhalb eines Unternehmens Daten extern speichern, sondern auch mit Kunden, Lieferanten oder Partnern so kommunizieren». Sorgen, dass die Daten unverschlüsselt irgendwo im Internet herumschwirren, müsse man sich keine machen, beruhigt CEO Meier: «Die Server werden in gesicherten Schweizer Rechenzentren betrieben.»

Von Wattwil die Schweiz erobern

Neben dem Kassenschlager Easy SYS programmiert das Team, das inzwischen auf 25 Personen angewachsen ist, auch interaktive Web-Applikationen und mobile Apps. «Für Schindler haben wir beispielsweise ein komplexes Tool entwickelt, mit dem Architekten die Aufzüge in ihren Gebäuden detailgenau planen können», erklärt Brunner. Auch Online-Shops und Web-Plattformen für die Stellensuche stammen aus dem Haus. Weil die Kunden oft landesweit tätig sind, hat auch iBrows expandiert und einen zweiten Standort in Zürich aufgebaut. Es sei zwar immer wieder schwierig, Fachkräfte für die Software-Entwicklung im Toggenburg zu rekrutieren. Trotzdem halten Brunner und Meier am Standort Wattwil fest: «Meistens finden wir die richtigen Leute, weil wir ein junges Unternehmen in einer dynamischen Branche sind. Guten Programmierern, die aufs Land wollen, bieten wir eine einmalige Perspektive.»

So fährt iBrows gleich mehrfach zweigleisig: Mit der Software für KMU und Projekten für Grosskunden; mit einem Auge auf die digitale Kommunikation von morgen und dem anderen auf der technischen Umsetzung von heute; und mit je einem Standbein in Zürich und Wattwil. Das heisst, dass bei iBrows viel koordiniert werden muss – aber dafür gibt es ja die Cloud.