Wo Firmengründer profitieren können

Nach dem Thurgau und Graubünden hat auch der Kanton St. Gallen ein Jungunternehmerforum. Am Mittwoch feierte dieses im Stadtsaal Wil Premiere. Mit Workshops, Referaten und Diskussionen präsentierte es sich als Plattform für Firmengründer.

Christof Lampart
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Diskussionsrunde am Jungunternehmerforum: (Von links) Rainer Hug, Martin Fengler, Yves Keller, Christoph Brunner, Benedikt Würth. (Bild: Christof Lampart)

Diskussionsrunde am Jungunternehmerforum: (Von links) Rainer Hug, Martin Fengler, Yves Keller, Christoph Brunner, Benedikt Würth. (Bild: Christof Lampart)

WIL. 105 Anmeldungen konnten die Organisatoren am Ende verzeichnen. «Damit sind wir fürs erste Mal sehr zufrieden», sagt die Initiantin des Jungunternehmerforums, Claudia Vieli Oertle aus Erlen, die den Anlass in Zusammenarbeit mit der Trägerschaft Jung-Unternehmer-Zentren Flawil-Gossau-Wattwil-Wil veranstaltet. Bereits am frühen Nachmittag bekamen die potenziellen oder tatsächlichen Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer in Workshops Praxiswissen aus erster Hand vermittelt. Welche ist die beste Rechtsform für mich? Welche Versicherungen sind wichtig? Wie plane ich die Finanzierung meiner Geschäftsidee? Das waren nur einige jener grundlegenden Fragen, die beantwortet wurden.

Der Wunsch des Präsidenten

Der St. Galler Regierungspräsident Benedikt Würth unterstrich, wie wichtig Plattformen und Veranstaltungen seien, an denen «Wissens- und Erfahrungsaustausch geschieht und Networking betrieben wird». Denn Gründer könnten hier vom grossen Wissen etablierter Unternehmer profitieren, ihre Idee auf ihre Realisierbarkeit abklopfen und weitere Anstösse erhalten. «So entsteht zusätzlicher Wettbewerb, und Wettbewerb belebt das Geschäft», sagte Würth und äusserte den Wunsch, dass «die Dynamik der Start-ups auf die Wirtschaft überschwappt». Immerhin steht der Kanton St. Gallen bei Firmengründungen relativ gut da: 2014 wurden 2369 neue Firmen ins Handelsregister eingetragen und 1831 Firmen gelöscht.

«Bürokratie ist wahnsinnig»

Von den Schwierigkeiten als Firmengründer erzählte Rainer Hug von der Zimmerei-Handwerk Hug GmbH aus Schwarzenbach. Er habe vor fünf Jahren seine Firma gegründet, «weil es für mich schon immer ein Traum war, selbständig zu sein und das machen zu können, was ich machen möchte». Im Alltag habe es sich aber rasch gezeigt, dass bürokratische Hemmnisse, ausbleibende Zahlungen und dubiose Geschäftsangebote «den ganzen Mann» erforderten, und nicht nur den motivierten Handwerker in ihm. «Bei der Menschenkenntnis», antwortete Hug deshalb auf die Frage, in welchem Bereich er seit der Anfänge am meisten hinzu gelernt habe. Auch musste der Zimmermann nicht lange überlegen, als er von Moderator Yves Keller nach dem grössten Hindernis auf dem Weg zum erfolgreichen Gründer gefragt wurde: «Das ist ganz klar die Bürokratie. Wie viele Zettel ich für alles ausfüllen muss – das ist wahnsinnig», sagte Hug.

«Der Markt als Nagelprobe»

Christoph Brunner von der OBT AG erachtet es als sehr wichtig, dass man Gründer kritisch und ehrlich berät. Nur dann könne eine Idee gut gedeihen. «Start-ups sind extrem spannend und die Pflege, die sie benötigen, wert. Ich sehe es als unsere Aufgabe an, diese Pflanzen nachhaltig zu entwickeln», sagte Brunner. Dass auch bei der besten Pflege das eine oder andere Gewächs eingehe, sei aber normal: «An einem Ort hört es auf, am anderen fängt es an», sagte Brunner. Zwar sei jeder frei, sich unternehmerisch zu betätigen, doch müsse er auch ein mögliches Scheitern in Betracht ziehen, denn: «Die Nagelprobe liefert am Ende des Tages einzig und alleine der Markt.»

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