Ostschweizer High-Tech im Weltall

FRAUENFELD. Die Raumsonde Rosetta ist nach zehn Jahren erwacht und hat ihre Analysen des Kometen Churyumov-Gerasimenko begonnen. Dabei kommen auch Systeme der Sensorspezialistin Baumer Electric AG aus Frauenfeld zum Einsatz.

Stefan Borkert
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Die Raumsonde Rosetta hat auch Schweizer Technik an Bord. (Bild: epa/esa)

Die Raumsonde Rosetta hat auch Schweizer Technik an Bord. (Bild: epa/esa)

Die europäische Raumsonde Rosetta hat sechs Milliarden Kilometer von der Erde entfernt ihre Arbeit aufgenommen. Auch High-Tech-Komponenten aus der Ostschweiz ermöglichen die Erforschung des Kometen Churyumov-Gerasimenko. So liefert die St. Galler Firma Fisba Optiken für Kameras. Und von der Baumer Electric AG Frauenfeld sind ebenfalls Komponenten Teil der umfangreichen Instrumenten-Ausstattung. «Angesichts der extremen Bedingungen im Weltraum eine Herkulesaufgabe», so Mediensprecher Stefan Diepenbrock.

Gashülle analysieren

Baumer beteilige sich an dem Mikrowellen-Experiment MIRO, mit dem die Zusammensetzung der Gashülle des Kometen bestimmt werden soll. Mit Hilfe der dabei eingesetzten Mikrowellen-Spektroskopie erhoffe man sich Aufschlüsse über den Ursprung von Kometen und die Bedingungen, die zur Bildung unseres Sonnensystems geführt haben. Und Diepenbrock ergänzt, dass Baumer Electric in enger Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Aeronomie für die Herstellung und Qualifizierung des Herzstücks der eingesetzten Spektrometer verantwortlich zeichne. Damit könnten akustische Oberflächenwellen (SAW) angeregt und detektiert werden. «Durch eine geeignete Kombination von solchen SAW-Bauteilen ist es möglich, mit einem leichten und kompakten Gerät eine schnelle und hochauflösende Echtzeit-Spektralanalyse durchzuführen.» Durch die Mikrowellen-Spektroskopie werde die Konzentration von Molekülen in der den Kometen umgebenden Gashülle und der obersten Schicht der Kometenoberfläche bestimmt.

Handarbeit

Andreas Knüsli, Leiter Produktionsplanung, hatte dazumal die Baumer-Bauteile für die Rosetta noch in Handarbeit gefertigt. Er hat Vertrauen, dass seine Arbeit den Ritt durch den Orbit gut überstanden hat. «In speziellen Lötkursen, die von der Raumfahrtbehörde ESA gefordert sind, wird das nötige Fachwissen über mehrere Wochen vermittelt. Diese Ausbildungen haben wir erfolgreich absolviert und sind überzeugt, dass die verwendete Technologie funktionieren wird.» Der kritischste Zeitpunkt für die Bauteile sei während der Startphase der Trägerrakete. Zu diesem Zeitpunkt würden enorme Kräfte auf die einzelnen Bauteile wirken. «Leider kann nach dem Start aber die Elektronik nur noch überprüft und nicht mehr repariert werden. Daher wird beim Verbauen von elektronischen Bauelementen für Raumfahrtprojekte sehr grosser Wert auf Genauigkeit und Sauberkeit gelegt», sagt er. Da die Zuverlässigkeit und damit die Qualität oberste Priorität in einem solchen Projekt haben, sei es erforderlich, dass sowohl hoch qualifizierte Mitarbeiter, die entsprechende Technologie, und auch die erforderliche Infrastruktur wie etwa Reinräume zur Verfügung stünden. Weiter dürften nur Materialien eingesetzt werden, die über ein entsprechendes Langzeitverhalten verfügten.

Robust gebaut

Veraltet sei die Baumer-Technik in der Rosetta noch nicht. «Die SAW-Technologie ist auch heute noch im Einsatz, da sie robust ist gegenüber extremen Umweltbedingungen», sagt Andreas Knüsli. Baumer Electric habe bis vor einigen Jahren selbst Identifikationssysteme mit der SAW-Technologie hergestellt. Insgesamt würden die gemachten Erfahrungen solcher Projekte in die täglichen Arbeitsprozesse einfliessen. «Das wirkt sich dann natürlich auch positiv auf unsere Sensoren aus.»

Im Reinraum wurden Baumer-Bauteile für die Raumsonde gefertigt. (Bild: pd)

Im Reinraum wurden Baumer-Bauteile für die Raumsonde gefertigt. (Bild: pd)

Die Elektronikplatine dient der Steuerung des Baumer-SWA-Bauteils. (Bild: pd)

Die Elektronikplatine dient der Steuerung des Baumer-SWA-Bauteils. (Bild: pd)