Zweisprachige Wanderkarte

Noch diesen Herbst werden die umstrittenen Thurgauer Orts- und Flurnamen überarbeitet sein. Zu spät für die Thurgauer Wanderkarte. Sie schreibt zum Behelf die Orte doppelt an: in Mundart und in gewohnter Schreibweise.

Christoph Widmer
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Die Einwohner von Bohl widersetzen sich der neuen Schreibweise. Der neue Wegweiser dürfte bald wieder ersetzt werden. (Bild: Nana do Carmo)

Die Einwohner von Bohl widersetzen sich der neuen Schreibweise. Der neue Wegweiser dürfte bald wieder ersetzt werden. (Bild: Nana do Carmo)

frauenfeld. Früher führte der Abzweiger an der Strasse zwischen Oberbussnang und Märwil nach «Bohl/Buch». Das rostige Schild wurde ersetzt. Auf dem neuen Wegweiser steht nun «Bool/Buch». Die Einwohner des Weilers schütteln darüber den Kopf. Ihr Mann wohne schon seit 60 Jahren in Bohl und der Name sei schon immer mit «h» statt doppelten «o» geschrieben worden, sagt Ursula Wiederkehr. Sie hat kein Verständnis für die neue Schreibweise: «Das nervt uns.»

Kehrtwende kam zu spät

Der neue Wegweiser sei aufgestellt worden, bevor die neue Marschrichtung bei den Siedlungsnamen klar gewesen sei, sagt der Bussnanger Gemeindeammann Ruedi Zbinden. Im Mai hatte der Regierungsrat eine Kehrtwende bei der Schreibweise von Flur- und Siedlungsnamen beschlossen. Sie waren bis vor Kurzem in einer extremen Mundartschreibweise erfasst worden. Neben Namen wie «Holpmishus» für «Holzmannshaus» wurden auch Laute anders abgebildet. So wurde aus «Bohl» «Bool».

Nach viel Kritik erfasst der Kanton mittlerweile die Siedlungsnamen und die wichtigsten Flurnamen neu. Aller Wahrscheinlichkeit wird der heute noch unter «Bool» verzeichnete Weiler wieder «Bohl» heissen. Dann werde der neue Wegweiser ersetzt, verspricht Zbinden.

Im kantonalen Tiefbauamt gilt, dass auf Wegweisern bis auf weiteres keine Namensänderungen vorgenommen werden. Der Kanton fordert auch die Gemeinden auf, bei ihren Wegweisern darauf zu verzichten.

«Änderungen müssten eventuell bald wieder rückgängig gemacht werden», sagt Andreas Keller, Leiter der Namen-Arbeitsgruppe.

Das Aufräumen nach dem Namensstreit beschäftigt auch die Herausgeber von Landkarten. Die neue Auflage der Thurgauer Blätter der Landeskarte erscheint noch mit den Mundartnamen. Erst für die Auflage von 2016 kann das Bundesamt für Landestopographie die Thurgauer Kehrtwende berücksichtigen. Die Namen auf der Landeskarte werden also nicht mit den bald gültigen realen Namen übereinstimmen.

Wanderkarte für Sammler

Das stellte den Verleger der Thurgauer Wanderkarte vor Probleme. Die Karte ist vergriffen und muss neu aufgelegt werden. Der Verlag Huber behilft sich, indem er eine «zweisprachige» Zwischenauflage herausgibt. Neben der Mundartschreibweise aus der Landeskarte steht der Name auch in der geläufigen Variante – zum Beispiel «Roopel/Rotbühl». «Ortsunkundige sollen sich zurechtfinden können», sagt Verlagsleiter Hans-Rudolf Frey. Die Ende Monat erscheinende Wanderkarte dürfte ein Sammlerstück werden.

Der Verein Thurgauer Wanderwege ist darüber erfreut. Er hoffe, dass sich die Wanderer dank der doppelten Schreibweise besser zurechtfinden, sagt Geschäftsführer Stefan Birchler.

Nicht betroffen vom Namensalat ist die letztes Jahr neu erschienene Thurgauer Schulkarte. Dort erscheinen die Namen in der schriftsprachlichen Fassung. Das Amt für Volksschule habe bewusst auf die Mundartnamen verzichtet, sagt Amtschef Walter Berger.

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