Späte Einsicht

Im Thurgau werden innert Jahresfrist ein paar hundert mundartliche Orts- und Flurnamen geändert. Der Entscheid des Regierungsrats kommt nicht überraschend. Zu gross war der Protest in der Bevölkerung, als dass er am bisherigen Kurs hätte festhalten können.

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Im Thurgau werden innert Jahresfrist ein paar hundert mundartliche Orts- und Flurnamen geändert. Der Entscheid des Regierungsrats kommt nicht überraschend. Zu gross war der Protest in der Bevölkerung, als dass er am bisherigen Kurs hätte festhalten können. Zudem weht mittlerweile ein anderer Wind aus Bern. Der Bund rät seit Anfang Jahr in einer neuen Richtlinie ausdrücklich zu möglichst einfachen, kurzen und einprägsamen Namen mit vertrautem Schriftbild.

Die Rückkehr zu den bekannten Bezeichnungen ist aber auch inhaltlich richtig. Was nützen Namen von Höfen und Weilern, die den Einheimischen fremd sind und Auswärtige sowie Rettungsdienste nie ans Ziel kommen lassen, weil das GPS eine andere Sprache spricht.

Erstaunlich ist vielmehr, dass es überhaupt so weit kommen konnte und man erst jetzt auf der Zielgeraden die Notbremse zieht.

Rund 93 Prozent der Flurnamen sind bereits auf Antrag der sogenannten Nomenklaturkommission verbindlich in eine mundartliche Schreibweise geändert worden. Die Arbeit nahm Jahrzehnte in Anspruch. Und es hätte genügend Gelegenheiten gegeben, das Projekt zu stoppen. Beispielsweise vor sechs Jahren: Damals wurde der Fall eines Winzers aus Neunforn zum Politikum. Sein Weingut sollte unbenannt werden, wogegen sich der damalige SVP-Kantonsrat Werner Dickenmann wehrte.

Die neuen Flurnamen seien für die betroffenen Grundeigentümer oft ein grosses Ärgernis, kritisierte er schon 2004.

Der Nomenklaturkommission oder dem Regierungsrat nachträglich die Schuld an der Misere in die Schuhe zu schieben, wäre falsch. In der Verantwortung stehen viele, nicht zuletzt die Gemeinden, denen die neuen Namen jeweils zur Prüfung vorgelegt wurden. Markus Schoch

m.schoch@tagblatt.ch