Aus Roopel wird wieder Rotbühl

FRAUENFELD. Nach massivem Protest aus der Bevölkerung werden jetzt voraussichtlich ein paar hundert mundartliche Orts- und Flurnamen im Thurgau wieder in die traditionelle Schriftsprache geändert.

Markus Schoch
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Verzeichnis wird überarbeitet: Andreas Keller, Kaspar Schläpfer und Roland Kuttruff (von rechts). (Bild: Urs Jaudas)

Verzeichnis wird überarbeitet: Andreas Keller, Kaspar Schläpfer und Roland Kuttruff (von rechts). (Bild: Urs Jaudas)

Noch in diesem Sommer überprüft eine Arbeitsgruppe des Kantons zusammen mit Vertretern der Gemeinden die Schreibweise der rund 1200 Ortschaften und Siedlungen im Kanton, die in einem Verzeichnis aus dem Jahr 2005 festgelegt sind. In den letzten Jahren sind einige in eine mundartliche Version geändert worden. Bekanntestes Beispiel ist der Weiler Rotbühl in der Gemeinde Fischingen, der heute offiziell Roopel heisst.

Künftig sollen wieder die traditionellen Bezeichnung gelten, die sich an der Schriftsprache orientieren. Wie viele Anpassungen es geben wird, lässt sich nicht genau sagen. Roland Kuttruff, der Präsident des Gemeindeverbandes, schätzt den Anteil auf 10 Prozent, wie er gestern vor den Medien erklärte. Regierungsrat Kaspar Schläpfer wollte sich nicht auf eine Zahl festlegen lassen.

Gleich verfahren werden soll mit Flurnamen, die von öffentlichem Interesse sind. In Frage kommen beispielsweise Ausflugsziele wie der Nollen oder der Thurberg, die heute Nole und Tuurbärg geschrieben werden. Deren Zahl ist aber klein: Der Kanton schätzt, dass es zwischen 20 und 100 Fälle sein werden, viel mehr sicher nicht, wurde gestern versichert.

Belassen werden die übrigen Flurnamen in mundartlicher Schreibweise. 14 800 in 64 der 80 Gemeinden sind bereits rechtskräftig festgelegt.

Das vom Regierungsrat beschlossene Vorgehen entspricht den Vorschlägen einer Arbeitsgruppe, die Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer im letzten August eingesetzt hatte, als die Proteste aus der Bevölkerung an der neuen Mundartschreibweise nicht abreissen wollten.

Die Kommission unter dem Vorsitz von Andreas Keller, dem Generalsekretär im Departement des Inneren und Volkswirtschaft, kommt zum Schluss, dass man im Thurgau übers Ziel hinausgeschossen hat. Der Bund habe in seiner bis in die jüngste Vergangenheit hinein gültigen Weisung aus dem Jahr 1948 eine mundartnahe Schreibweise verlangt und keine mundartgetreue lautmalerische, wie sie die zuständige Nomenklaturkommission im Thurgau verfolgt habe.

Allerdings hätten sich viele andere Kantone auch nicht an die Direktiven aus Bern gehalten, da sie «übereinstimmend als veraltet und wenig eindeutig angesehen wurden», so die Kommission. Es bestehe heute deshalb ein «Sammelsurium von Schreibweisen».