«Alle für voll nehmen ist wichtig»

Die Evangelische Frauenhilfe widmete den Herbstkurs den Generationen, die miteinander unterwegs sind. Fünf Frauen verkörperten fünf Generationen. Erfahrungsberichte folgten.

Hedy Züger
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weinfelden. Margrith Heule-Scherrer aus Gams, psychologische Beraterin in eigener Praxis, forderte am ersten Nachmittag vor der Thurgauischen Evangelischen Frauenhilfe: «Unserem Gegenüber müssen wir Wahrnehmung und Respekt entgegenbringen.» Zwischen verschiedenen Generationen gebe es Spannungen, komme wie beim Mobile etwas in Bewegung. Es gelte, seinen Standpunkt gut überlegt und immer mit Liebe zu vertreten.

Nicht aufgeben

Wir seien eine Gesellschaft, in der die Generationen sich gegenseitig brauchten, sie sollten sich füreinander interessieren. «Geben sie nicht auf, bleiben Sie mit den Jungen im Gespräch, geben Sie Ihre Werte weiter», wandte sich Margrith Heule an die meist gestandenen Zuhörerinnen.

Mit dem Familienausflug einer Entenfamilie erntete die Erzählerin am zweiten Kursnachmittag einen Lacherfolg; der Erpel tat, was Väter gerne tun: die Familie kommandieren, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es anders besser geht.

Neugierige Kinder

Kindergärtnerin Eveline Lorandi ist Freundin, Helferin, Lernbegleiterin, Polizistin und Trösterin. «Kinder gehen gut auf Erwachsene zu und erleben viel Verständnis», sagte sie. Kinder wollten jeden Tag Neues erleben. Sie hätten keine Angst vor schlechten Erfahrungen. Kindergärtlern und Oberstufenschülern machen gemeinsame Bastelstunden Spass, was ab und zu ermöglicht wird.

Die Erfahrungen unter den Generationen setzte Darinka Gsell mit einem «Brief an die Grossmutter» fort. Sie schilderte darin nicht nur, was sie an ihrem eigenen Grosi bewundert, sondern auch weniger positive Erfahrungen mit anderen «älteren Damen».

Iris Haffter, die beruflich oft mit der Bahn unterwegs ist, spielte ihre Reaktion vor, wenn sie Füssen begegnet, die auf Sitzpolstern lagern. Netterweise legt sie diesen eine Zeitung unter oder dankt freundlich, wenn die Schuhe doch noch dort landen, wo sie hingehören.

Nichts nachtragen

Dorothee Glauser gab Erfahrungen aus der Zeit, da sie selber eine junge Schwiegertochter war, preis und vermittelte Überlegungen, wie Generationen, sogar unter dem gleichen Dach, gut miteinander auskommen. Sie schätzt es, wie die eigenen Enkel von klein auf mit einem behinderten Onkel umzugehen lernten. Wichtig sei, sich auszusprechen, aber nichts nachzutragen, sondern zu vergessen und auch zu akzeptieren, dass die junge Generation ihre eigenen Wünsche umsetzt. Die Bäuerin lernte früh, mit älteren Menschen umzugehen. «Alle für voll nehmen», das sei immer noch wichtig.

Rege Diskussion

In der Diskussion kamen ausgegrenzte Kinder, Spannungen aller Art in den Familien, Bräuche, Ordnung und Egoismen zur Sprache: Niemand darf in öffentlichen Verkehrsmitteln einen Sitzplatz für Gepäckstücke beanspruchen; Totengedenktage sind älteren Menschen wichtig.